Kinder mit Migrationshintergrund werden in Österreich zu wenig gefördert und ihr Begabungen unterschätzt, warnte das in Salzburg ansässige Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) am Dienstag in einer Aussendung. Ausländische Kinder seien nicht automatisch leistungsschwach, nur weil sie kein perfektes Deutsch sprechen, so ÖZBF-Geschäftführerin Waltraud Rosner.
In Österreich werde dieses Thema jedoch tabuisiert. Der Migrationshintergrund der Kinder werde als Nachteil und nicht als Chance gesehen. Folge dieser Defizitorientierung sei, dass "viele begabte junge Menschen mit Migrationshintergrund in ihren Talenten weder erkannt noch gefördert werden und diese Begabungen somit verloren gehen", beklagte Rosner. "Kinder mit Migrationshintergrund brauchen genauso eine Förderung ihrer Begabungen wie österreichische Kinder." Denn wenn von jemandem wenig erwartet werde, leiste dieser auch weniger.
Wertschätzung und Verständnis gefordert
Rosner verwies auf Studien aus den USA, wonach dort afro- oder lateinamerikanische Kinder schwerer Zugang zu Begabtenprogrammen hätten als "weiße" Schüler. Als Hauptgründe für den Bildungsnachteil identifizieren die Studien Armut, geringe Erwartungen des Lehrpersonals aufgrund von Vorurteilen und Rassismus, geringe Bildung der Eltern und damit verbunden geringes Engagement von diesen, kulturelle und sprachliche Unterschiede sowie niedrige Leistungsorientierung gleichaltriger Freunde. Für Österreich liegen bisher keine Studien vor, wie die ÖZBF-Geschäftsführerin kritisierte.
Rosner forderte mehr Wertschätzung dafür, dass Schüler mit Migrationshintergrund nicht nur noch eine oder mehrere Sprachen außer Deutsch beherrschen, sondern auch den gesamten Schulstoff in einer Sprache lernen müssen, die nicht ihre Muttersprache ist. "Wer von uns könnte das so ohne weiteres leisten?" Aus Rosners Sicht braucht es nicht nur mehr Aufgeschlossenheit der Lehrer gegenüber anderen Kulturen, auch Aufklärungs- und Unterstützungsarbeit bei den Eltern der Schüler "wäre dringend nötig".
(APA)

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