Quelle: ZAMG

Wirtschaftskolumne

Partner

PR Inside

Smart Meter sparen Haushalt 30-50 Euro im Jahr

20.09.2012 - 12:47
Alter Zähler werden zu Auslaufmodellen© dpa-ZentralbildAlter Zähler werden zu Auslaufmodellen

Bis 2019 wird jeder österreichische Haushalt mit einem digitalen Stromzähler ausgestattet. Die Smart Meter sollen beim Energiesparen helfen, indem sie dem Endkunden genaue Daten über Verbrauch und Kosten liefern.

Dass die neuen Zähler direkt mit Haushaltsgeräten kommunizieren, man also vom Büro aus die Waschmaschine einschalten kann, wenn der Strom gerade billig ist, ist allerdings nicht vorgesehen. Das Einsparungspotenzial beträgt momentan 30 bis 50 Euro für einen Haushalt im Jahr - das sind etwa 3 bis 4 Prozent der Stromkosten.

Von den rund 5,5 Millionen Stromzählern in Österreich sind bereits 200.000 "intelligent", der Großteil davon in Oberösterreich. Dort sind die Energie AG und die Linz AG vorgeprescht. Auch die Stadtwerke Feldkirch haben bereits umgerüstet, 10.000 schlaue Zähler sind dort in Betrieb. Die Vorarlberger User seien mit den neuen Geräten sehr zufrieden, sagte Harald Proidl vom Energieregulator E-Control vor Journalisten in Nizza. Von 100 befragten Kunden hätten nur 8 Prozent Datenschutzbedenken geäußert, 71 Prozent sähen hier keine Gefahr.

Insgesamt müssen Regulator und Stromfirmen aber noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten. Erst sechs von 100 Österreichern können laut einer Umfrage unter 1.000 Personen mit dem Begriff Smart Meter etwas anfangen, 94 Prozent müssen passen.

"Keine Information aus einem Guss"

Was konkret hat nun ein Endverbraucher vom Smart Meter? In erster Linie sind es Daten. Einerseits muss der Netzbetreiber dem Kunden auf einer Internetplattform die Stromverbrauchsdaten der vergangenen drei Jahre zugänglich machen. "Am nächsten Tag sehe ich meinen Verbrauch auf der Website", erläuterte Proidl. Gleichzeitig soll der Kunde Energiespartipps bekommen sowie die Möglichkeit, seine Daten für einen Energieberater freizugeben. Auf der anderen Seite ist der Lieferant verpflichtet, den Kunden einmal pro Monat kostenlos per Mail oder Post zu informieren, und zwar nicht nur über den Verbrauch, sondern auch über die Kosten. "Information aus einem Guss wäre besser gewesen", räumte E-Control-Vorstand Martin Graf ein. "Aber wesentlich ist, dass der Kunde die Information bekommt." Die Datenübertragung hat laut Gesetz verschlüsselt und anonymisiert zu erfolgen, eine personalisierte Auswertung soll es nur auf freiwilliger Basis, also mit ausdrücklicher Zustimmung, geben.

Die Energie AG zum Beispiel informiert ihre Kunden darüber, wie viel sie im Vergleich zu einem Haushalt mit ähnlicher Größe verbrauchen: "Ihr Stromverbrauch im Jänner war um 97 Kilowattstunden bzw. 23 Prozent höher. Mit dieser Strommenge kann ein Kühlschrank neun Monate lang betrieben werden." Zusätzlich gibt's Tipps zum Energiesparen. Das Urteil der E-Control: "Sehr gut". Nur "mittelmäßig" bzw. "verbesserungswürdig" findet der Regulator hingegen die Online-Abfrage der Stadtwerke Feldkirch, denn hier fehlten Feedback sowie Benchmarks.

Puncto Datenschutz - hier haben ja Daten- sowie Konsumentenschützer in ganz Europa schon im Vorfeld der flächendeckenden Smart-Meter-Installation massive Bedenken geäußert - kalmiert die E-Control. Ohne Zustimmung des Kunden dürften die Daten in Österreich nur in einem recht groben Intervall von 15 Minuten erhoben und nur einmal am Tag an den Betreiber übermittelt werden. Zudem werde immer nur ein Tagesverbrauchswert aufgezeichnet, der keinerlei Rückschlüsse auf das Verbrauchsverhalten zulasse. Die EU-Datenschutzbehörde EDSB hatte erst im Juni gewarnt, dass die computerisierte Erhebung der Daten im Extremfall Rückschlüsse auf das Fernsehverhalten zulasse, da der Stromverbrauch von der Helligkeit des Bildschirms abhänge. Forscher aus Deutschland sind mittlerweile sogar in der Lage, 600 Hollywoodfilme anhand von Smart-Meter-Daten zu erkennen. Eine weitere Gefahr sehen Skeptiker in Softwarefehlern - wenn etwa bei einem Update zigtausende Geräte auf einmal abgedreht werden - oder Hackerangriffen.

