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Anas Abuzaakouk folgt Byron Haynes als BAWAG-Chef

09.03.2017 - 13:29
Der neue BAWAG P.S.K.-CEO Anas Abuzaakouk© APADer neue BAWAG P.S.K.-CEO Anas Abuzaakouk

Zehn Jahre nach dem Notverkauf an den US-Fonds Cerberus gibt es in der an Rochaden im Vorstand nicht gerade armen BAWAG PSK wieder einen Wechsel an der Spitze: Der seit Herbst 2009 amtierende Bankchef Byron Haynes geht mit Jahresende. Der Aufsichtsrat ernannte am Mittwoch den bisherigen Finanzchef Anas Abuzaakouk zum neuen CEO (Vorstandschef), teilte die Bank am Donnerstag mit.

Haynes habe sich entschlossen, das Unternehmen zu verlassen und werde bis Jahresende 2017 als Co-CEO zur Verfügung stehen. Sein ursprünglicher Vorstandsvertrag wäre im März 2019 ausgelaufen. Haynes sei mit dem Aufsichtsrat übereingekommen, dass der Vertrag ein Jahr früher beendet wird, hieß es von der Bank zur APA.

Die Mitteilung zum Chef-Wechsel kam heute überraschend. Gestern war nach dem Aufsichtsrat lediglich der Austausch des Aufsichtsratsvorsitzenden verlautbart worden. Aufsichtsratschef ist seit 8. März der spanische Cerberus-Manager Manuel Gonzalez Cid. Der bisherige Bankpräsident Franklin W. "Fritz" Hobbs hat das Amt nach vier Jahren zurückgelegt.

Gründe für den vorzeitigen Abgang des Briten Haynes als Vorstandschef wurden von der Wiener Bank nicht genannt. Seiner Ansicht nach "ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen", das Unternehmen zu verlassen und die Leitung an Abuzaakouk zu übergeben, wurde Haynes in der heutigen Aussendung zitiert, wobei er auf ein Rekordergebnis im Geschäftsjahr 2016 verwies. Allerdings: Trotz des Rekordgewinns gehen die Aktionäre leer aus.

Der gebürtige Amerikaner Abuzaakouk war 2012 als Sanierungsmanager in den BAWAG-Vorstand eingezogen. Seit 2014 war er Finanzvorstand. In der heutigen Mitteilung erklärte er, die Bank sei gut aufgestellt, um "einzigartige organische wie auch akquisitorische Wachstumschancen" zu nutzen. Die kommenden Jahre würden sehr spannend. Er sei überzeugt, "dass die besten Jahre noch vor uns liegen."

Die Bank hat einen drastischen Umbau hinter sich. 2006 mussten die damals fünftgrößte österreichische Bank und ihr damaliger Eigentümer ÖGB nach langjährigen Milliardenspekulationsgeschäften vor der Pleite gerettet werden. Über die Bühne ging der Bankverkauf an Cerberus & Co im Mai 2007. Es war ein klassischer Notverkauf, der BAWAG-Skandal gilt als bis dahin größter Wirtschaftsskandal der Nachkriegszeit. Das Osteuropageschäft musste aufgegeben werden.

Ein Ausstieg der Amerikaner, die für die BAWAG kurz vor Ausbruch der Finanzkrise mehr als 3 Mrd. Euro hingeblättert hatten, hat bisher nicht geklappt. Eigentlich hätten die Cerberus-Leute, die auch die österreichische Post und Industrielle ins Käuferkonsortium mitnahmen, ihre Bank in Wien gern schon 2012 börsenfit gesehen. Das war nicht der Fall. Ende 2012 kam mit dem ebenfalls amerikanischen Fonds Golden Tree ein neuer Minderheitsaktionär dazu. Den amerikanischen Fonds wird nachgesagt, den Rentabilitätsdruck auf Wien zuletzt erhöht zu haben.

Auch eine Großbaustelle ist offen: Mit der Stadt Linz liegt die Bank seit Jahren im Clinch wegen eines umstrittenen Swapgeschäfts (Streitwert: mehr als 500 Mio. Euro). Mit Konsumentenschützern streitet sie nach umstrittenen Kontokündigungen sowie um die Gebührenpolitik. Auf Druck der Aufsicht musste die Bank ihr Vorhaben absagen, ihren Chefs über ein Aktienoptionsprogramm an die 200 Millionen Euro Bonus zukommen zu lassen.

Übernahmeinteresse waren der BAWAG bzw. Cerberus vor einiger Zeit für die deutsche Postbank, aber auch fürs Filialgeschäft der österreichischen Bank Austria nachgesagt worden. Beides steht nicht mehr zum Verkauf. In Deutschland soll sie immer noch um die zur Allianz Versicherung gehörenden Oldenburgische Landesbank im Bieterrennen sein.

(APA)

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