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ÖBB verkaufen "Hellö"-Fernbus an deutschen Flixbus

22.05.2017 - 17:09
Hellö wird bald zu Flixbus© APAHellö wird bald zu Flixbus

Nicht einmal ein Jahr nach dem Start haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) nun bei ihrer Fernbus-Sparte die Notbremse gezogen: Das "Fernbus-Start-up Hellö" werde an den deutschen Konkurrenten Flixbus verkauft, teilten die ÖBB am Montagvormittag mit. Der Vertrag zwischen ÖBB und Flixbus soll mit 1. Juni 2017 in Kraft treten, die gesamte Transaktion bis Ende Juli abgeschlossen sein.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Die Arbeitsplätze der "Hellö"-Lenker seien gesichert, sie werden beim ÖBB-Postbus eingesetzt. "Hellö" war erst im Juli 2016 mit Fernbusverbindungen zu Billigpreisen etwa nach Berlin, München, Zürich und Venedig gestartet und kämpfte laut Medienberichten mit großen Verlusten. Flixbus soll bereits vor geraumer Zeit Interesse an der Übernahme bekundet haben. Die Marke "Hellö" soll im Laufe des Jahres verschwinden, hieß es.

Flixbus bestätigte die Übernahme. Die Fernbusse der "Hellö"-Flotte werden demnach bis Ende Juli zunächst weiterfahren. Ab dem 1. August 2017 werden bestehende "Hellö"-Linien in das europaweite Flixbus-Netz integriert. Der österreichische FlixBus-Partner Blaguss übernehme den operativen Betrieb der "Hellö"-Linien. Dadurch würden zusätzliche Kapazitäten auf beliebten Strecken zum Einsatz kommen, gleichzeitig werde das bestehende Flixbus-Fernbusnetz um neue Verbindungen und mehr Ziele im In- und Ausland erweitert.

Die ÖBB informierten auch über die Auswirkungen für die Kunden: Anfang Juni 2017 startet die gemeinsame Vertriebskooperation von "Hellö" und Flixbus. Tickets für "Hellö" sind ab diesem Zeitpunkt auch über Flixbus buchbar. Alle "Hellö"-Tickets bleiben weiterhin gültig. Ab 1. August können Flixbus-Tickets direkt und auch über die Mobilitäts-App "wegfinder.at" gekauft werden.

Der Verkauf der ÖBB-Fernbussparte an den deutschen Marktführer wurde von ÖVP-Seite gelobt. Damit werde eine "Fehlentwicklung" zum Wohle der Steuerzahler beendet, meint ÖVP-Verkehrssprecher Andreas Ottenschläger. Bereits Ende 2016 haben mit der Deutschen Bahn und der Westbahn zwei große Player die unternehmerisch richtigen Konsequenzen gezogen und ihr Engagement am Fernbussektor beendet, nun hätten die ÖBB nachgezogen.

Mitte Juli 2016 waren die schwarzen Mercedes-Busse unter dem Markenmotto "Hellö - Der Fernbus gegen Fernweh" gestartet. Elf Linien wurden bedient, zum Start wurden Kampfpreise von 15 Euro je Strecke angeboten. Das Projekt war noch unter dem vorherigen ÖBB-Chef Christian Kern, nunmehr Bundeskanzler, gestartet worden. Sein Nachfolger an der ÖBB-Spitze, Andreas Matthä, nannte bei der Bilanzpressekonferenz Ende April 2017 keine Zahlen zum finanziellen Abschneiden der Fernbussparte. Bei der ersten Präsentation der Fernbusse im Juni 2016 hieß es, innerhalb von fünf Jahren wolle man in dem neuen Segment profitabel sein. Im Jänner 2017 wurde das Linienangebot angepasst, bisher seien 100.000 Tickets verkauft worden, hieß es von ÖBB-Seite.

Flixbus (Markenname FlixBus) ist 2013 im Rahmen der Marktöffnung zunächst in Deutschland gestartet. Mit finanzieller Unterstützung des US-Investors General Atlantic wurden mehrere Konkurrenten aufgekauft. Im Sommer 2014 erweiterte Flixbus gemeinsam mit Blaguss erstmals sein Fernbusnetz Richtung Österreich. 2016 beförderte Flixbus nach eigenen Angaben in Österreich 2,7 Millionen Reisende. Flixbus hält in Deutschland über 90 Prozent Marktanteil im Fernbusgeschäft. Dabei hat Flixbus gar keine eigenen Busse, sondern arbeitet mit Partnerunternehmen - von Flixbus kommt nur die Marke und die Organisation.

Eine Prüfung der Wettbewerbsbehörden dürfte nicht notwendig werden, hieß es. Dazu sei die Größe der Unternehmen zu gering, erklärte ein Flixbus-Sprecher auf APA-Anfrage. Die ÖBB-Fernbus GmbH habe die notwendigen Umsatzgrenzen weder in Österreich noch in Deutschland erreicht, die diese Transaktion anmeldepflichtig gemacht hätten, so ein ÖBB-Sprecher zur APA.

(APA)

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