Quelle: ZAMG

Kristoffersen gewann Slalom in Kitzbühel vor Hirscher

21.01.2018 - 15:25
Henrik Kristoffersen macht Hirscher Konkurrenz© APA (Techt)Henrik Kristoffersen macht Hirscher Konkurrenz

Henrik Kristoffersen hat am Sonntag in Kitzbühel die Siegesserie von Marcel Hirscher im Slalom beendet. Der Norweger bejubelte mit dem Triumph am Ganslernhang seinen ersten Weltcupsieg seit Schladming 2017. Hirscher landete mit 0,97 Sekunden Rückstand an zweiter Stelle, Dritter wurde der Schweizer Daniel Yule. Die Hahnenkammrennen gehen damit ohne österreichischen Sieg zu Ende.

Im Vorjahr hatte Hirscher in Kitzbühel nach dem ersten Durchgang 1,02 Sekunden Rückstand auf den Halbzeitführenden David Ryding (GBR) und holte sich noch den Sieg. Heuer waren es als Dritter 1,05 auf Kristoffersen und 0,95 auf Michael Matt, der sich im Finale glänzend unterwegs bei einer Haarnadel verfuhr und ausschied. Hirscher sah Kristoffersen und Matt an diesem Tag in einer eigenen Liga und eine ähnliche Aufholjagd nicht mehr möglich.

"Wirklich cool, ich war im zweiten Lauf ein paar Mal ganz am Limit, der war wirklich, wirklich gut", sagte Kristoffersen, der das zweite Mal in Kitzbühel nach 2016 gewann und im dichten Schneefall seinen insgesamt 16. Weltcupsieg holte. "In Österreich ist die Stimmung bei Weltcuprennen immer so gut, ich liebe Österreich, ich freue mich sehr."

In dieser Saison war Kristoffersen zuvor bereits siebenmal auf Rang zwei und dreimal auf drei zu finden gewesen, langsam hatte er ob Hirschers Übermacht zu verzweifeln angefangen, ließ seinen Emotionen immer sichtbar freien Lauf. Im Disziplinweltcup liegt Hirscher noch 99 vor Kristoffersen, im Gesamtweltcup hat der Salzburger noch 154 auf den Norweger.

"Henrik war heute einsame Klasse für sich, für Michi ist es wahnsinnig schade, er hätte mit Henrik mithalten können. Das war kein leichter Tag, mit achtzig Punkten bin ich sehr zufrieden", sagte Hirscher, der zugab, dass er sich derzeit etwas schwerer tue als in den vergangenen Wochen. Der Stockerlplatz war ihm aber sehr wichtig. "Dass ich nicht nur im Ausland, sondern auch bei Heimrennen gut fahre. Da fällt mir ein Stein vom Herzen." Auf die Egalisierung der 54 Weltcupsiege von Hermann Maier muss Hirscher damit zumindest bis Dienstag in Schladming warten.

Vor dem Augen seines Bruders und Olympiasiegers Mario Matt passierte Michael Matt in der Entscheidung ein Fehler, der möglicherweise einmal im Rennleben passiert. "Ich habe das nicht mehr ganz vor mir gehabt. Es war ein Doppeltor, das war wie ein normaler Schwung zu fahren, und ich bin es gefahren wie eine Haarnadel. Vielleicht habe ich mich durch die Sicht ein bisschen drausbringen lassen. Klassisch verfahren", haderte der Tiroler mit sich selbst. Dabei hätte abstimmungstechnisch am Sonntag alles gepasst, der zweite Weltcupsieg war zum Greifen nahe.

Das dritte Topergebnis bei vier Ausfällen (zuletzt zwei in Folge) in dieser Saison fuhr Manuel Feller ein. "Der zweite Lauf ist mir mehr entgegengekommen, das habe ich schon beim Besichtigen gesehen, das macht Spaß. Im ersten wäre ich bergauf genau so schnell gewesen", vermeldete der Tiroler, der bei seinem Heimrennen als Fünfter das beste Kitz-Ergebnis seiner Karriere amtlich machte (zuvor einziges Ergebnis war Rang acht). "Ein akzeptables Resultat. Ich hab noch das beste rausgeholt. Das gibt Selbstvertrauen."

Marco Schwarz fiel vom 11. auf den 16. Platz zurück, dabei hatte er im ersten Lauf doch noch "ein bisserl was offen gelassen und nicht das letzte Hemd riskiert". Marc Digruber verpasste als 19. die Chance, sich doch noch ins Rennen um die Olympia-Nominierung zu bringen.

Christian Hirschbühl war zur Halbzeit nur 28. und fädelte flott unterwegs im Finale ein. Für Südkorea bleibt nun nur noch Schladming am Dienstag, wo er ein Topergebnis einfahren muss. "Ich habe im falschen Moment die Ski laufen lassen. Es hat mich in eine leichte Kompression reingedrückt. Ich muss jetzt schauen, dass ich locker bleibe, der Speed ist okay", sagte der Vorarlberger.

Auch bei seinem 16. Versuch seine ersten Weltcuppunkte verpasste Dominik Raschner. Mit Startnummer 62 fuhr er an die 21. Stelle und qualifizierte sich erstmals in seiner Karriere für das Finale, wo er nach ein paar Toren eine Welle übersah und einfädelte. Der 23-jährige hatte sich vor einem Jahr am Ganslernhang einen Bruch des Außenknöchels zugezogen, die Versöhnung mit dem Hügel muss warten. "Es wäre gewaltig gewesen, wenn ich in die Punkte gefahren wäre. Ich muss weiter fest arbeiten", blickte Raschner nach vorne.

Im ersten von Choroschilow-Coach Jani Hladnik gesteckten, tückischen Kurs schieden 22 Läufer aus, darunter Thomas Hettegger und Johannes Strolz, einer wurde disqualifiziert. Fabio Gstrein verpasste als 48. den Sprung in den zweiten Durchgang.

Bei den drei Rennen der Hahnenkammwoche gab es damit durch Aksel Lund Svindal im Super-G und Kristoffersen im Slalom zwei norwegische Siege, in der Abfahrt setzte sich der Deutsche Thomas Dreßen durch. Für Österreich gab es durch Hirscher im Slalom einen zweiten sowie Matthias Mayer im Super-G und Hannes Reichelt in der Abfahrt zwei dritte Ränge.

"Ich bin bedingt zufrieden, wir waren jedes Rennen am Stockerl, das ist auch was", sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. "Wenn wir da gewonnen haben, war es oft so, dass wir bei Olympischen Spielen nicht so gut abgeschnitten haben. Wenn du Kitzbühel gewinnst, dann fällt ja auch etwas ab. Wenn du nur Zweiter oder Dritter bist, wird die Motivation noch größer. Das ist keine schlechte Motivation", meinte er in Hinblick auf die Winterspiele in Südkorea.

(APA)

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