Quelle: ZAMG

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WWF will "Nein" von Berlakovich zu Isel-Kraftwerk

19.09.2012 - 15:02

Der WWF hat Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) aufgefordert, sich gegen den geplanten Bau eines Kraftwerkes am Gletscherfluss Isel in Osttirol auszusprechen. "Der Minister muss klar Stellung nehmen", sagte Bernhard Kohler, der Leiter des Österreich-Programms des WWF, am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

Man habe schließlich den Eindruck, dass man im Ministerium auch "nicht begeistert" von dem Vorhaben sei, meinte Kohler. Schließlich hätten das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium und der WWF bereits im Jahr 1998 74 besonders wertvolle Flussstrecken in Österreich zu "Flussheiligtümern" erklärt, darunter die Isel. Man habe sich gemeinsam verpflichtet, sie dauerhaft vor allen Eingriffen zu schützen, betonte der Umweltschutzexperte. "Es liegen dazu schriftliche Dokumente und ein Katalog vor. Diese haben zwar keinen bindenden Charakter. Aber sie stellen eine moralische Verpflichtung dar. Man muss hier Handschlagqualität einmahnen", sagte Kohler.

Im Kampf um die Auszeichnung "Natura 2000-Gebiet" für die Isel hatten die Naturschützer Mitte Juni Rückhalt von der Europäischen Union erhalten. Die zuständige Kommissionsdienststelle entschied, dass für das betreffende Gebiet "eine Nachmeldung erforderlich scheint". Wenige Tage später sprachen sich die Bürger der betroffenen Gemeinden in einer Bürgerbefragung über das 142 Millionen-Euro-Projekt für den Bau eines Kraftwerks aus.

Das Kraftwerksprojekt falle im Fachbereich Ökologie sowohl im Tiroler Kriterienkatalog, als auch im Bundeskriterienkatalog Wasserkraft eindeutig durch, meinte Kohler. "Wir erwarten von Berlakovich, dass er das Versprechen von 1998 einlöst und sich gegenüber der Tiroler Landesregierung massiv für den Schutz des Flussheiligtums Isel einsetzt", forderte der WWF-Biologe. Aus dem Bundeskriterienkatalog gehe eindeutig hervor, dass Teile der Isel für den Bau eines Kraftwerkes nicht zulässig seien. "Man sollte dazu stehen", sagte Kohler.

Parteistellung im UVP-Verfahren

Der WWF wolle das Kraftwerk unbedingt verhindern und werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, etwa durch eine Stellungnahme im UVP-Verfahren, in dem die Organisation Parteistellung habe. Die 60 Kilometer lange Isel sei schließlich einer der letzten vollkommen unbeeinträchtigten Gletscherflüsse. Deshalb habe man die Isel nun auch offiziell als "Nationales Flussheiligtum" ausgewiesen. Eine bebilderte Tafel wurde laut Kohler am Mittwoch am Prägratener Iselufer installiert. Sie soll künftig Einheimische und Besucher des Iseltales über die Bedeutung, Schönheit und Schutzwürdigkeit des letzten Gletscherflusses der Alpen informieren.

Die Ausleitung des Iselwassers durch das Kraftwerk wäre eine Katastrophe für die einmalige und einzigartige Lebewelt des Flusses. "Man würde den Fluss auf weiten Strecken töten", schlug Kohler Alarm. 15 Kilometer würden auf jeden Fall zerstört, der Rest würde durch den entstehenden Schwall beeinträchtigt.

(APA)

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