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Wirtschaftsaufschwung unerwartet kräftig

24.03.2017 - 14:27
Wifo-Chef Christoph Badelt und IHS-Chef Martin Kocher© APAWifo-Chef Christoph Badelt und IHS-Chef Martin Kocher

Die Konjunkturerholung hat sich in Österreich zu einem Konjunkturaufschwung verstärkt. Wifo und IHS haben ihre Wachstumsprognosen für 2017 auf 2,0 bzw. 1,7 Prozent angehoben und halten auch noch stärkere BIP-Anstiege für möglich. Die gute Konjunktur verhindert erstmals seit Jahren einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit - die Experten mahnen aber dringend Reformen ein, für die jetzt Zeit sei.

"Man könnte mit den Beatles sagen: 'Here comes the sun'", meinte IHS-Chef Martin Kocher am Freitag zu den unerwartet guten Prognosen. Wifo-Chef Christoph Badelt sprach angesichts eines "sehr breiten Aufschwungs" von einer "deutlich positiven Botschaft".

Die österreichische Konjunktur dürfte zunehmend an Eigendynamik gewinnen, hieß es seitens des Wifo, und der Aufschwung sollte sich über beide Jahre 2017/18 fortsetzen. Wifo-Vizechef Marcus Scheiblecker hält sogar eine Prolongation ins Jahr 2019 für möglich.

Die Politik sollte den Aufschwung für Reformen nützen, verlangten die Leiter der beiden Institute, die dabei etwa an die Ausgabendynamik des öffentlichen Sektors, die Abgabenstruktur, aber auch an Bildung, Forschung oder Integration von Zuwanderern denken. Badelt nannte als "wichtigste Reformen" zu den öffentlichen Ausgaben die Themenbereiche Finanzausgleich, Steuerhoheit der Länder und Doppelförderungen. Die Abgabenstruktur sollte samt SV-Beiträgen grundlegend angegangen werden.

Auch IHS-Chef Kocher sieht Handlungsbedarf: "Die Zeit für Konjunkturpolitik ist vorbei, jetzt ist Zeit für Strukturpolitik", meinte er vor Journalisten. Speziell zu Bereichen wie Arbeitsmarkt, Bildung und Integration "könnte die Regierung kühner sein".

Erstmals dürfte die Arbeitslosenrate heuer nach längerer Zeit nicht weiter steigen, wie dies in ihrer letzten Prognose von Dezember noch beide Institute angenommen hatten, sowohl nach nationaler wie auch nach Eurostat-Definition. Wegen der anhaltend starken Ausweitung des Arbeitskräfteangebots dürfte die Rate nach nationaler Rechnung laut Wifo 2017 zwar leicht von 9,1 auf 8,9 Prozent sinken, 2018 aber dort verharren. Das IHS dagegen sieht wie 2016 auch heuer noch 9,1 Prozent und 2018 dann höhere 9,2 Prozent.

Das überarbeitete Regierungs-Arbeitsprogramm, das auf eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich abzielt, wird vom IHS ausdrücklich begrüßt: "Insbesondere Senkungen der Lohnnebenkosten, höhere Arbeitszeitflexibilität und Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind positiv zu beurteilen."

Die Teuerung hat wegen des Ölpreisanstiegs wieder angezogen, das Wifo geht für 2017/18 von je 1,7 Prozent Inflationsrate aus, nach 0,9 Prozent 2016. Das IHS erwartet einen Anstieg des VPI von je 1,9 Prozent für 2017/18, weist aber auf den Ölpreiseffekt hin: Samt diesem sei die Februar-Inflation auf 2,2 Prozent geklettert, ohne Nahrungsmittel und Energie (Kernrate) aber nur auf 1,6 Prozent.

Wifo und IHS glauben, dass ihre guten und stark angehobenen Wachstumsprognosen noch übertroffen werden könnten. "Im ersten Halbjahr ist und bleibt die Konjunktur gut. Setzt sich das fort, könnten wir auch auf zwei Prozent kommen", meinte Kocher - an sich hat das IHS für heuer "nur" 1,7 Prozent reales BIP-Plus prognostiziert. Und Scheiblecker hält mehr als die 2-Prozent-Prognose seines Instituts für möglich, wie er zur APA sagte. Arbeitstagbereinigt wird das BIP heuer ohnedies stärker als die offiziell prognostizierten unbereinigten Werte zulegen, nämlich laut Wifo um 2,2 Prozent und laut IHS-Chef Kocher um 1,9 Prozent.

Warum man die Wachstumserwartung gegenüber der letzten Prognose von Dezember so kräftig angehoben habe, wird der Wifo-Chef gefragt. Badelt: Einerseits sei man am Wifo etwas vorsichtiger als notwendig gewesen, vor allem zu den Themen Brexit und Trump. Und zweitens habe man nicht allen - positiven - Umfragen getraut, die sich jetzt doch als richtig herausgestellt hätten.

Und der Beitrag der Regierung zum Aufschwung? Badelt: "Das Regierungshandeln war wirtschaftspolitisch nicht sehr aktiv" - und es gebe doch einen wirtschaftlichen Aufschwung. IHS-Experte Helmut Hofer: "Die Regierung kann die Konjunktur per se nicht machen."

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zeigte sich am Freitag erfreut über die von Wifo und IHS konstatierte Belebung der Konjunktur in Österreich. "Das bestätigt die Richtigkeit der Investitionsentscheidungen der Betriebe, aber auch der Arbeit der Regierung", so Mitterlehner. Das nächste Ziel sei, die Arbeitslosigkeit nach unten zu bringen.

An den angehobenen Wirtschaftsprognosen erkenne man das gemeinsame Bemühen der Regierung in Richtung Beschäftigung und Investitionen, meinte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ). Und Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) erklärte: "Auch wenn nun die Richtung stimmt, darf man sich nicht von den guten Zahlen blenden lassen. Ruhepolster ist es noch lange keiner, wir haben noch viel zu tun, um das gute Wachstum langfristig zu stabilisieren und die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen."

(APA)

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