Quelle: ZAMG

Hirscher nach 63. Sieg Nummer eins im ÖSV

20.12.2018 - 17:09
Hirscher führt souverän© APAHirscher führt souverän

Mit seinem ersten Sieg auf Salzburger Boden hat sich Marcel Hirscher auch offiziell zum erfolgreichsten Skirennläufer der Alpenrepublik gekürt. Saalbach-Hinterglemm wird dem 29-Jährigen als jenes Rennen in Erinnerung bleiben, in dem er Annemarie Pröll an Weltcupsiegen überholte. Der 63. Erfolg war zugleich sein 29. in einem Spezialslalom.

Vor Hirscher liegen in der Weltcup-Siegstatistik nun noch die US-Amerikanerin Lindsey Vonn (82) und der Schwede Ingemar Stenmark (86). "Es ist unglaublich, so etwas kannst du nicht planen, so etwas passiert einfach. Der alleinige Führende zu sein, bedeutet mir sehr viel", sagte der Salzburger nach dem Slalomsieg in Saalbach-Hinterglemm. "In Österreich dieses Level zu erreichen, ist sehr speziell. Wir sind ein Land, das wegen Skifahren verrückt ist, es gibt so viele gute Skifahrer. Das ist ein Rekord, der nicht mehr wert ist als sieben große Kugeln in Folge, aber sehr nahe dran", sagte der siebenfache Gesamtweltcupsieger.

Moser-Pröll erlebte in Saalbach live mit, wie Hirscher sie hinter sich ließ, und hatte damit überhaupt keine Probleme. Denn eigentlich blicke sie viel mehr auf seine Karriere, als sie auf ihre zurückschaue. "Wenn er verletzungsfrei bleibt, dann traue ich ihm auch den Stenmark-Rekord zu", sagte Moser-Pröll. Der Jung-Papa will so weit nicht denken. "Es ist eine Frage des Wollens. In der Zukunft, in den nächsten Jahren wird es andere Dinge zu tun geben, meine Pläne werden andere sein. Es dreht sich nicht alles nur darum, jedes Wochenende Rennen zu gewinnen und immer am Maximum, den hundert Prozent, dem Limit zu sein."

Hirscher gewann das aufgrund der Pistenverhältnisse äußerst anspruchsvolle Ersatz-Rennen für Val d'Isere mit 0,38 Sekunden Vorsprung auf den Schweizer Loic Meillard sowie 0,47 auf den Norweger Henrik Kristoffersen. Das ÖSV-Team schnitt im zweitletzten Rennen vor der Weihnachtspause hervorragend ab, Manuel Feller landete auf Platz vier (0,66), Michael Matt auf fünf (0,78) und Marco Schwarz auf neun (1,02).

Nach dem ersten Durchgang hatte Hirscher auf Loic (12.) einen satten Vorsprung von 2,13 Sekunden, knapp vier Zehntel blieben am Ende übrig. Auch weil der siebenfache Gesamtweltcupsieger noch wertvolle Informationen über Löcher auf der Piste bekommen hatte. "Der erste Lauf war solide, im zweiten war ich auf der Sicherheitslinie. Es war am Ende eine sehr knappe Entscheidung. Der untere Teil war hart beim Limit zu dem, was man Skirennfahren nennt, danach kommt nur noch Buckelpiste", erklärte der Disziplinführende.

Schon im ersten Lauf war die Piste rasch gebrochen, am besten hatte sich von den Österreichern mit "höheren" Nummern Schwarz mit der 16 als Elfter (+2,06) gezeigt. Vor dem zweiten Durchgang wurde die Piste mit Wasser und Salz behandelt. "Ich mag den Berg, leider waren die Bedingungen aber nur so, so", meinte "Wahl-Österreicher" Kristoffersen und verwies darauf, dass man ja Weltmeisterschaften haben will. Einen Abschnitt wie den Schlussteil sei er jedenfalls noch nie im Weltcup gefahren.

Olympia-Bronzemedaillengewinner Matt hatte wegen Rückenproblemen nach einem Trainingssturz erst in der Früh über sein Antreten entschieden, der Rückfall von Halbzeitrang zwei auf fünf ließ sich so verschmerzen. "Den Umständen entsprechend ist das Ergebnis okay, aber der zweite Lauf war nicht gut. Es war extrem schwierig, die Sicht war schlecht, es waren brutale Löcher drinnen. Und je unruhiger es wird, desto schwieriger wird es für den Kopf, weil ich vor zwei Tagen nicht einmal gerade gehen konnte", sagte der Tiroler.

Von 17 auf 4 verbesserte sich Feller, das war Balsam auf den Wunden des von Saalbach kopfgesponserten Athleten nach dem Ausfall im Riesentorlauf. "Das Ganze war ein bisschen schwierig für mich hier. Natürlich ist es fein, wenn man viele Fans hier hat, aber man muss irgendwie trotzdem die Konzentration bewahren", erklärte der Tiroler. Nach dem gefahrenen "Semmel" im ersten Durchgang schaffte er die Kehrtwende. "Wir haben viel am Set up verändert, Schuhe und Ski gewechselt.

Auch der neuntplatzierte Schwarz landete wie beim ersten Saisonslalom in Levi in den Top Ten. "Es ist nicht das, was ich draufhabe", war der Kärntner nicht ganz zufrieden. Christian Hirschbühl wurde 19., Marc Digruber 22. Fabio Gstrein hatte als 33. ebenso die Qualifikation für den zweiten Durchgang verpasst wie die in dem ausfallsreichen Slalom nicht ins Ziel gekommenen Mathias Graf und Johannes Strolz.

Der Schweizer Meillard wird auf ewig glücklich auf Saalbach zurückblicken - trotz Rumpelpistenverhältnisse. Er war bereits im Riesentorlauf hinter dem slowenischen Sensationssieger Zan Kranjec Zweiter geworden, es sind die ersten Stockerlplätze seiner Karriere. "Das waren zwei harte Tage auf der Piste. Da musste man kämpfen, ich bin sehr glücklich", sagte der 22-Jährige. "Loic ist einer der großen Diamanten, die sie in der Schweiz haben", merkte Hirscher an. Er selbst hatte nach Riesentorlaufplatz sechs eine unruhige Nacht gehabt - für den Slalom passte die Materialabstimmung dann wieder. Im Gesamtweltcup nimmt Hirscher als Führender einen Vorsprung von 268 Punkten mit zum Slalom am Samstag in Madonna.

In Kalenderjahr 2018 hat Alpinski-Superstar Marcel Hirscher bereits 14 Weltcup-Rennen gewonnen. Der Salzburger überholte damit Ingemar Stenmark, der 1977 auf 13 kam. Hirscher hat am Samstag noch die Möglichkeit, im Slalom von Madonna Erfolg Nummer 15 einzufahren. Zudem könnte Hirscher noch den Sieg im Riesentorlauf von Beaver Creek zugesprochen bekommen, womit er auf 16 käme. Stefan Luitz droht die Aberkennung und Disqualifikation. Der Deutsche Skiverband hat bis 26. Dezember Zeit, eine Stellungnahme in der Sauerstoff-Affäre an den Skiweltverband (FIS) abzugeben, danach fällt die Entscheidung.

(APA)

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