Quelle: ZAMG

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Pflege: Träger wollen rasche Finanzierungs-Lösung

03.01.2011 - 10:17
Forderung nach Ausbildungsreform im Pflegebereich© APAForderung nach Ausbildungsreform im Pflegebereich

Die Hilfsorganisationen erhoffen sich im Pflegebereich eine Einigung für die Zwischenfinanzierung bis 2014 noch im ersten Quartal des Jahres 2011. Das erklärte Hilfswerk-Geschäftsführer Walter Marschitz in seiner Funktion als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) im Interview mit der APA.

Wie die Gelder zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden, sei Sache der Gebietskörperschaften. Darüber hinaus forderte Marschitz eine Ausbildungsreform im Pflegebereich - er denkt an eine Schulform mit Matura-Abschluss. Mit der Linie, die Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) nun eingeschlagen habe, sei man zufrieden, das habe man auch so vorgeschlagen. Der Ressortchef hatte wiederholt angekündigt, mit einer "Übergangslösung" dem dringenden Finanzierungsbedarf von Ländern und Gemeinden zu begegnen. 2014 soll das Problem dann mit dem neuen Finanzausgleich komplett neu geregelt werden.

Die Übergangslösung solle jedenfalls bis ins erste Quartal 2011 stehen, so Marschitz: "Das wäre realistisch." Wie die Verteilung der anfallenden Mehrkosten im Pflegebereich zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden sollten, wollte er nicht beurteilen: "Wie die Gebietskörperschaften die Gelder verschieben, ist deren Sache. Es ist immer das Geld des Steuerzahlers, nie das der Länder und Gemeinden."

Stabilitätspakt und Pflege

Klar sei jedenfalls, dass die Fragen Stabilitätspakt und Pflege zusammenhängen, sagte Marschitz zu Forderungen von Bund und Länder in diesem Zusammenhang. Die Regierung will erst dann über die Pflegefinanzierung verhandeln, wenn die Länder ihr Okay zum Stabilitätspakt gegeben haben; aus den Ländern und Gemeinden wurden zuletzt Stimmen laut, die ein Ja zum Stabilitätspakt von der Bereitschaft des Bundes zur Ko-Finanzierung der zusätzlichen Pflege-Kosten im Ausmaß von knapp 70 Prozent gefordert hatten.

Für Marschitz muss diese "kleine Lösung" (bis 2014) jedenfalls "relativ rasch stehen, weil viele Gemeinden schon einen relativ starken Druck haben. Gerade im Pflegebereich ist es so, dass etliche Gemeinden in einer Doppelmühle sind: Die Älteren werden mehr, gleichzeitig gibt es Abwanderung. Um die geht es, dass die möglichst rasch entlastet werden."

Gleichzeitig müsse man aber das Jahr 2011 auch schon dazu nützen, Vorarbeiten für die Finanzausgleichsverhandlungen zu leisten. Daher sei es notwendig, im kommenden Jahr eine "Lösung konzeptiv auf die Beine stellen", um dann bereits 2012 über die "große Lösung" verhandeln zu können. Marschitz verlangt, sehr rasch einen Dialog unter Einbeziehung aller Beteiligter zu starten. Man sei nach der Debatte 2006 (rund um den "Pflegenotstand") schon auf einem guten Weg gewesen - damals wurden Arbeitsgruppen eingerichtet, das gehöre "wiederbelebt".

Auch Ausbildungsreform gefordert

Neben der Frage der Finanzierung des Pflegebereichs sei auch die des Personals eine wesentliche, sagte Marschitz. "Da steht im Pflegebereich eine Ausbildungsreform an. Wir haben da ein überholtes System, das mit dem Regelbildungswesen nicht verzahnt ist, sondern ein Sondersystem, das viele davon abhält, diese Berufslaufbahn zu ergreifen." Es bestehe eine Lücke zwischen Pflichtschulausbildung und Pflegeausbildung. Mit der derzeitigen dreijährigen Ausbildung erhalte man einen Abschluss, mit dem man nicht studieren kann. "Das gehört dringend reformiert".

Derzeit findet die Ausbildung zum diplomierten Krankenpfleger in den Krankenanstalten statt. Dabei ortet Marschitz drei Probleme. Erstens sei die Ausbildung derzeit stark auf das Krankenhaus fokussiert. Zweitens dürfe die Ausbildung erst mit 17 Jahren begonnen werden - "Was machen die Leute zwischen dem 15. und 17. Lebensjahr?", fragt Marschitz. Und das dritte Problem sei eben, dass die Ausbildung mit keinem im Regelbildungswesen anerkannten Abschluss ende. "Man hat dann letztlich für weitere Bildung keine Anknüpfungspunkte."

Laut Marschitz wäre es sinnvoll, die Ausbildung mit dem Regelbildungswesen zu verschmelzen. "Es muss auf jeden Fall die Matura eine Rolle spielen." Eine Möglichkeit wären demnach berufsbildende höhere Schulen, die zum Pflegeberuf hinführen. Vorbild für solche Schulen könnten etwa HAK oder HTL sein. Wichtig sei, dass dass junge Leute nach der Pflichtschulausbildung (8. Schulstufe) in ein System einzusteigen, dass zu einem Pflegeberuf hinführt; gleichzeitig aber Alternativen offen bleiben, wenn man merkt, dass die eingeschlagene Richtung doch nicht passt.

(APA)

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