Bisher sei es weder in Europa noch in Österreich zu größeren Pannen oder gar smart-meter-bedingten Stromausfällen gekommen, beruhigt die E-Control. Und mittlerweile seien allein in Italien, Frankreich und Schweden bereits 50 Millionen intelligente Zähler installiert. Bis 2020 müssen nach EU-Vorgabe mindestens 80 Prozent aller Haushalte mit einem Smart Meter ausgestattet sein, Österreich sieht bis 2019 eine Durchdringungsrate von 95 Prozent vor. Warum nicht alle Haushalte? In manchen entlegenen Gegenden würde die Installation einfach zu viel kosten, so Graf. Prinzipiell hält die E-Control einen möglichst schnellen Rollout für sinnvoll, da so ein - teurer - Parallelbetrieb vermieden werde.

Keine Kosten für die Haushalte

Direkte Zusatzkosten sollen auf die Konsumenten keine zukommen, verspricht die E-Control. Die Umstellung auf Smart Meter werden aus Sicht des Regulators durch das Messentgelt, die schon jetzt jeder Haushalt bezahlt (maximal 2,40 Euro im Monat), und die Netztarife abgedeckt. Die Netzbetreiber müssen für die Installation der 5,5 Millionen digitale Stromzähler rund 800 Mio. bis 1,1 Mrd. Euro in die Hand nehmen, sagte E-Control-Vorstand Martin Graf in Nizza. Insgesamt fallen bis 2020 rund 8 Mrd. Euro an Netzinvestitionen an.

Die rechtlichen Grundlagen für den Smart-Meter-Einbau sind hierzulande bereits geschaffen. Die europäischen Vorgaben wurden in nationales Gesetz (ElWOG) gegossen, das wiederum in Form dreier Verordnungen im Detail ausgestaltet wird. Die letzte, die sogenannte DAVID-VO (Datenformat- und VerbrauchsinformationsdarstellungsVO), wird am Freitag im E-Control-Vorstand beschlossen und regelt, wie die vom Netzbetreiber an den Lieferanten zu übermittelnden Daten aussehen müssen sowie in welcher Form - nummerisch und grafisch - sie der Kunde letztendlich zu Gesicht bekommt.

Die DAVID-VO "soll nur der erste Baustein sein", sagte Harald Proidl von der E-Control. Den Energieversorgern sollen bei neuen Anwendungen und Geschäftsmodellen "keine Grenzen gesetzt sein". Denkbar wären da etwa flexible Tarifmodelle oder die Fernsteuerung von Haushaltsgeräten via Smartphone - Smart Meter können theoretisch mit mehreren Haushaltsgeräten kommunizieren, sodass sich der Wäschetrockner auch mal untertags einschaltet, wenn niemand zu Hause ist, aber der Strom günstig. Das alles ist aber noch Zukunftsmusik, so Proidl.

Wende gibt's nur smart

Wenngleich die E-Control einmal mehr betonte, dass es ohne smarte Technologien keine Energiewende geben könne. Die Herausforderungen könnten größer nicht sein: EU-Klimaziele, Atomausstieg, Ausbau der Erneuerbaren, steigende Rohstoffpreise, volatile Erzeugungskapazitäten uvm. Mindestens genauso ernüchternd sieht die energiepolitische Realität aus: Der Energieverbrauch steigt weiter an und mit ihm die Treibhausgasemissionen, sodass das Kyoto-Ziel in weite Ferne rückt. Die zusätzlichen Ökostrommengen können den Mehrverbrauch nicht kompensieren.

"Die Energiewende ist ein Mammutprojekt und wird nicht realisierbar sein, wenn man nicht tief in die Tasche greift", konstatierte Graf. In Europa gibt es laut E-Control allein in der Stromerzeugung 3.000 "ungeliebte" Terawattstunden (davon 990 TWh aus Kohle und 935 TWh aus Nuklearenergie), die substituiert werden müssten. Dies durch Windkraft, Photovoltaik und Biomasse zu ersetzen, würde 2.190 Milliarden Euro an Investitionen verschlingen.

Die Energieversorgung wird sich jedenfalls mit den smarten Technologien völlig verändern, ist Graf überzeugt. Der Telekommunikationsmarkt werde stärker mit dem Energiesektor zusammenwachsen, neuartige Dienstleistungen werden angeboten werden - ähnlich wie am Mobilfunksektor: "Vor zehn Jahren ging es hauptsächlich ums Telefonieren. SMS war ein Abfallprodukt. Heute können Sie mit Ihren Smartphones fast alles machen."

Kurz- bis mittelfristig müsse aus rechtlicher Sicht noch einiges getan werden, um die Energieversorgung tatsächlich auf "smarte" Beine zu stellen. Da wäre zum Beispiel das "sehr kontroversielle Thema" Gas Smart Meter, die ebenfalls im dritten EU-Binnenmarktpaket vorgesehen sind. Die rechtliche Implementierung soll noch heuer starten, erwartet Graf. Ein weiteres, aus Sicht der E-Control zentrales Thema, ist die Energieeffizienz. Eine entsprechende Richtlinie wird für den Herbst erwartet, das Energieeffizienzgesetz soll in den kommenden ein bis zwei Wochen in Begutachtung gehen.

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech