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Mehr als zehn Interessenten für Fluglinie Air Berlin

20.08.2017 - 17:18
Allgemein wird vor zunehmender Marktmacht der Lufthansa gewarnt© APA (AFP)Allgemein wird vor zunehmender Marktmacht der Lufthansa gewarnt

Die Insolvente Niki-Mutter Air Berlin sucht einen Retter und hat nach eigenen Angaben mit zehn Interessenten Gespräche geführt. Bestätigt sind Gespräche mit Lufthansa, die seit Freitag konkret geführt werden. Als Interessenten gelten zudem die britische Billigfluggesellschaft Easyjet, Tuifly sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor.

Bei den Konkurrenten der Lufthansa herrscht Unmut über die Besetzung des Gläubigerausschusses, der letztlich über den Verkauf entscheidet. Denn in den Gremium sitzt auch ein Vertreter der Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Das ist so, weil Eurowings von Air Berlin 38 Flugzeuge angemietet hat.

Der Gläubigerausschuss müsse die Nachhaltigkeit der verschiedenen Angebote überprüfen, schilderte ein Insider die Situation. "Die Bieter müssen dort komplett die Hosen runterlassen, und die Lufthansa kann in Ruhe die Geschäftsmodelle studieren", sagte er.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind die Bücher von Air Berlin für Interessenten, nicht nur die Lufthansa, in geschützten Datenräumen bereits seit Ende Mai einsehbar. Die "Bild am Sonntag" hatte berichtet, dass Lufthansa seit Mai die Finanzdaten von Air Berlin prüfe. Winkelmann hatte Ende April davon gesprochen, das Unternehmen sei "offen für neue Partnerschaften und neue Kooperationen".

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann Airline-Chef der Zeitung erwartet jedenfalls keine komplette Übernahme durch nur einen Bieter. "Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben", sagte er. Das Angebot des Unternehmers Hans-Rudolf Wöhrl, die Airline zur Gänze zu übernehmen und weiterzuführen, wird weder von Air Berlin noch von der deutschen Bundesregierung in Erwägung gezogen. Wöhrl hatte nach Mitteilung vom Freitag über eine Münchner Kanzlei ein formelles Angebot für die Fluggesellschaft abgegeben. Air Berlin stellte hingegen fest, dass bis Sonntagmittag keine Offerte von Wöhrl eingegangen sei.

Wöhrl hatte der deutschen Bundesregierung anschließend vorgeworfen vorgeworfen, die Lufthansa bei der Zerschlagung der Fluglinie zu bevorzugen. Die Große Koalition und Marktführer Lufthansa würden gemeinsame Sache machen, schrieb Wöhrl in einem am Sonntag veröffentlichten Offenen Brief an Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig.

Solch eine "mit Steuergeldern finanzierte Lösung bedeutet nichts anderes als die (...) Schaffung eines erneuten Monopols auf allen innerdeutschen und vielen europäischen Strecken." Machnig hatte zuvor im Namen der Regierung in Berlin eine Komplettübernahme der Fluglinie durch Wöhrl strikt abgelehnt.

"Diese somit scheinbar von der Regierung gewünschte Monopolisierung widerspricht jedem Recht auf freien Wettbewerb und ist weder mit den Zielen der europäischen Gemeinschaft noch mit dem Kartellrecht vereinbar", schrieb der Nürnberger Unternehmer. "Der Verlust von vielen Arbeitsplätzen, insbesondere im Verwaltungsbereich, wird dabei billigend in Kauf genommen." Machnig hatte am Samstag dem RBB-Inforadio gesagt: "Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert."

Air-Berlin-Kunden können ihre gesammelten Flugmeilen nicht mehr gegen Gratisflüge oder andere Prämien einlösen. "Wir müssen das Meilensammeln und das Meileneinlösen solange aussetzen, bis wir Klarheit über die Situation bei Air Berlin erlangt haben", hieß es auf der Seite des Programms Topbonus. Ein Airline-Sprecher sagte: "Air Berlin bedauert, dass der Mehrheitseigner das Topbonus-Programm offenbar nicht weiter führen will." Etihad hält 70 Prozent an dem Vielfliegerprogramm, Air Berlin 30 Prozent.

(APA/ag.)

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