Quelle: ZAMG

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Wenig gebildete Migranten gefährden Sozialsystem

27.11.2014 - 18:34
Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat Auswirkungen der Zuwanderung auf die Sozialsysteme analysiert. Der Ausblick ist wenig erfreulich.
Auswirkung der Migration auf das Sozialsystem© APAAuswirkung der Migration auf das Sozialsystem

Ob Zuwanderung ein Fluch oder ein Segen für das Sozialsystem sind, ist ein beliebtes ideologisches Streitthema. Traditionell argumentieren rechte Parteien populistisch, Ausländer würden unsere Sozialkassen plündern und den Staat mehr kosten als sie bringen. Während linke Parteien nicht nur den Solidaritätsgedanken predigen sondern auch entgegenhalten, die großteils jüngeren Zuwanderer würden die Pensionen sichern.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte deshalb zu diesem Thema eine Studie beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Auftrag gegeben, die nun vorliegt. Und sie offenbart, dass die Frage, ob Ausländer eine große Belastung oder ein großes Glück für den hiesigen Sozialstaat sind, nicht undifferenziert beantwortet werden kann.

Das ZEW kommt in seiner für Deutschland durchgeführten Studie, deren Ergebnisse aber auch auf Österreich umlegbar sind, jedenfalls zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die die Zuwanderung in der Vergangenheit dem Sozialstaat deutlich mehr genutzt als geschadet hat. Demnach haben die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass im Jahr 2012 einen Überschuss von 22 Milliarden Euro erwirtschaftet. Durchschnittlich hat damit jeder Ausländer pro Jahr um 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben gezahlt, als er an staatlichen Leistungen erhalten hat. Von einer Belastung des Sozialsystems durch Migranten kann demnach auf den ersten Blick absolut keine Rede sein.

Wesentlich zur vordergründig positiven Bilanz trägt bei, dass Migranten durch ihr durchschnittlich niedrigeres Einkommen später auch eine deutlich geringere Pension erhalten. Auch im Bildungssektor liegen die Ausgaben für Ausländer aufgrund einer typischerweise kürzeren und damit für den Staat kostengünstigeren Ausbildung um zwölf Prozent unter denen für Einheimische. Dem gegenüber steht aber eine mehr als doppelt so hohe Arbeitslosenquote und damit deutlich höhere Kosten im Arbeitslosensystem sowie beim Bezug von Familien-, Sozialleistungen. Zuwanderer ohne deutschen Pass erhalten im Schnitt um 80 Prozent mehr dieser Leistungen als deutsche Staatsbürger. Und durch das üblicherweise geringere Lohniveau zahlen Ausländer in Deutschland im Schnitt um 30 Prozent weniger an Sozialabgaben und um 40 Prozent weniger Einkommensteuer als Deutsche.

Extrem positiv auf die Bilanz wirkt sich hingegen laut der Studie des ZEW aus, dass die ausländische Bevölkerung viel jünger als die einheimische ist. Vor allem über das Sozialsystem gibt es demnach eine Umverteilung von Jung zu Alt, da aktive Erwerbstätige höhere Beiträge und Steuern zahlen, von denen Pensionen, Pflegeleistungen und Gesundheitsleistungen finanziert werden. Nur durch diesen Effekt, ist die Bilanz der Ausländer derzeit noch positiv.

Doch die Bilanz ist so nicht valide, denn sie ignoriert sämtliche sonstigen Leistungen, die der Staat aus seinen Steuern zu erbringen hat. So sind Ausgaben wie jene für Polizei, Justiz, Verwaltung, Verteidigung oder Straßenbau nicht berücksichtigt. Deshalb hat das ZEW auch den Anteil an diesen Kosten gemäß Bevölkerungsanteil für Ausländer zusätzlich kalkuliert. Bei einer derartigen Gesamtbetrachtung dreht sich die zuvor positive fiskalische Bilanz wieder tief ins Minus. In Deutschland beträgt damit die Finanzierungslücke je Ausländer knapp 80.000 Euro pro Jahr.

Die ZEW-Forscher in Bonn weisen deshalb darauf hin, dass speziell das geringere Schul- und Ausbildungsniveau der Ausländer angehoben werden sollte. Und dass das System der Zuwanderung nur so lange ökonomisch Sinn macht, so lange weiter ausreichend junge Erwerbstätige zuwandern.

(relevant Redaktion)

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