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BAWAG schafft 2010 Sprung aus den roten Zahlen

16.03.2011 - 14:59
Derzeit "kein Exit-Plan" von Cerberus für BAWAG© APA/WebpicDerzeit "kein Exit-Plan" von Cerberus für BAWAG

Im Geschäftsjahr 2010 ist die dem US-Hedgefonds Cerberus gehörende österreichische BAWAG zum ersten Mal nach vier Jahren aus den roten Zahlen gekommen. Bankchef Byron Haynes nannte es am 16. März als sein Hauptziel, Gewinne nachhaltig zu sichern. Er sei zuversichtlich, dass auch 2011 Profite eingefahren werden. Die Aktionäre gehen trotzdem noch länger leer aus. Gespart wird weiter.

Haynes bezeichnete Cerberus als guten Aktionär. Es gebe seines Wissens nach keinen Exit-Plan. Die Amerikaner waren nach der Beinahe-Pleite der früheren Gewerkschaftsbank Anfang 2007 eingestiegen. Als EU-Auflage für die (wiederholt gewährte) Staatshilfe wurde ein Dividendenverzicht für die Jahre 2010 und 2011 verfügt. Gewinne dürften erst für 2012 (ausschüttbar 2013) an die Aktionäre abgeführt werden - vorher muss das Geld für Eigenkapitalaufbau im Haus bleiben. Für die Zeit danach gibt es Dividendenbeschränkungen, solange Staatshilfe in der Bank ist.

Für 550 Mio. Euro staatlicher Hilfe (Partizipationskapital) hat die BAWAG für 2009 rund 25,6 Mio. Euro an die Republik überwiesen. Die anstehende Kuponzahlung für 2010 von 51,2 Mio. Euro kündigte Haynes am Mittwoch für den nächsten Monat an. Eine vorzeitige Rückzahlung des Staatsgelds hält sich die BAWAG offen. Derzeit sei das aber nicht vorgesehen. Alles hängt aber von den neuen Kapitalvorschriften Basel III ab. Zum Ultimo wird die Kernkapitalquote (Kreditrisiko) mit 10,2 (Vorjahr: 10,4) Prozent beziffert.

"Keine Wertberichtigungen" 2010

Eine 400-Millionen-Garantie der Republik für Problempapiere hat der Vorstand schon vorigen Sommer gekündigt, weil man sie nicht mehr brauchte. Haynes gab am 16. März bekannt, dass das in der Finanzkrise so kritische strukturierte Kreditportfolio auf 842 Mio. Euro abgebaut ist. Und es habe 2010 "keine Wertberichtigungen" darauf gegeben, das sei ihm besonders wichtig. Für 2010 weist die Bank einen Nettogewinn von 125,4 Mio. Euro aus. Im Jahr 2009 hat es unterm Strich noch einen kleinen Verlust von 21,5 Mio. Euro gegeben. In den Jahren davor war die Bank von Riesenverlusten geschüttelt worden.

Der Nettozinsertrag sei 2010 um 15 Prozent gestiegen, die Risikokosten seien um 16 Prozent gefallen. Konkret fielen die Risikokosten um 37 Millionen auf 200 Mio. Euro, davon waren 136 (175) Mio. Euro Vorsorgen für faule Kredite. Die Bilanzsumme der Bank mit 1,6 Millionen Kunden war mit 38,6 Mrd. Euro um 6,5 Prozent unter Vorjahr. Ihren Zehntel-Anteil an der ungarischen MKB Bank muss die BAWAG gemäß EU-Auflagen verkaufen. Das wird aber eher nicht mehr heuer sein. Hier wurde noch nicht einmal der Verkaufsprozess eingeleitet. 2010 musste die Ungarn-Bank auch von der BAWAG nochmals mit 18 Millionen Euro aufgepäppelt werden.

