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Streit um Casinos zwischen Novomatic und Tschechen beendet

26.02.2016 - 13:40
Sie sind seit vorgestern Freunde© APASie sind seit vorgestern Freunde

Der Streit um die Mehrheit bei den teilstaatlichen Casinos Austria ist beendet. Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic und das tschechische Konsortium, das ebenfalls die Kontrolle über die Casinos angestrebt hatte, wollen ihre Anteile an den Casinos und an den Lotterien in ein gemeinsames Joint Venture einbringen, das ihnen je zur Hälfte gehören wird.

"Es freut mich besonders, heute bekanntzugeben, dass wir seit vorgestern Freunde sind", kommentierte Novomatic-Chef Harald Neumann am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien die Einigung. "Wir haben vorgestern einen entsprechenden Kooperationsvertrag abgeschlossen und haben somit auch den Wunsch des Herrn Finanzministers (Hans Jörg Schelling, Anm.) Folge geleistet, dass wir uns einigen sollen."

Die Novomatic hält derzeit rund 40 Prozent der Anteile an der Casinos Austria AG (CASAG), das tschechische Konsortium rund 11 Prozent. Diese Anteile - und auch die, die in Zukunft noch erworben werden - werden in ein gemeinsames Joint Venture eingebracht. In dem Joint Venture, das dann rund 51 Prozent der CASAG-Anteile halten wird, sollen beide Partner gleichberechtigt sein.

"Und es kommen auch die Shares, die wir in der österreichischen Lotteriengesellschaft haben, diese ungefähr 24 Prozent, auch in den Topf", so Novomatic-Chef Neumann. Da der Wert der Assets, die die beiden Joint-Venture-Partner in die gemeinsame Gesellschaft einbringen, sehr unterschiedlich ist, wird die tschechische Seite einen Ausgleich leisten müssen. In welcher Form und in welcher Höhe dieser Ausgleich erfolgen soll, wird nicht verraten. Die Verhandlungen seien nur zwischen den beiden Partnern geführt worden, die Staatsholding ÖBIB oder das Finanzministerium seien daran nicht beteiligt gewesen, sagte Neumann.

An dem Joint Venture werden sich Novomatic und die Sazka Group je zur Hälfte beteiligen. Sazka vertritt wiederum die Investmentgruppen KKCG und Emma Capital. Sie sind - über den Emma Delta Investment Fund - die größten Aktionäre beim Glücksspiel-Konzern OPAP, der an der Athener Börse notiert ist und 2014 mehr als 4,2 Mrd. Euro Umsatz gemacht hat. Emma Capital ist eine Investmentgruppe, die 2012 von ihrem tschechischen Mehrheitsgesellschafter Jiri Smejc gegründet wurde. "Wenn das durch ist, dann hat die CASAG zwei Shareholder, die gemeinsam ungefähr neun Milliarden Euro Umsatz haben und ungefähr eine Milliarde Euro EBITDA", sagte Neumann.

Im Joint Venture werde jeder der Partner für die Bereiche verantwortlich sein, von denen er am meisten verstehe, erklärte Sazka-Vorstand Pavel Horak. Novomatic werde also u.a. das heimische und das internationale Casino-Geschäft und das Online-Geschäft steuern und Sazka die Lotterien und Sportwetten. Sazka sei im Vorjahr der am stärksten wachsende Lotterien-Betreiber der Welt gewesen, sagte Horak. Man wolle auch bei den österreichischen Lotterien für stärkeres Wachstum sorgen.

Zunächst wird aber Novomatic für einige Monate alleine das Sagen haben. Um die Transaktion abzuschließen, sei nämlich auch noch die Zustimmung der internationalen Lizenzbehörden notwendig, etwa in Australien oder in Kanada, sagte Neumann. Das werde etwa drei bis sechs Monate dauern. Man habe dieses zweistufige Verfahren gewählt, um bei den Casinos relativ rasch in das operative und strategische Geschäft eingreifen zu können. Pläne für personelle Veränderungen an der Casinos-Spitze gebe es derzeit nicht, sagte Horak, das aktuelle Management werde zumindest bis Ende 2017 bleiben.

Weil also zunächst die Novomatic die Kontrolle über die Casinos haben wird, wird das Anmeldeverfahren bei der Bundeswettbewerbsbehörde nicht zurückgezogen, sondern soll zu Ende geführt werden. Die BWB hat das Novomatic-Vorhaben inzwischen ans Kartellgericht weitergereicht. Erst danach soll dann die gemeinsame Kontrolle des Joint Ventures über die Casinos bei der BWB angemeldet werden.

Für den ersten Teil des Zusammenschlussverfahrens rechne man damit, dass es bis Juli abgeschlossen sein sollte, sagte Wettbewerbsrechts-Experte Raoul Hoffer. "Dann kommt die Interimsphase von einigen Monaten. In dieser Zeit wird aber dann auch schon das Zusammenschlussverfahren für die gemeinsame Kontrolle laufen und wir rechnen damit, dass das bis Ende des Jahres - Ende 2016, Anfang 2017 - abgeschlossen ist."

Man sei auch bereit, weitere Casinos-Anteile zu erwerben, sagte Neumann. "Es gibt noch einen weiteren großen Shareholder und zwei, drei kleinere. Wie die in der Zukunft entscheiden werden, wissen wir nicht. Aber wenn sie verkaufen wollen, dann würden wir natürlich diese Anteile gemeinsam kaufen."

Die bestehenden Rechtsstreitigkeiten zwischen der Sazka Group und der MTB Privatstiftung sowie der Medial Beteiligungs GmbH wegen der von Sazka behaupteten Vorkaufsrechte sollen so rasch wie möglich beendet werden. "Diese Verfahren werden ruhend gestellt", erklärte Rechtsexperte Hoffer. Das sei "eine übliche Methode, um ein Verfahren zu beenden, ohne es formal zurückzuziehen".

(APA)

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