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Plant Griechenland den Druck eigener Euro-Scheine?

03.07.2015 - 09:08
Griechenlands Finanzminister Varoufakis hat behauptet, sein Land habe alle seine Notenpressen zerstört. Doch das ist eine Lüge, denn Athen druckt laufend Euro-Banknoten.
Druckt Griechenland bald eigene Euros?© APA (dpa)Druckt Griechenland bald eigene Euros?

Vor wenigen Tagen wurde Griechenlands Finanzminister Janis Varoufakis von Journalisten gefragt, ob Griechenland bald neue Drachmen-Scheine drucken werde. Er antwortete wörtlich „Wir haben unsere Notenpressen zerstört. Wir besitzen keine Notenpressen mehr."

Doch diese Antwort war entweder eine wissentliche Lüge oder zeigt von großer Ahnungslosigkeit des griechischen Finanzministers. Denn Griechenland druckt laufend Banknoten und zwar ganz offiziell im Auftrag der Europäischen Zentralbank.

Bei Einführung des Euros hatte die EZB beschlossen, die Banknoten und Münzen nicht zentral produzieren zu lassen sondern verteilt auf mehrere Standorte. So vergab die EZB Druckaufträge an alle 19 nationalen Notenbanken des Euro-Systems und damit auch an Griechenland. Einige Notenbanken haben ihre Banknotendruckereien ausgelagert oder vergaben ihre Druckaufträge weiter an private Druckereien. Nicht so die griechische Zentralbank. Die Bank of Greece unterhält bis heute eine eigene moderne Druckerei, wie auf ihrer Website für jedermann nachzulesen ist – inklusive Foto der Druckerei und voller Stolz angeführter moderne Ausstattung sowie höchster Qualitäts- und Sicherheitsansprüche.

Derzeit haben die Griechen von der EZB den Auftrag, neben anderen Banknoten hauptsächlich Zehn-Euro-Scheine zu drucken. Im vergangenen Jahr war Griechenland laut EZB alleine für das Drucken der Zehner verantwortlich – insgesamt 94 Millionen Stück druckte man nördlich von Athen.

In Brüssel macht man sich ungeachtet der Aussagen von Varoufakis nun große Sorgen. Was, wenn Griechenland nach einem endgültigen Bruch mit der EU keine eigene Währung einführt sondern einfach selber Euros nach Belieben druckt?

Technisch wäre das jedenfalls für die Bank of Greece kein Problem. Nachdem sie in der Vergangenheit bereits Fünf- und 20-Euro-Scheine druckte, sollten die technischen Voraussetzungen für die Produktion sämtliche erforderlicher Scheine gegeben sein. So könnte die Bank of Greece einfach eigenmächtig auf Anordnung des Finanzministers weiter Notfallkredite an die griechischen Banken vergeben, sollte der EZB-Rat irgendwann sein Veto dagegen einlegt. Das wäre wohl das Ende des Euro.

Denn auch wenn es sich dabei im juristischen Sinne um „Falschgeld“ handeln würde, wären diese Banknoten logischerweise in keinster Weise von „echten“, auf Anordnung der EZB hergestellten Banknoten zu unterscheiden.

Nachdem ja bekanntlich kein Land aus dem Euro rausgeworfen werden kann, was sollte Griechenland passieren? Ein weiteres Ass im Erpressungsspiel gegen Brüssel haben Tsipras und Varoufakis damit jedenfalls noch im Ärmel.

(relevant Redaktion)

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