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"Ronaldo der Finanzminister" Centeno wird Eurogruppen-Chef

04.12.2017 - 20:13
Kompromisslösung Mario Centeno© APA (AFP)Kompromisslösung Mario Centeno

Der portugiesische Finanzminister Mario Centeno wird neuer Chef der Eurogruppe. Der 50-Jährige setzte sich am Montag in einer geheimen Abstimmung gegen seinen slowakischen Kollegen Peter Kazimir, den Luxemburger Pierre Gramegna und die lettische Ressortchefin Dana Reizniece-Ozola durch. Er wolle die gute Wirtschaftslage nutzen, um die Euroländer für Krisen besser vorzubereiten, erklärte Centeno.

"Wir haben eine seltene Chance, um unsere Volkswirtschaften und Gesellschaften besser zu rüsten, und darauf konzentriere ich mich", sagte Centeno nach seiner Wahl. Es sei eine große Ehre für ihn.

Centeno wirkte daran mit, Portugal aus der Schuldenkrise zwischen 2011 und 2014 zu führen. Seit 2015 ist er Finanzminister. Er hat zwar einige Sparmaßnahmen zurückgenommen, zugleich aber auf der Einhaltung der EU-Vorgaben im portugiesischen Haushalt gepocht. Die Wirtschaft des Landes ist in diesem Jahr so stark gewachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der deutsche Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble verglich ihn nach Gelingen der schwierigen Aktion mit den portugiesischen Fußball-Star Cristiano Ronaldo.

Centeno übernimmt den Job am 13. Jänner vom früheren niederländischen Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, in dessen fünfjährige Amtszeit die Griechenland-Krise fiel. Damals habe sich die Eurozone in einer existenziellen Krise befunden, sagte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. "Die Herausforderungen sind heute ganz andere", sagte der Franzose. Große Aufgaben für den Politiker seien nun, die Griechland-Stützung wie geplant zu Ende zu führen und die Vertiefung der Eurozone voranzutreiben.

Der deutsche Finanzminister Peter Altmaier begrüßte die Entscheidung für Centeno, da er sich zu den EU-Haushaltskriterien bekennt. "Die Wahl ist auch eine Anerkennung für die harten Reformen des Landes." Er habe den Kollegen nach Berlin eingeladen, um dort über wichtige Fragen wie den Euro und die Bankensicherung zu reden. Auch der österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zeigte sich über die Wahl von Centeno erfreut. "Gute Nachrichten für Europa", kommentierte Kern die Personalentscheidung auf Twitter. "Er repräsentiert eine gut ausbalancierte und progressive Fiskalpolitik."

Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament Othmar Karas sagte, in den nächsten zweieinhalb Jahren werde es an Centeno liegen, die Vertiefung und Stärkung der Eurozone auf der Basis des Fünf-Präsidentenpapiers und der Rede des französischen Präsidenten Macron voranzubringen.

Der Eurogruppen-Chef organisiert die regulär einmal im Monat stattfindenden Beratungen der Euro-Finanzminister und lotet Kompromisse in Streitfragen aus. Der Posten wird von dem Gremium für zweieinhalb Jahre vergeben. Es gibt im Zuge der EU-Reformen Überlegungen, einen hauptamtlichen Chefposten für das Gremium zu schaffen.

(APA/dpa)

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