Verkauf der Schuhkette Stiefelkönig

Nachdem der Verkauf von Delka unter Dach und Fach ist, geht es jetzt um den ebenfalls von der EU auferlegten Verkauf der Schuhkette Stiefelkönig selbst. Haynes geht von einem Abschluss vor dem Sommer aus, wie er am 16. März sagte. Die österreichische Bankensteuer wird die BAWAG mit voraussichtlich 20 Mio. Euro im Jahr treffen. Aus dem Exposure gegenüber hochdefizitären Euro-Staaten (53 Mio. Euro) sieht die Bank keine Probleme. Mit Betroffenheit verfolgt wird das Schicksal der Mitarbeiter in der japanischen Schwesterbank Aozora.

Das interne Sparprogramm in der BAWAG läuft indes weiter. Bis Ende 2013 müssen die Betriebsaufwendungen um 60 Mio. Euro sinken. 2010 sind die operativen Aufwendungen allerdings noch um 2 Prozent gestiegen, auf 618 Mio. Euro. Hauptgrund: Rückstellungen für Restrukturierungen, etwa Frühpensionierungen. Die Mitarbeiterzahl ist 2010 von 4.954 auf 4.812 gesunken. Ebenfalls bis 2013 wird mit einer 100-Millionen-Investition der Aus- und Aufbau einiger hundert neuer Filialen mit der Post vorangetrieben. Eine Neuauflage der geplatzten Fusionspläne mit der Volksbank AG (ÖVAG) schloss der Vorstand am 16. März aus.

Konten von Libyer-Sanktionsliste gesperrt

Die BAWAG PSK hat unterdessen wegen der Sanktionen libysche Konten in Österreich gesperrt. BAWAG-Vizechef Stephan Koren bestätigte am 16. März in der Bilanzpressekonferenz, "wir haben Konten von der Sanktionenliste eingefroren. Über Namen reden wir nicht." Festhalten will BAWAG-Chef Haynes an der BAWAG-Niederlassung in Tripolis. Laut Koren handelte es sich um "drei, vier" Konten mit Einlagen von libyschen Finanzinstitutionen, die "geblockt" worden seien. Der Betrag halte sich in Grenzen. Es gehe um eine niedrige zweistellige Millionensumme. Die Kontoinhaber haben solange keinen Zugriff, bis die Staatengemeinschaft bzw. EU verfüge, dass Vermögen wieder frei sind. Um spätere Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, gibt es in der Zwischenzeit eine Art Mindestverzinsung.

1,2 Mrd. Euro hatte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) mit Stand Ende Februar an libyschen Einlagen auf Konten in Österreich ausgemacht, wieviel davon den Sanktionen unterliegt, wurde bisher nicht bekanntgegeben. Anfang März hatte die OeNB nach EU-Beschluss mögliche Konten von 26 Personen des Gaddafi-Clans einfrieren lassen. Kurz darauf wurden von Wien auch die Konten des früheren Vizechefs des libyschen Staatsfonds LIA, Mustafa Zarti, eingefroren und danach wurden der Staatsfonds LIA selbst und vier weitere libysche Finanzinstitutionen auf die Sanktionsliste gesetzt.

Koren ließ sich nicht darauf festlegen, wessen Vermögenswerte die BAWAG bei sich ausgemacht hat. "Die Sanktionsliste wurde immer wieder erweitert", meint er ausweichend. Die Niederlassung der BAWAG in Libyen bleibt in Betrieb. 2005 hatte die Bank - damals noch dem Gewerkschaftsbund ÖGB gehörend - als erste westliche Bank eine Lizenz dort erhalten. In der Repräsentanz in Tripolis läuft momentan zwar kein Geschäft, wurde heute bestätigt, aber man hielte es für übertrieben, sie jetzt dichtzumachen. Über das Büro in Libyen habe die BAWAG 28 Mio. Euro in libyschen Immobilienprojekten stecken, die laut BAWAG-Chef Haynes von westlichen Kunden getätigt worden sind. Darum sei man nicht besonders beunruhigt.

(APA)

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