Die Bankenaufseher wollen beim diesjährigen Stresstest für die größten Institute in Europa die Zügel straffen. Die neue europäische Bankenaufsicht EBA will mit einer höheren Hürde für das Bestehen der Belastungsprobe und mit konkreten Konsequenzen für Durchfaller und Wackelkandidaten erreichen, dass der Stresstest mehr Eindruck auf die Märkte macht.
"Wir haben die Übung recht deutlich verschärft. Das ist für einen glaubwürdigen Test wichtig", erklärte EBA-Chef Andrea Enria. Die neue Behörde in London präsentiert am 18. März die offiziellen Kriterien für den Stresstest, an dem rund 88 Banken teilnehmen sollen, davon 13 aus Deutschland. Für die EBA ist er die erste Bewährungsprobe.
Die EBA überprüft in dem bereits angelaufenen Test, wie die Banken bis Ende 2012 mit einer erneuten Rezession und ihren Folgen fertig würden. Auch unter solch widrigen Umständen dürfen sie nicht zu viel Eigenkapital einbüßen. Die Teilnehmer müssen aber noch etwa eine Woche warten, bis klar ist, welche Marke sie dabei nicht reißen dürfen. Fest steht nur, dass sie diesmal am harten Kernkapital (Core Tier-1) gemessen werden. Dieses enthält keine hybriden Arten von Kapital, auf deren Bestand die Bank in der Krise sich weniger fest verlassen kann wie auf Grundkapital und Gewinnrücklagen.
Die EBA sucht noch nach einer einheitlichen Definition für das harte Kernkapital, die es für die 20 Teilnehmerländer noch nicht gibt. Erst dann könne auch die Mindestquote festgelegt werden, ab der die Banken bestehen. Deutschland etwa kämpft für die Einbeziehung Stiller Einlagen, auf die viele Landesbanken, aber auch die Commerzbank bauen. "Da wird es sehr klare Kriterien geben. Wenn ein Instrument sie erfüllt, wird es dabei sein. Wenn nicht, dann nicht", sagte Enria. Analysten hielten eine harte Kernkapitalquote von fünf Prozent für angemessen.
Sieben von 91 Banken durchgefallen
Vor einem Jahr waren bei einer Schwelle von sechs Prozent "normalem" Kernkapital - einschließlich Hybridkapital - nur sieben von 91 Banken durchgefallen, darunter die verstaatlichte Hypo Real Estate. Das hatte den Test in den Augen von Experten rasch zur Makulatur gemacht. Konsequenzen waren kaum gezogen worden. Auch das soll diesmal anders sein. Durchfallern soll eine Frist gesetzt werden, um sich frisches Kapital zu beschaffen - notfalls mit Hilfe der betreffenden Heimatstaaten. Nationale Aufseher sollen auch Banken, die nur knapp bestanden haben, zu einer Aufstockung ihres Kapitals zwingen können, etwa in Form von spezieller Wandelanleihen (CoCo-Bonds), die sich im Notfall automatisch in Kernkapital verwandeln.
Die Banken müssen ihre Daten bis Ende April an die Aufseher liefern, Anfang Juni sollen vorläufige Resultate des Stresstests vorliegen, veröffentlicht werden sollen die Ergebnisse erst Ende Juni.
Die Szenarien, denen die Teilnehmer ihre Bilanzen aussetzen müssen, waren bereits im Voraus durchgesickert. Das Bankbuch, in dem die Institute die meisten Staatsanleihen verbucht haben, bleibt dabei außen vor. Ein Politikum: Müssten die Institute auch dort Abschreibungen vornehmen, würde der Stresstest unterstellen, dass ein europäischer Staat seine Schulden nicht mehr komplett zurückzahlen kann. Doch genau das will die Europäische Union mit ihrem Rettungsschirm verhindern. Immerhin müssen die Banken aber veröffentlichen, wie viele Papiere aus welchen Land sie als kurz- und langfristige Anlagen halten.
(APA/ag)

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