Die "Bologna"-Feier der europäischen Bildungsminister hat in Wien die erwarteten Störungen erfahren. Zwar kamen zur Gegenkundgebung der protestierenden Studenten am 11. März weniger Teilnehmer als ursprünglich erwartet, jedoch erwiesen sich die Blockadeaktionen der Demonstranten als ziemlich effektiv.
Diverse Shuttle-Busse blieben in der Innenstadt stecken, wodurch der Festakt in der Hofburg erst mit einer Stunde Verspätung begonnen werden konnte. Gefeiert wird am 11. und 12. März das zehnjährige Jubiläum des Bologna-Systems, das einen einheitlichen europäischen Studienraum mit vergleichbaren Bildungsabschlüssen zum Hauptziel hat. Eröffnet wurde die Konferenz am Vormittag in Budapest, wo Kasachstan als 47. Mitgliedsland aufgenommen wurde.
Mehr Vorteile als Probleme
Gegen Kritik wurde der "Bologna-Prozess" dabei von den Bildungsministern verteidigt, habe dieser doch bedeutend mehr Vorteile gebracht als Probleme verursacht, wie der ungarische Gastgeber Istvan Hiller zum Auftakt der Konferenz bekräftigte. Die positiven Auswirkungen würden in den kommenden Jahrzehnten spürbar werden. Österreichs Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V) betonte, dass Bologna zahlreiche Chancen für die Studierenden bringe. Die auch von ihr konzedierten Probleme sieht sie durch eine Übergangsphase bei der Implementierung des Systems begründet.
Die Studenten waren von der Ministerin aufgefordert worden mitzudiskutieren statt zu demonstrieren, ihr Wort blieb ungehört. Mehrere Tausend "Bologna"-Gegner auch aus Nachbarländern wie Deutschland und Italien zogen am 11. März vom Westbahnhof in die Innenstadt, um mit Transparent-Texten wie "Bologna stinkt" oder "Dichter und Denker statt Bachelor und Banker" Unmut über die Ausgestaltung dieses europäischen Studiensystems auszudrücken.
Kritikpunkt ist unter anderem, dass der für Österreich noch relativ neue Grad "Bachelor" in der Realwirtschaft kaum Anerkennung findet und dass die alten Lehrpläne für das achtsemestrige Magisterstudium in das nur sechsmonatige Bachelor-Studium einfach übergewälzt worden seien.
Minister wurden blockiert
Auch wenn das Ziel der gesamt von 63 Organisationen unterstützten Kundgebung, eine Teilnahme von bis zu 15.000 Demonstranten zu erreichen, verfehlt worden sein dürfte, verbreiteten die Studenten bei den Einsatzkräften doch einigen Schrecken. Das begann schon damit, dass die Minister bei ihrer Fahrt von Ungarn nach Österreich aus dem extra für sie gecharterten historischen Speisewagen aus- und in Bruck/Leitha in Busse umsteigen mussten, da man Störaktionen auf den Schienen fürchtete.
In Wien selbst hatte die Exekutive ein Großaufgebot an Einsatzkräften auf die Straßen geschickt, konnte letztlich aber trotz umfassender Straßensperren doch nicht alle Blockaden vermeiden. Bei der Kärntner Straße mussten Demonstranten sogar von der Polizei weggetragen werden. Gestört wurde jedenfalls der Ablauf der Festakt in der Hofburg, wo Gastgeberin Karl eine Stunde zuwarten musste, ehe sie vor den Ehrengästen die "einzigartige Partnerschaft" im "Bologna-Prozess" würdigen konnte. Einer jener, auf die gewartet werden musste, war übrigens der Vorsitzende der Universitäten-Konferenz, Hans Sünkel, der von einer Blockade zwischenzeitlich gestoppt worden war. Zu Ende geht die Konferenz am 12. März mit Arbeitssitzungen, über die zum Abschluss zu Mittag in einer Pressekonferenz berichtet wird. Parallel debattiert wird auch von kritischen Studenten bei einem Alternativ-Gipfel am Uni-Campus.
(APA)

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