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Bank Austria droht wegen Devisenoptionsgeschäft neue Klage

09.04.2017 - 15:45
Bank Austria hat ein Problem am Hals© APA (Symbolbild)Bank Austria hat ein Problem am Hals

Der Bank Austria droht wegen schiefgegangener Devisenoptionsgeschäfte mit Privatkunden eine neue Klage. Wöchentlich würden sich ein bis drei Leute melden, die von den negativen Folgen eines als "Synthi Schweiz" bezeichneten Optionsgeschäftes betroffen seien, sagte Rechtsanwalt Lukas Aigner zur APA. In vielen Fällen hätten die Kunden jetzt um 70 Prozent mehr Schulden als vorher.

Vorwiegend in den Jahren 2007 und 2008 haben rund 1.000 Kreditkunden der Bank Austria, die ihre Zinszahlungen für einen Eurokredit optimieren wollten, den von der Bank zu diesem Zwecke angebotenen "Synthi Schweiz" abschlossen. Bereits 2010 wurden von Aigner rund 35 Klagen gegen die Bank eingebracht, die dann doch noch verglichen wurden. In Summe seien damals rund 100 Fälle abgewickelt worden.

Nachdem im Vorjahr die gesamte Liste der betroffenen Kunden im Internet geleakt worden sei, sei es zu einem neuen Schwung gekommen. "Die Bank weiß, dass sie ein Riesenproblem hat", so Aigner. Auch der VKI sei in dieser Sache bereits aktiv gewesen. Viele Kunden hätten vorher gar nicht gewusst, dass sie betroffen seien. Die Bank schreibe sie an, und unterbreite ihnen Lösungsvorschläge. "Viele dieser Kunden kommen dann zu uns", so Aigner. Primär werde versucht, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, erst danach werde geklagt. "Die Bank weiß, dass es teuer wird, wenn sie zu uns kommen", so der Anwalt. Derzeit wickle seine Kanzlei ungefähr 15 Fälle ab, einen Fall werde man wohl einklagen.

"Viele Leute haben einen Schaden von 500.000 Euro bei einem ursprünglichen Kredit von 600.000 Euro", so Aigner. Diese Fälle seien schwerer zu lösen, als kleinere Schäden mit 20.000 Euro. Eine substanzielle Rückvergütung sei oft nur unter Druck einer Klage möglich. Dabei komme man regelmäßig zu einer Schadensminderung von nicht unter der Hälfte.

Die Bank Austria wollte auf APA-Anfrage zum aktuellen Stand von Klagsverfahren oder Vergleichen und anderen Aktivitäten rund um den "Synthi Schweiz" keine Auskunft geben: "Zu einzelnen Kunden oder Geschäften sowie zu rechtlichen Verfahren geben wir grundsätzlich keinen Kommentar ab", so ein Sprecher der Bank.

Den "Synthi Schweiz" hat die Bank Austria hauptsächlich 2007 und 2008 vertrieben, also vor und nach dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008. Den Kunden wurde versprochen, sie könnten damit ihren im Zusammenhang mit einem bei der Bank laufenden Eurokredit bestehenden Zinsaufwand "optimieren", indem sie die "attraktiv niedrigen" Zinsen des Schweizer Franken nutzten. Das Währungsrisiko eines steigenden Franken sollte dabei mit Aktivierungs- und Deaktivierungsschwellen gemindert werden. Als Prämie wurde ihnen in Aussicht gestellt, dass sie um 1,5 Prozentpunkte weniger Zinsen zahlen.

Es kam allerdings alles anders, als gedacht. In Folge der Finanzkrise flüchteten Anleger in den Schweizer Franken, worauf dieser gegenüber dem Euro kräftig aufwertete. Die im "Synthi Schweiz" vereinbarte für die Kunden äußerst ungünstige Konvertierung ihres Eurokredites in einen Frankenkredit zu einem deutlich schlechteren Wechselkurs wurde ausgelöst.

Einem dieser klagenden Kreditkunden entstand dadurch laut einem der APA vorliegenden Expertengutachten vom November 2015 ein nachgerechneter Schaden von über 85.000 Euro. Um diesen Betrag verteuerte sich durch die Zwangskonvertierung in einen Frankenkredit sein ursprünglich auf 156.000 Euro lautender Eurokredit.

Bei den geschädigten Bankkunden handelt es sich großteils um Eigenheimbesitzer, die den "Synthi Schweiz" auf Empfehlung der Bank abgeschlossen haben. Technisch handelt es sich laut dem Gutachten um den Verkauf einer "Euro-Put/CHF-Call KIKO Devisenoption". Dabei sei die Gewinnchance des Bankkunden mit dem Erhalt der Prämie begrenzt, sein Verlustrisiko bei Aktivierung der Option dagegen nahezu unbegrenzt.

"Angesichts dieser Produktausgestaltung stellt sich (...) die Frage nach der Sinnhaftigkeit, einem nichtprofessionellen Kunden, der sich auf die Beratung der Bank verlassen musste und auch durfte, im November 2007 vor dem Hintergrund des damaligen Euro/Franken-Marktniveaus ein solches Produkt anzubieten", heißt es im mit November 2015 datierten Gutachten.

Die Bank hätte gesetzliche Vorschriften verletzt, sie hätte den Kunden explizit darauf hinweisen müssen, dass sich der Wechselkurs damals auf einem historisch sehr hohem Niveau befunden habe und daher der Zeitpunkt für den Geschäftsabschluss aus Kundensicht objektiv ungünstig und riskant war.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit für das Schlagendwerden des Risikos sei für den Kunden mit rund 22 Prozent relativ hoch gewesen. Weiters kritisiert der Gutachter, dass die Bank bei diesen Geschäft mehr Ertrag lukrierte als der Kunde - der Ertrag der Bank belief sich im konkreten Fall auf 101 Prozent der Prämie. Der Kunde habe dies aus der ihm übermittelten Geschäftsbestätigung aber weder ablesen noch nachvollziehen können. "Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich jede von der Bank vereinnahmte Marge negativ auf das Risiko des Kunden auswirkt", so der Gutachter.

Das Volumen des "Synthi Schweiz" liegt laut einem Bericht des "Wirtschaftsblatt" aus dem Jahr 2010 bei insgesamt 234 Mio. Euro, ein Zahl, die für die Bank damals nicht nachvollziehbar war. Der Schaden für die Kunden soll sich auf über 50 Mio. Euro summiert haben. Einen hohen zweistelligen Millionenbetrag soll damals die Bank bereits für Vergleiche ausgegeben haben. Die Bank Austria wollte aktuell dazu keine Angaben machen.

(APA)

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