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Siemens streicht in Wien 200 Jobs

17.11.2017 - 15:57
Proteste gegen die Sparmaßnahmen bei Siemens© APA (AFP)Proteste gegen die Sparmaßnahmen bei Siemens

Wegen der Auftragsflaute in den Kraftwerks- und Antriebssparten setzt der Technologiekonzern Siemens den Sparstift an und will 6.900 Jobs streichen. Auch in Wien werden bis 2020 und darüber hinaus 200 Jobs wegfallen, teilte Siemens-Sprecher Michael Braun am Freitag mit. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, der Konzern wolle die Mitarbeiter in "Wachstumsbereichen" unterbringen.

In Österreich waren die heimischen Arbeitnehmervertreter vom geplanten Stellenabbau bei Siemens in Wien offenbar überrumpelt. "Diese Entscheidung aus Deutschland hat uns schon überrascht", meinte Barbara Teiber, Regionalgeschäftsführerin der GPA-djp am Freitagnachmittag zur APA. Wegen der Krise in den Kraftwerks- und Antriebssparten sollen auch in Wien 200 Jobs wegfallen. Der Gewerkschaft gehe es nun darum, möglichst jeden Arbeitsplatz abzusichern. Am Montag sollen Details besprochen werden.

Die bisher auf drei Werke - Wien, Erlangen, Offenbach - verteilte Planung von Kraftwerksprojekten soll konzentriert werden. Die Belegschaft wurde am Freitagvormittag über die Pläne informiert. Mit dem Betriebsrat führe Siemens bereits Gespräche, man habe "einen guten Draht" und versuche, eine gute Lösung zu finden, sagte Braun. Siemens beschäftigt in Österreich 10.800 Mitarbeiter, knapp 6.000 davon in Wien.

Gestern bestätigte der deutsche Konzern die wochenlangen Spekulationen: Weltweit sollen in den nächsten Jahren tausende Jobs gestrichen werden, zahlreiche Ingenieursstandorte werden zusammengelegt. Insgesamt sollen 6.900 Arbeitsplätze wegfallen, gut die Hälfte davon in Deutschland. Dort sollen auch die Werke in Görlitz und Leipzig geschlossen werden.

Im Heimatland von Siemens ist der Unmut über die Pläne groß - vor allem, weil der Konzern zuletzt insgesamt satte Gewinne gemacht hatte. An zahlreichen Standorten kam es zu Protesten, die deutsche Gewerkschaft kündigte geschlossenen Widerstand an.

In Berlin versammelten sich nach Angaben der IG Metall rund 1.300 Beschäftigte auf dem Betriebsgelände, um gegen die Pläne zu demonstrieren. In Erfurt verließen nach Angaben von Arbeitnehmervertretern gut 500 Mitarbeiter des örtlichen Siemens-Werks vorzeitig eine Belegschaftsversammlung. "Sie sind hochgradig enttäuscht von der angekündigten Planung und können das in keinster Weise nachvollziehen", sagte Betriebsratsvorsitzender Mario In der Au. Bereits in der Früh hatten sich rund 200 Beschäftigte des Erfurter Standortes an einer Mahnwache beteiligt. Auch in Offenbach und Mülheim reagierten Beschäftigte empört auf die Abbau-Pläne ihres Arbeitgebers. Der Mühlheimer Betriebsratschef Pietro Bazzoli kündigte einen "heißen Dezember" mit Protestaktionen an.

Gesamtbetriebsratschefin Steinborn pochte vor allem auf den bei Siemens geltenden Pakt zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Sollte es tatsächlich zu betriebsbedingten Kündigungen kommen, die Siemens-Personalchefin Janina Kugel nicht ausgeschlossen hatte, würde das zu einem "ernsthaften Zerwürfnis" zwischen Management und Betriebsräten führen, sagte sie. Auch Standortschließungen seien in dem Pakt ausgeschlossen. Das Siemens-Management hatte zu dieser Frage mehrfach auf eine Klausel in dem Pakt verwiesen, wonach sich Firmenseite und Arbeitnehmer zusammensetzen und nach Lösungen suchen können, falls alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Über die geplanten Maßnahmen seien "alle wirklich geplättet und geschockt" gewesen, sagte Steinborn. Nun würden die Informationen bei der kommende Woche geplanten Betriebsräteversammlung und Mitte Dezember dann bei der Gesamtbetriebsratssitzung diskutiert.

Sie gehe davon aus, dass angesichts des breiten Widerstands von Politik, IG Metall und Arbeitnehmern "ein Umdenken im Management einsetzt, und das muss einfach sein, sonst weiß ich nicht, wie wir weiterkommen wollen", sagte Steinborn. Es gehe darum, die Strukturänderungen zu gestalten, hier müssten alle Beteiligten eng zusammenarbeiten. "Wir sind nicht die reinen Abwickler von Personalabbau", betonte Steinborn.

(APA/dpa)

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