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Cloud-Geschäft lässt Amazon, Microsoft und Google abheben

27.10.2017 - 14:38
Maximale Gewinne, minimale Steuern© APA (dpa)Maximale Gewinne, minimale Steuern

Das Cloud-Geschäft lässt bei den großen US-Technologiekonzernen Amazon, Microsoft und Google die Kassen klingeln. Alle drei Giganten von der US-Westküste kamen nach Angaben vom Donnerstagabend von Juli bis September auf hohe zweistellige Wachstumszahlen. Der Umsatz in der Cloud-Sparte Azure des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft verdoppelte sich sogar fast.

Allen drei Anbietern ist gemein, dass sie zum einen Rechenkapazitäten in der Datenwolke bereitstellen und ihren Kunden damit eine Plattform liefern, über die diese ihre IT abwickeln können. Zum anderen verkaufen sie die dafür nötige Software. Immer mehr Firmen verzichten aufgrund der höheren Flexibilität und Berechenbarkeit auf eigene Rechenzentren und melden sich stattdessen beim Marktführer AWS von Amazon, Azure oder Nachzügler Google an.

Da aber längst noch nicht alle großen Firmen und Privathaushalte diesen Wechsel vollzogen haben, gilt das Cloud-Geschäft weiter als Wachstumsmarkt. "Noch ist es ein großartiges Business mit ausreichend Raum für alle, um zuzulegen", sagte der Gründer der Investmentberatungsfirma 50 Park Investments, Adam Sarhan. Zudem profitieren die verschiedenen Akteure davon, dass Unternehmen gern auf mehrere Cloud-Anbieter zurückgreifen, um ihre Daten auszulagern. An der Börse kletterten die Aktien der Google-Mutter Alphabet wie auch die Microsoft-Papiere nachbörslich fast drei Prozent. Bei Amazon ging es um mehr als sieben Prozent nach oben.

Amazon setzt bisher mit Abstand am meisten in der Cloud um. Die AWS-Sparte wuchs im dritten Quartal um 42 Prozent auf fast 4,6 Mrd. Dollar (3,9 Mrd. Euro). Das ist zwar nur ein kleiner Teil des Konzernerlöses von 43,7 Mrd. Dollar, aber eben einer der größten Wachstumsmotoren. Zuletzt entschieden sich unter anderem General Electric und das Videoportal Hulu für die AWS-Dienste. Das Rennen um den US-Einzelhändler Costco verlor Amazon jedoch an Microsoft. Seit der Übernahme der Biosupermarktkette Whole Foods durch Amazon scheine es Einzelhändlern und E-Commerce-Unternehmen Unbehagen zu bereiten, ihre IT an Amazon auszulagern, sagte Gartner-Analyst Ed Anderson. Sein Kollege Tim Green von der Beratungsfirma Motley Fool kann sich aufgrund möglicher Interessenskonflikte vorstellen, dass es für Amazon irgendwann Sinn machen könnte, das AWS-Geschäft abzuspalten.

Zwar beansprucht Amazon den größten Teil des Cloud-Kuchens für sich, doch Google und Microsoft holen auf. Der Windows-Konzern wie auch der Suchmaschinenanbieter weisen allerdings keine konkreten Zahlen aus. Laut Berechnungen der Canalys-Berater kam Microsoft im dritten Quartal auf ein Plus von 90 Prozent und setzte rund 2 Mrd. Dollar mit Azure um. Die Azure-Plattform sowie die Cloud-Software Office 365 und Dynamic 365 hätten sich zu einer Hauptwachstumsquelle entwickelt, sagte Microsoft-Chef Satya Nadella. Für die Cloud-Plattform von Google machte Canalys einen Anstieg um 76 Prozent auf 870 Mio. Dollar aus. Google-Chef Sundar Pichai erklärte das Geschäft mit der Rechnerwolke zu einer der drei Prioritäten des Unternehmens und kündigte weitere Investitionen an.

Die drei Tech-Größen sind längst nicht die einzigen, die vom Cloud-Boom profitieren. Intel punktete im abgelaufenen Quartal mit speziellen Prozessoren und Halbleitern, die auf Cloud-Infrastrukturen ausgerichtet sind. Und Europas wertvollstes Technologieunternehmen SAP kündigte vergangene Woche an, im Schlussquartal im Geschäft mit Cloud-Software um 35 Prozent oder mehr zu wachsen.

Die Europäische Kommission geht indes bei der Besteuerung von Internet-Riesen in einer öffentlichen Umfrage mit einer neuen Idee an den Start. Als eine Möglichkeit führt die Kommission in einem Dokument am Donnerstag eine Steuer auf die weltweiten Gewinne von Digitalunternehmen auf. Die auf dem Wege erzielten Steuereinnahmen sollten dann an die EU-Länder ausgeschüttet werden.

Es ist das erste Mal, dass die Brüsseler Behörde diese sogenannte "Unitary Tax" vorschlägt. Daneben werden noch weitere Lösungen präsentiert. Bei einer Idee sollen sich die Abgaben nach dem Land des Käufers und nicht wie derzeit nach dem Sitz des Verkäufers richten. Letzteres macht es für Firmen attraktiv, ihre Zentrale in ein Niedrigsteuerland zu verlegen.

Die EU sieht die Punkte als Teil einer schwer umsetzbaren und daher langfristigen Lösung. Um aber nicht erst in Jahren Erfolge vorweisen zu können, schlägt die Kommission in dem Dokument auch Methoden vor, die schnell verfügbar wären. Dazu gehören eine Steuer auf die Erlöse der Online-Firmen aus Dienstleistungen, wie etwa dem Verkauf von Anzeigen, hieß es. Die öffentliche Umfrage, die sich an Privatleute, Unternehmen und Organisationen richtet, läuft bis Anfang des Jahres.

Das Thema stand bei einem Digitalgipfel in Estland im Mittelpunkt. Deutschland und Frankreich führen dabei eine Gruppe von zehn EU-Ländern an, die nach Wegen suchen, um Internet-Konzerne wie Google oder Facebook stärker zu besteuern.

Europäische Politiker werfen US-Unternehmen vor, in der EU nicht genügend Steuern zu zahlen. Stattdessen würden die Gewinne in Länder wie Irland und Luxemburg umgeleitet, die sehr niedrige Steuersätze haben. Häufig weisen die Firmen trotz boomender Geschäfte sogar rote Zahlen aus, indem sie komplexe Geschäfts- und Steuerstrukturen für sich nutzen.

Länder wie Luxemburg oder Irland, in denen viele US-Riesen ein Standbein haben, warnen davor, dass ein Alleingang die Wettbewerbsfähigkeit Europas behindern würde.

(APA/ag.)

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