Wirtschaftskammer (WKÖ) und Industriellenvereinigung (IV) respektieren die von der Regierung beschlossenen Frauenquote für Aufsichtsräte in staatsnahen Betrieben. Eine Zwangsmaßnahme für die Privatwirtschaft würden sie aber ablehnen, hieß es in Aussendungen. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) - sie sind von der neuen Regelung betroffen - wollen die Quote vorzeitig erfüllen.
Die Regierung hat sich im Ministerrat für die Umsetzung einer Frauenquote in den Aufsichtsräten staatsnaher Betriebe ausgesprochen. Bis zum Jahr 2013 soll ihr Anteil bei 25 Prozent, bis 2018 bei 35 Prozent liegen. Die Industrie respektiere die Einigung, erklärte daraufhin IV-Präsident Veit Sorger: "Die Bundesregierung macht damit für die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern einen Schritt in die richtige Richtung. Dies ist eine freiwillige Maßnahme mit Vorbildwirkung." Frauenpolitik sei jedoch nicht durch Quoten regulierbar: "Gleichstellung lässt sich nicht durch Zwang von heute auf morgen realisieren." Hierfür brauche es Motivation und die nötigen Rahmenbedingungen wie etwa ausreichend Kinderbetreuungsplätze, meinte Sorger.
Die WKÖ begrüßt, dass "im Interesse des Eigentumsrechts" auf eine Quotenregelung für private Unternehmen verzichtet wurde. "Selbstverständlich" setze sich die Wirtschaft für mehr Frauen in Führungsetagen ein. Um dieses Ziel zu erreichen, seien aber andere Maßnahmen zielführender als Quoten, erklärte Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser: "Die berufliche Weiterentwicklung der Frau darf nicht an fehlenden Kindergartenplätzen oder unzureichenden Pflegemöglichkeiten scheitern." Sie verwies auch auf das Führungskräfteprogramm "Zukunft.Frauen" zur Qualifizierung für Aufsichtsrats- und Managementpositionen: "Damit hat niemand mehr eine Ausrede, dass keine qualifizierten Frauen zu finden sind."
Die ÖBB möchte schon vorzeitig die vorgegebene Frauenquote erfüllen, hieß es gegenüber der APA. Man werde sich diesbezüglich bemühen, denn bei der Bahn gebe es "sicher noch Aufholbedarf". Die Unternehmensführung bekenne sich zur Erhöhung des Frauenanteils auf allen Ebenen, dazu müssten entsprechende Karriere-Entwicklungsprogramme erarbeitet und die Einkommensgerechtigkeit gesichert werden. Aktuell liegt der Frauenanteil bei den Beschäftigten bei 8,2 Prozent, bei den ÖBB-Lehrlingen sind es bereits 17 Prozent. In Teilbereichen sei die Quotenvorgabe in den Aufsichtsgremien schon erreicht, etwa im ÖBB-Infrastruktur-AR mit 29 Prozent und beim Postbus-AR mit 25 Prozent (Stichtag 31.12.2010). Die Bahnfahrer sind übrigens mit 56 Prozent mehrheitlich Frauen.
(APA)

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