Quelle: ZAMG

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Arbeitslosigkeit im Mai um 2,7 Prozent gesunken

01.06.2017 - 14:55
394.511 Personen im Mai ohne Job© APA (Pfarrhofer)394.511 Personen im Mai ohne Job

Die Situation am österreichischen Arbeitsmarkt hat sich im Mai weiter verbessert: Die Arbeitslosigkeit sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent, die Zahl der unselbstständig Beschäftigten nahm um 1,7 Prozent auf 3,643 Millionen zu. Insgesamt waren Ende Mai 394.511 Personen ohne Job (Arbeitslose und Schulungsteilnehmer), das waren um 10.959 Personen weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank um 0,5 Punkte auf 8,0 Prozent. Rechnerisch kommen auf eine beim AMS gemeldete offene Stelle 6,6 Arbeitslose.

Vom Aufschwung am Arbeitsmarkt profitierten besonders junge Menschen. Die Zahl der Arbeitslosen im Alter von 15 bis 24 Jahren ging Ende Mai gegenüber dem Vorjahr um 16,0 Prozent auf 34.183 Personen zurück. Hingegen bleibt für Ältere die Jobsuche schwierig. Die Zahl der Arbeitslosen über 50 Jahren ist um 4,2 Prozent auf 97.795 Personen gestiegen. Zuwächse gab es auch bei arbeitslosen behinderten Personen (+6,7 Prozent auf 12.692) und Langzeitarbeitslosen, die über 12 Monate vorgemerkt sind (+8,0 Prozent auf 58.983 Personen).

Für Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) sind die Zahlen eine Bestätigung der Trendwende der letzten Monate. Neben den "sehr positiven Entwicklungen, etwa bei Jugendlichen" gebe es auch Entwicklungen, auf die man dringend reagieren müsse. "Das betrifft insbesondere die schwierige Arbeitsmarktsituation für ältere Arbeitssuchende über 50 Jahre. Sie haben oft ihr ganzes Leben hart gearbeitet und suchen nun schon seit über einem Jahr verzweifelt nach Arbeit. Diese dürfen wir nun nicht respektlos mit der Einführung eines Hartz-IV-Modells in Österreich bestrafen. Ich will ihnen im Gegenteil mit der Aktion 20.000 und dem Beschäftigungsbonus so schnell wie möglich zu neuen Perspektiven in ihrem Leben verhelfen", so Stöger. Die Aktion 20.000 soll Langzeitarbeitslosen über 50 Jahren 20.000 Jobs in Gemeinden oder öffentlichen Einrichtungen vermitteln.

Der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, sieht durch die erneut gesunkenen Arbeitslosenzahlen die Trendwende am Arbeitsmarkt ebenfalls bestätigt. "Die Trendwende ist es, da bin ich sicher", meinte Kopf am Donnerstag im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radio. "Die Zahlen verbessern sich von Monat zu Monat, aber die Herausforderungen sind noch groß."

Probleme gebe es insbesondere bei der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung, Älteren und Langzeitarbeitslosen. Angesprochen auf die Flüchtlinge, die erst nach abgeschlossenem Asylverfahren langsam auf den Arbeitsmarkt kommen, meinte Kopf, er wünsche sich schnellere Verfahren. "Integration ist leichter, wenn die Verfahren kurz dauern."

Die Zahl der Arbeitslosen ist Ende Mai in allen Bundesländern rückläufig. Der größte Rückgang war in der Steiermark mit 10,3 Prozent zu verzeichnen, gefolgt vom Burgenland mit 8,3 Prozent und Kärnten mit 7,4 Prozent. In Wien liegt die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen um 3,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Den geringsten Rückgang verzeichnet Niederösterreich mit 1,5 Prozent. In der Bundeshauptstadt gab es mit 118.866 vorgemerkten Arbeitslosen und 33.445 Schulungsteilnehmern zusammen über 152.000 Personen ohne Job.

Stark zugenommen hat die Zahl der dem AMS gemeldeten offenen Stellen: Ein Plus von 43,9 Prozent bzw. 18.267 Jobangeboten gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Bestand der beim Arbeitsmarktservice gemeldeten Stellen beträgt nunmehr 59.858. Zahlenmäßig die meisten offenen Stellen bietet Oberösterreich mit 15.996 an, der stärkste prozentuelle Zuwachs an Jobangeboten war in Niederösterreich mit plus 80,4 Prozent zu verzeichnen.

Positiv entwickelte sich auch der Lehrstellenmarkt. So liegt die Zahl der Lehrstellensuchenden Ende Mai 2017 um 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert, während der Bestand an gemeldeten offenen Lehrstellen um 32,6 Prozent zugenommen hat. Den 4.647 Lehrstellensuchenden stehen 4.272 betriebliche Lehrstellen gegenüber. Die meisten Lehrstellensuchenden gab es in Wien mit 1.470 Personen, die meisten offenen Lehrstellen hingegen in Tirol mit 837 Angeboten.

Rückläufig ist die Arbeitslosigkeit sowohl bei Frauen mit 3,2 Prozent als auch bei Männern mit 6,3 Prozent. Bei Inländern geht die Zahl der Arbeitslosen um 5,6 Prozent zurück und auch bei Personen ohne österreichischen Pass ist die Zahl der Arbeitsuchenden mit 3,2 Prozent weiter abnehmend. Rechnet man hingegen Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammen, so gab es bei Inländern einen Rückgang um 5,0 Prozent, bei Ausländern einen Zuwachs um 2,8 Prozent. Insgesamt waren Ende Mai 260.616 Inländer und 123.895 Ausländer ohne Job.

Die Reaktionen aus den Parteien fallen erwartungsgemäß unterschiedlich aus. FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl beklagt, Österreich werde "immer mehr zum Arbeitsamt der gesamten Welt" und weiters "zum Schulungsamt der gesamten Welt". Eine sektorale Schließung des Arbeitsmarkt hätte schon längst umgesetzt werden müssen.

"Natürlich ist es gut, wenn die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass dies auch der Jahreszeit und dem Wetter zu verdanken ist. Der Bau und der Tourismus sind da die Klassiker, doch auch andere Branchen sind betroffen. Wie stark der Trend also tatsächlich ist, muss sehr vorsichtig beurteilt werden", sagt Birgit Schatz, Arbeitnehmersprecherin der Grünen.

Von den NEOS kommt die Forderung nach einer Neugestaltung des Arbeitslosengelds. "Nur mit einschneidenden Maßnahmen können wir es schaffen, dass Menschen nach langer Arbeitslosigkeit wieder in den ersten Arbeitsmarkt finden und die Rekordzahl an offenen Stellen besetzen", meint NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker. Am Beginn der Arbeitslosigkeit sollte die Leistung höher sein und in Schritten gesenkt werden. So steige der Anreiz, eine neue Stelle anzunehmen, bevor Menschen in die Langzeitarbeitslosigkeit abrutschen.

Für das Team Stronach ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit um fast 11.000 Personen im Vorjahresvergleich "eher ein Verdienst des Wetters" als der Regierung. Sozialsprecherin Waltraud Dietrich fordert mehr Unterstützung für die über 50-Jährigen beim Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt durch eine verbesserte Eingliederungshilfe.

(APA)

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