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Air Berlin als eigenständige Firma nicht überlebensfähig

19.08.2017 - 21:50
Zukunft von Air Berlin ist ungewiss© APA (dpa)Zukunft von Air Berlin ist ungewiss

Die deutsche Regierung hat dem Übernahmemodell des Nürnberger Unternehmers Hans-Rudolf Wöhrl für den Kompletterwerb der insolventen Air Berlin eine Absage erteilt. "Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) am Samstag dem InfoRadio des rbb.

Dies aber ist das Ziel, das Wöhrl und seine Partner mit ihrer Übernahmeofferte verfolgen. Machnig dagegen führte an, man müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Fluggesellschaft mehrere Partner brauche, um dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eine längerfristige Perspektive bieten zu können. Diese Zielsetzung müsse Vorrang haben. Gesucht würden nun geeignete Partner dafür.

Den Vorwurf von Wöhrl und Ryanair-Chef Michael O'Leary, die Insolvenz könnte ein abgekartetes Spiel von Politik und Unternehmen sein, um das Gros von Air Berlin möglichst billig dem deutschen Marktführer Lufthansa zuzuschanzen, wies Machnig als "nun wirklich abwegig" zurück. Die deutsche Bundesregierung sei erst am späten Freitagabend über die Probleme informiert worden und auch die anderen Akteure, etwa bei Air Berlin selbst, seien nach seinem Eindruck überrascht worden, dass der bisherige Partner Etihad der deutschen Airline den Geldhahn zugedreht habe.

Wenn Ryanair-Chef O'Leary interessiert sei, etwas zur Lösung beizutragen, könne er sich melden. "Ich bin gerne zu Gesprächen bereit", bot Machnig an.

Nach ersten Gesprächen zwischen Lufthansa und Air Berlin machte Machnig deutlich, es solle ein Weg gefunden werden, eine sichere Perspektive insbesondere auch für die Beschäftigten zu schaffen. Eine Vereinbarung müsse am Ende auch die Zustimmung der Mitarbeiter finden. "Ich sage noch mal: Es wird keinen Zuschlag allein an Lufthansa geben." Das sei schon kartellrechtlich und wettbewerbsrechtlich nicht möglich. Die Bundesregierung selbst sei zwar nicht Teil der Verhandlungen, habe ihre Erwartungen aber den Verhandelnden klargemacht. "Ich glaube auch, das ist verstanden worden", sagte Machnig.

Der Vorsitzende der deutschen Monopolkommission, Achim Wambach, hat sich derweil gegen eine politisch motivierte Bevorzugung der Lufthansa bei der Verwertung von Flugrechten und Vermögensbestandteilen der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin ausgesprochen. Es sei zwar zu begrüßen, wenn die Lufthansa ihren Marktanteil in der internationalen Luftfahrt ausbaue, sagte Wambach der "Welt am Sonntag" (WamS). "Es überzeugt aber nicht, wenn dies dadurch erfolgen sollte, dass auf Wettbewerb auf deutschen Flugstrecken verzichtet würde." Damit widersprach Wambach dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der eine starke nationale Fluggesellschaft favorisiert.

Air Berlin hatte Anfang der Woche überraschend Insolvenzantrag gestellt, nachdem Großaktionär Etihad eine Finanzzusage zurückgezogen hatte. Die deutsche Bundesregierung sagte daraufhin einen von ihr verbürgten Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro zu, um den Weiterbetrieb zu ermöglichen und Zeit für eine Übernahme zu schaffen.

Kunden der insolventen Fluglinie Air Berlin können unterdessen ihre gesammelten Flugmeilen nicht mehr gegen Gratisflüge oder andere Prämien einlösen. "Wir müssen das Meilensammeln und das Meileneinlösen solange aussetzen, bis wir Klarheit über die Situation bei Air Berlin erlangt haben", hieß es am Samstag auf der Seite des Programms Topbonus.

Ein Airline-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Air Berlin bedauert, dass der Mehrheitseigner das Topbonus-Programm offenbar nicht weiter führen will." Die arabische Fluglinie Etihad hält 70 Prozent an dem Vielfliegerprogramm, Air Berlin 30 Prozent. Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz beantragt, nachdem der Großaktionär und Partner Etihad der Fluggesellschaft die finanzielle Unterstützung entzogen hatte.

Unterdessen wurde bekannt, dass das Interesse an Air Berlin offenbar größer ist als bisher bekannt. "Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter mit mehreren Fluglinien", sagte der Chef der insolventen Fluggesellschaft, Thomas Winkelmann, der Zeitung "Bild am Sonntag" zufolge.

Einen Komplettverkauf bezeichnete er demnach als unwahrscheinlich: "Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben." Die Gespräche würden am Wochenende und in der kommenden Woche weitergeführt. Ein Verkauf bis November sei dabei zu spät: "Wir wollen den Verkauf spätestens im September abschließen. Sonst schwindet das Vertrauen der Kunden in die Airline."

(APA/ag.)

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