Quelle: ZAMG

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Sardiniens Atom-Referendum setzt Berlusconi zu

19.05.2011 - 12:26

Die Atomkraftgegner in Italien haben Grund zum Feiern. Bei einem Referendum auf Sardinien am Sonntag und Montag sprachen sich 97 Prozent der Wähler gegen den Bau von Atommeilern auf der Insel und gegen die Einrichtung von Deponien zur Entsorgung von Atommüll aus.

Das Referendum, für dessen Gültigkeit ein Quorum von 33 Prozent genügte, wurde mit der Unterstützung des Präsidenten der Region Sardinien, Ugo Cappellacci, vorangetrieben. 59 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich am Referendum. Der Anteil des "Nein" zur Atomenergie übertraf jegliche Erwartungen der Initiatoren der Volksbefragung.

"Die Sarden haben bei einem heiklen Thema wie dem der Atomenergie all ihre Geschlossenheit gezeigt. Auf Sardinien wollen wir auf erneuerbare Energien wie Sonnenenergie setzen , eine Branche, in der wir große Fortschritte melden", betonte Cappellacci. Die 1,6 Millionen Sarden seien seit jeher gegen Atomenergie, diese Überzeugung habe sich nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima noch mehr gefestigt, meinte Cappellacci, der der Mitte-rechts-Partei "Volk der Freiheit" um Premier Silvio Berlusconi angehört.

Mit seiner umweltbewussten Initiative trotzte Cappellacci den Richtlinien seiner Partei, die sich seit 2008 für eine Rückkehr Italiens zur Atomenergie engagiert. Das Referendum wurde parteiübergreifend von allen politischen Lagern auf Sardinien unterstützt. "Jetzt wird die Region verstärkt in grüne Energien investieren. Wir arbeiten dafür, dass bis 2030 40 Prozent des Stroms, den wir verbrauchen, aus erneuerbaren Energiequellen stammt", meinte Cappellacci.

Hohe Wellen schlägt das Resultat des Referendums in Rom, wo der Einsatz der Anti-Atom-Aktivisten die Regierung Berlusconi zum Verzicht auf ihre Pläne zum Bau vier neuer Atomkraftwerke gezwungen hat. "Im Kampf gegen die Atomenergie sind wir jetzt stärker geworden", sagte ein Sprecher des Umweltschutzverbands Legambiente. Weitere italienische Regionen wollen sich an Sardinien ein Beispiel nehmen und eigene Volksbefragungen zum Thema Atomenergie in die Wege leiten. Unterschriftensammlungen sind bereits in mehreren Teilen Italiens, darunter in der süditalienischen Region Apulien, im Gange.

Die Linkspartei SEL (Linke, Ökologie und Freiheit) bezeichnete das Referendum auf Sardinien als Plebiszit gegen die Regierung Berlusconi, die um eine Rückkehr zur Atomenergie kämpft. Sie appellierte an die Italiener, massiv an dem am 12. und 13. geplanten Referendum teilzunehmen, bei dem sich die Wählerschaft für einen Ausstieg aus der Kernkraftenergie aussprechen kann. Somit könne man den Plänen der Atomlobby um Berlusconi endgültig einen Strich durch die Rechnung machen, meinte die Partei.

Nach der Atom-Katastrophe in Japan hat die Regierung Berlusconi im Parlament eine Gesetzesänderung eingebracht, die die Vorbereitungen und die Suche nach Standorten für neue Atomkraftwerke definitiv stoppt. Somit sei das Referendum der italienischen Atomkraftgegner gegen den Wiedereinstieg überholt, verlautet es in Rom. Die Initiatoren des Referendums drängen jedoch die Italiener, trotzdem massiv am Referendum teilzunehmen. "Es ist eine Frage der Demokratie. Die Italiener haben das Recht, der Kernkraftenergie eine klare Absage zu erteilen", sagte der Umweltaktivist Ermete Realacci.

(APA)

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