Bank-Austria-Chef Willibald Cernko hat am 23. März sein Grundsatzinteresse an der Österreich-Bank der verstaatlichten Hypo Alpe Adria bestätigt. "Es geht um die Kunden. Wir reden von 60.000 Kunden. Es wäre schon hochignorant, wenn man sich ein solches bereinigtes Kundenportfolio nicht anschauen würde. Keine Frage, das muss man tun."
Zum Stand der Dinge in Sachen Hypo berichtete Cernko in seiner Bilanzpressekonferenz: "Es hat eine Sondierung statt gefunden und wir haben uns rückgeäußert, unter welchen Bedingungen wir uns das vorstellen könnten." Die Grenzen seien eng gesteckt. "Wir würden uns ausschließlich ein völlig bereinigtes österreichisches Portfolio anschauen, wenn es auf den Markt käme", sagte der Bank-Austria-Chef. Es bestehe also kein Interesse an Ost- und Südosteuropaaktivitäten oder westlichen Projektgeschäften.
Cernko schränkte ein, dass es "hunderttausend Wenn und Aber" gibt. Der Prozess sei nicht aufgesetzt und er wisse auch nicht, ob es dazu komme. Den Marktanteil der Bank Austria in Kärnten bezifferte Cernko mit rund 15 Prozent. Käme eine "bereinigte" Inlandssparte der Hypo dazu, würde der Marktanteil im südlichen Bundesland gegen 20 Prozent steigen. Bei den Firmenkunden würde sich wenig ändern: "Die großen Kunden haben wir ja schon alle." Wie viel die Sache kosten würde, hängt davon ab, was nach einer "Bereinigung" um Altlasten zum Verkauf übrigbleibt. Cernko: "Mehr als maximal einmal Buchwert ist ausgeschlossen. Ich kaufe doch nicht, wo ich sicher eine Abschreibung habe."
Die neue Bankensteuer in Österreich treffe die Bank Austria im heurigen Jahr laut Cernko mit brutto 125 Mio. Euro. In den beiden darauffolgenden Jahren werde sich die Summe auf 75 bis 80 Mio. Euro reduzieren, da die Bank zuletzt die CA IB im Konzern verkauft hat. Zu Fragen nach der Steuerleistung für 2010 in Österreich blieb Cernko vage. Die AG-Bilanz liege erst Ende des Monats vor. Er schätze, "dass wir auf Ebene Körperschaftsteuer einen zweistelligen Millionenbetrag leisten." Die gesamten Steuern und Abgaben der Bank in Österreich wurden mit rund 400 Mio. Euro beziffert.
Kasachstan-Bank schon zu fast 800 Mio. abgeschrieben
Die Bank Austria musste in ihren Büchern die vor vier Jahren gekaufte und tiefrot bilanzierende kasachische Tochter ATF Bank noch einmal kräftig abwerten. Mit der im vierten Quartal 2010 vorgenommenen Firmenwertabschreibung von nochmals fast 200 Mio. Euro sollte es laut Cernko nun aber getan sein. Die Firmenwertabschreibungen für die Kasachstan-Tochter belaufen sich nach drei Wellen auf mittlerweile auf mehr als 770 Mio. Euro.
Ende 2008 hatte die österreichische UniCredit-Tochter 417 Mio. Euro auf den Firmenwert der kurz davor gekauften ATF Bank abschreiben müssen, weil die Finanzkrise ausgebrochen ist und auch die Staaten im Osten stark in Mitleidenschaft gezogen hat. Im 2. Quartal 2010 waren es weitere 162 Mio. Euro Impairment und im Dezember 199 Mio. Euro. Damit war das Quartalsergebnis der Bank Austria entsprechend schlecht. Immer noch ist die Kasachstan-Bank die einzige der Bank-Austria-Osttöchter, die hohe Verluste schreibt. Der Vorsteuerverlust dort ist von 2009 auf 2010 aber immerhin von 294 auf 161 Mio. Euro gesunken.
Die Bank Austria hat sich entschieden, die ATF mit ihren jetzt noch rund 3.800 Mitarbeitern zu restrukturieren und zu sanieren. Eine Trennung von der Kasachstan-Bank steht nicht an. "Unsere Präsenz dort ist immer noch wesentlich", sagte der neue Bank-Austria-Finanzchef Francesco Giordano. Unter Druck waren 2010 die Gewinne in Rumänien und in der Slowakei. In der Türkei und in Russland hingegen gab es hoch zweistellige Wachstumsraten. Insgesamt ist in der CEE-Division der Bank Austria der Vorsteuergewinn um 16 Prozent auf 1,06 Mrd. Euro angestiegen.
Mit den aktuellen Kapitalquoten fühlt sich die Bank für die neuen Kapitalvorschriften (Basel III) und weiteres Wachstum gewappnet. Das Eigenkapital betrug zum Ultimo 17,5 Mrd. Euro und war damit um 3,1 Mrd. Euro bzw. 21,5 Prozent höher als zum Ultimo des Vorjahres 2009. Ende 2010 lag die Tier-1-Quote (Kreditrisiko) bei 11,68 Prozent (2009: 9,76 Prozent). Die Tier-1-Quote (auf alle Risiken) stieg auf 10,35 Prozent (8,68 Prozent), die Kernkapitalquote ohne Hybridkapital auf 10,04 Prozent (2009: 8,33 Prozent). Cernko hielt fest, dass er im Unterschied zum Mitbewerb auch kein Partizipationskapital abzuschichten habe.
(APA)

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