Die Verträge für das Transanatolische Pipeline-Projekt (Tanap) zwischen der Türkei und Aserbaidschan dürften noch im ersten Halbjahr 2012 unterzeichnet werden. Die beiden Länder könnten sich beim nächsten Besuch des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan einigen, sagte der Chef des staatlichen Öl-Unternehmens in Aserbaidschan (Socar), Rovnag Abdullayev, in einem Interview mit ANS-TV.
Erdogan werde jedenfalls übereinstimmenden Medienberichten zufolge an einer Konferenz zu Strategie und Kooperation in der Hauptstadt Baku teilnehmen. Unklar bleibt allerdings, wann genau die Konferenz stattfinden soll. Laut einem Vorvertrag werde ein Termin im Mai oder Juni angepeilt, wie der türkische Botschafter in Baku, Hulusi Kilic, gegenüber der Agentur Salam News sagte.
Bereits im Dezember unterzeichneten die Türkei und Aserbaidschan ein Absichtserklärung zum Bau der Pipeline. 2.000 Kilometer soll sie demnach lang sein und jährlich 16 Mrd. Kubikmeter Gas transportieren. An Tanap sollen vorerst zu 80 Prozent die Socar und zu 20 Prozent das staatliche türkische Öl-Unternehmen Botas beteiligt sein. Botas ist gleichzeitig auch am Nabucco-Projekt beteiligt. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten sich aus andere Investoren an Tanap beteiligen, hieß es von Socar. Die Kostenschätzungen für das Projekt variieren zwischen 5 und über 9 Mrd. Euro.
Für die EU ist das Projekt interessant. EU-Kommissar Oettinger kündigte bereits an, Gas für Europa aus dem lukrativen "Shah Deniz II"-Feld in Aserbaidschan haben zu wollen. Ziel sei es, im Energiesektor unabhängiger von Russland zu werden. Welche Pipeline die EU dafür allerdings verwenden will, ist offen. Zur Diskussion stehen unter anderem das von der OMV geführte Nabucco-Projekt und eben das Tanap-Projekt.
Die Gespräche rund um die Nabucco-Pipeline scheinen allerdings nicht recht voran zu kommen. Die Entscheidung über den Bau werde erst Mitte 2013 fallen, hieß es heute, Mittwoch, vonseiten der OMV. Die Investmententscheidung sei von der Pipeline-Entscheidung des Shah-Deniz-II-Konsortiums abhängig, sagte OMV-Chef Roiss.
Davon offenbar unbeirrt schreitet das Tanap-Projekt voran. Die Finanzierung sei jedenfalls kein Problem, sagte Socar-Chef Abdullayev vergangene Woche bei einer Pressekonferenz. Im Notfall hätte man Zugriff auf 30 Mrd. Euro aus dem staatlichen Gas-Fond.
Die Geschäftsbeziehungen zwischen der Türkei und Aserbaidschan dürften weiterhin intensiviert werden. Die Socar werde etwa noch die übrigen zehn Prozent an der türkischen Petrolchemie-Fabrik Petkim übernehmen, wie der aserbaidschanische Botschafter der türkischen Zeitung "Hürriyet Daily News" sagte. Socar hält bereits 51 Prozent an dem Unternehmen.
Bisher hätten Firmen aus Aserbaidschan schon über zehn Mrd. Euro in die Türkei investiert. Socar plane außerdem in der ganzen Türkei Tankstellen zu eröffnen. Gleichzeitig kooperiert die Türkei allerdings auch weiterhin mit Russland. Über die Türkei fließt russisches Gas über die "South Stream"-Pipline nach Europa, dem selben Zielmarkt wie auch Nabucco oder Tanap.
(APA)

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