Wien Wolkig Nebel 21.4°C
Quelle: ZAMG

Relevante Jobs

Kolumne

Kolumne: Media's Digest

Bildergalerien

Arbeitsmarkt boomt - Ostöffnung kein Problem

18.03.2011 - 13:33
Hundstorfer erwartet nur Zustrom von 20.000 ab Mai© APAHundstorfer erwartet nur Zustrom von 20.000 ab Mai

Derzeit "boomt" der heimische Arbeitsmarkt - laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) sind aktuell um 35.614 weniger Menschen arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr. Doch sieht der Minister einige Problemgruppen, etwa Jugendliche, die nach der Pflichtschule weder einen Beruf ergreifen noch sich weiterbilden.

Von der mit 1. Mai anstehenden Öffnung des Arbeitsmarktes für fast alle EU-Oststaaten (außer Rumänien, Bulgarien) erwartet Hundstorfer kaum mehr als 20.000 Arbeitswillige an Zustrom nach Österreich. Das sei nicht dramatisch, "denn wir haben den Osten schon da", verwies der Minister am Freitag auf den "Sickerprozess" der vergangenen Jahre.

Alle Experten würden davon ausgehen, dass die Ostöffnung keine weiteren dramatischen Verschiebungen bringen werde, "daher wird die Zahl von 20.000 halten", meinte Hundstorfer im Klub der Wirtschaftspublizisten. Eminent wichtig sei aber das neue Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping, das der Nationalrat am 30. März beschließen soll. Verstöße gegen die KV-Mindestlöhne werde man selbst bei ausländischen Firmen mit Verwaltungsstrafen ahnden können, darum bemühe man sich intensiv etwa mit Ungarn, Tschechien und Slowenien. "Mit Deutschland haben wir das schon länger", so der Minister.

Schon jetzt würden in Österreich "ganz legal" etwa 29.000 Menschen aus Ungarn arbeiten, 16.000 aus Polen, 17.000 aus Rumänien - und als größtes Kontingent 85.000 aus Deutschland. Insgesamt sei der Arbeitsmarkt für die neu zuströmenden aufnahmefähig, es könnte aber in bestimmten Branchen, dem Bau und dem Tourismus, Probleme geben, räumte der Minister ein. Freilich sei der Ausländeranteil unter den Tourismus-Beschäftigten schon heute sehr hoch, etwa Deutsche in Tirol oder Ungarn im Burgenland. Umgekehrt gebe es auch viele Österreicher, die regelmäßig zum Arbeiten von Vorarlberg, Tirol, Salzburg oder Oberösterreich aus in die Schweiz oder nach Deutschland auspendeln.

Zur Lage am Arbeitsmarkt betonte der Sozialminister, dass Österreich "nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenrate von Europa" aufweise. Und die Lage entspanne sich weiter: Jetzt im März, am Donnerstag dieser Woche, habe es um 35.614 weniger Arbeitslose gegeben als ein Jahr davor, "das wird sich im März weiter so durchziehen". Im Februar ist die Arbeitslosenzahl im Jahresabstand um 34.573 Personen auf 361.759 gesunken - das stärkste Minus seit drei Jahren. Dabei gab es um 20.648 weniger "echte" Arbeitslose und um 13.925 weniger Personen in Schulung als vor einem Jahr.

Das Thema "Jung gegen Alt" - den Ersatz älterer Arbeitnehmer durch jüngere, billigere - sieht Hundstorfer "jetzt einmal entspannt". Vielmehr würden Österreich "die Jungen ausgehen", verweist er auf die schwächeren Geburtsjahrgänge, die ins Berufsleben nachrücken. In diesem Jahrzehnt (2015) gebe es jedes Jahr rund 10.000 15-Jährige weniger. Erst ab 2025 sei wieder mit höherem Zustrom zu rechnen, wenn die stärkeren Geburtsjahrgänge 2008/09/10 auf den Markt drängen. "Da haben wir einmal ein Zeitfenster", ist der Sozialminister optimistisch. Außerdem beginne die Wirtschaft schon zu reagieren, "das Spielchen Jung gegen Alt wird sich also aufhören".

Bei den jährlich 100.000 Jugendlichen, die die Schulpflicht beenden, sind 5.000 junge Menschen "echte Sorgenkinder". Diese 5 Prozent Schulabsolventen würden keine Berufsausbildung weitermachen, aber auch keine weiterführende Schule, "die sind einfach weg". Dabei handle es sich um Mädchen mit Migrationshintergrund, behinderte Jugendliche oder Jugendliche, die daheim bleiben und von den Eltern weiter ernährt. Für diese Menschen sei es schwer, Jahre später ins Berufsleben einzutreten. Weitere 5 Prozent (oder 5.000 Menschen) gehen laut Hundstorfer jedes Jahr dadurch "verloren", weil sie als Hilfsarbeiter ohne jede weitere Qualifikation starten. Deshalb plädiere er für eine Ausbildungsverpflichtung bis 18: "Jetzt haben wir eine Ausbildungsgarantie, die gut greift."

(APA)

Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech