Quelle: ZAMG

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Leicht steigende Arbeitslosigkeit und deutlich mehr Jobs

01.02.2017 - 13:08
Beachtliches Plus gibt es auch bei offenen Stellen© APA (Symbolbild/dpa)Beachtliches Plus gibt es auch bei offenen Stellen

Der Arbeitsmarkt präsentiert sich zu Jahresbeginn mit Licht und Schatten. Einem leichten Zuwachs bei den Jobsuchenden stand ein deutliches Plus bei den Stellenangeboten gegenüber. Das Angebot für Lehrlinge verbesserte sich, teilweise düster schaut es weiter für Ältere aus. Während in Niederösterreich die Arbeitslosigkeit stärker stieg, gab sie in Tirol erheblich nach.

493.852 Personen haben im Jänner eine Arbeit gesucht, was nach einem Rückgang im November und Dezember des Vorjahres nun einem Anstieg von 0,7 Prozent entspricht. 422.262 waren arbeitslos gemeldet, ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. 71.590 Jobsuchende waren in Schulungen des AMS, das ist ein Zuwachs von 9,7 Prozent.

Ein beachtliches Plus gab es bei den offen gemeldeten Stellen - sie legten im Jahresabstand um 35,1 Prozent auf 45.165 zu. Auch bei den Lehrstellensuchenden gab es einen Lichtblick: Ihre Zahl ging um 2,5 Prozent auf 5.994 Personen zurück. Die Anzahl der offenen Lehrstellen stieg gegenüber dem Jänner des Vorjahres um 16,8 Prozent auf 3.467.

Nach wie vor schwierig ist die Situation für Ältere. 121.184 Personen über 50 waren im Jänner arbeitslos gemeldet, das ist ein Plus von 8.101 Personen. Gleichzeitig stieg im Vormonat die Zahl der unselbstständig Beschäftigten auf 3,54 Millionen, ein Zuwachs von 55.000 - und davon waren 46.000 Ältere, rechnete AMS-Chef Johannes Kopf im Gespräch mit der APA vor.

Nach wie vor gebe es leider bei manchen Arbeitgebern "komische" Vorurteile gegen Ältere, so Kopf. Denn während ältere Mitarbeiter in den Unternehmen geschätzt würden, würden ihnen die Bereicherung abgesprochen, sobald sie auf Jobsuche sind. Das Ziel der Bundesregierung im neuen Arbeitsprogramm, 20.000 neue Jobs für Personen über 50 Jahre zu schaffen, hält Kopf für eine "herausfordernde Zahl". Sie sei aber zu machen wenn auf regionale Stärken gesetzt würde. Die Gemeinden müssten sich fragen: "Was gibt es was gut wäre, aber nicht passiert?".

Nach wie vor deutlich steigend ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Ausländer. Sie legte im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 123.886 zu. Damit stieg ihre Zahl im Jänner um 4.778 Personen. Bei Inländern gab es hingegen ein Minus von 2,5 Prozent auf 298.396. Dies geht aus den Zahlen des Sozialministeriums hervor.

Der breit diskutierte, angebliche Mangel an Köchen und Kellnern ist an der Arbeitslosenstatistik des Sozialministeriums nicht abzulesen: Im Tourismus waren im Jänner 42.025 Personen arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 0,4 Prozent. Währenddessen stieg die Arbeitslosigkeit am Bau trotz klirrender Kälte und Schnee nur um 0,1 Prozent.

Die Zahl der Jobsuchenden hat sich im Jänner im Jahresvergleich recht unterschiedlich entwickelt. Während es in Niederösterreich ein Plus von 2,4 Prozent gab, verzeichnete Tirol einen Rückgang von 5,3 Prozent. In Wien sank die Zahl der Arbeitslosen um 0,8 Prozent (gleichzeitig stieg in der Bundeshauptstadt die Zahl der Schulungen um 19,5 Prozent). Führend bei den offenen Stellen war Vorarlberg mit einem Anstieg von 56,4 Prozent. Schlusslicht war Kärnten mit plus 11,8 Prozent.

"Der eisige und zum Teil schneereiche Jänner hat die allmähliche Erholung am Arbeitsmarkt nunmehr etwas eingefroren", heißt es heute dazu in der Presseaussendung des Ministeriums. Im Jahresvergleich habe sich die Zahl der unselbstständig Erwerbstätigen dafür um 58.000 Personen auf 3.543.000 erhöht.

Fazit von Sozialminister Alois Stöger (SPÖ): "Die derzeit schwankende Entwicklung am Arbeitsmarkt mit Rückgängen und auch Monaten mit Anstiegen zeigt, das zwar Anzeichen einer Stabilität erreicht werden konnten, die Situation aber immer noch sehr angespannt ist."

Der Glaube an die neuen Maßnahmen der Bundesregierung für den Arbeitsmarkt hielt sich teilweise in Grenzen. Für die Regierung warfen sich dafür (eingeschränkt) die Sozialpartner in die Bresche.

"Es ist erfreulich, dass sich die Regierung nun einhellig zum Ziel gesetzt hat, hier eine Trendwende zu erreichen und sowohl direkt als auch indirekt für neue Arbeitsplätze zu sorgen", so Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB.

AK-Präsident Rudolf Kaske ist hingegen nicht ganz so erfreut: "Ich habe schon umfangreichere Vorhaben und weitreichendere Ankündigungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gehört als diejenigen, die im neuen Arbeitsprogramm der Regierung beinhaltet sind. Da hätte ich mir mehr erwartet."

Die Industriellenvereinigung (IV) wiederum sieht Licht und Schatten. "Das neue Arbeitsprogramm der Bundesregierung enthält eine Reihe von positiven Schritten in diese Richtung, etwa in den Bereichen Forschung und Bildung, so . Gleichzeitig meinte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer: "Weitere Verzögerungen wie bei der Modernisierung der Arbeitszeitgrenzen wären gefährlich für den Standort."

Die Wirtschaftskammer sieht auch "erste richtige Weichen". WKÖ-Experte Martin Gleitsmann schränkt aber ein: "Der Beschäftigungsbonus ist ein richtiger Schritt, darüber hinaus wird eine nachhaltige Entlastung des Arbeitsmarktes aber nicht ohne generelle Senkung der im internationalen Vergleich exorbitant hohen Lohnnebenkosten gehen."

FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl sprach sich für einen "Schutzschirm" für den heimischen Arbeitsmarkt aus. Die steigende Arbeitslosigkeit unter Ausländern sei "wieder einmal der Urkundsbeweis dafür, dass eine sektorale Schließung des Arbeitsmarktes ein Gebot der Stunde ist".

Die NEOs wiederum wollen die Rahmenbedingungen verschärfen. "Nur eine Änderung der Zumutbarkeitsbestimmungen und Umschichtungen beim Arbeitslosengeld können Lösungen bringen", erklärte Sozialsprecher Gerald Loacker. Team-Stronach-Sozialsprecherin Waltraud Dietrich wiederum meinte: "Angesichts von fast einer halben Million Arbeitsloser, ist es höchste Zeit, dass die Koalition die Schaffung von Arbeitsplätzen nicht nur ankündigt, sondern endlich umsetzt."

Der ÖVP-Seniorenbund zeigte sich "bestürzt" über die Zunahme der Arbeitslosigkeit bei Personen über 50 Jahren. "Ich verlange eine professionelle Ausarbeitung der Punkte 'Beschäftigungsaktion 20.000' und 'Lockerung Kündigungsschutz 50+' im Sinne der arbeitsuchenden Älteren", so Präsidentin Ingrid Korosec.

(APA)

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