Quelle: ZAMG

St. Moritz lockt mit stimmungsvoller WM

03.02.2017 - 12:36
Die Rennen können beginnen© APA (AFP)Die Rennen können beginnen

Die am Montag mit den ersten Abfahrtstrainings sowie der abendlichen Eröffnung beginnende 44. Alpine Ski-WM von 6. bis 19. Februar 2017 ist zugleich die fünfte WM-Medaillenvergabe in St. Moritz. So oft wie die zuletzt 2003 als WM-Gastgeber fungierende Jet-Set-Destination im Schweizer Oberengadin ist bisher noch kein Ort zum Zug gekommen. Die Veranstalter rechnen mit 140.000 Zuschauern.

Vier Jahre nach Schladming und zwei Jahre nach Vail/Beaver Creek in den USA werden alpine WM-Medaillen wieder in Europa vergeben. Der Heimatort von FIS-Präsident Gian Franco Kasper hat ein Budget von 65 Mio. Franken (60,80 Mio. Euro) in die Hand genommen und verspricht stimmungsvolle, authentische und zukunftsweisende Weltmeisterschaften in einer einzigartigen Bergwelt. Die Moritz-WM wird von insgesamt 30 TV-Stationen übertragen, 1.500 Medienschaffende arbeiten vor Ort. 600 Aktive aus 77 Nationen nehmen teil.

St. Moritz liegt am Inn und verdankt seine Bedeutung ursprünglich den Heilquellen. Aufgrund der im Engadin verankerten romanischen Sprache, der Nähe Italiens und der mehrheitlich deutschsprachigen Ortsbevölkerung stoßen hier drei Kulturbereiche zusammen. Der berühmte Kur- und Ferienort in Graubünden, längst ein absoluter Nobelort, hat die Sonne (300 Sonnentage) zum Symbol und liegt 1.856 Meter über dem Meer.

Allerdings spielt sich das WM-Geschehen am steilen Nordufer des Moritzer Sees praktisch auf drei Ebenen ab. Die höchste ist jene der im offenen und baumlosen Gelände befindlichen Rennpisten. Es ist die Corviglia (Alpendohle) mit dem Ziel in Salastrains. Der Schnee ist meist kalt und ausgeblasen und erinnert an jenen in Skandinavien oder Nordamerika, verlangt also viel Gefühl. "Gefeiert" wird in Moritz-Dorf, gewohnt und gearbeitet ganz unten in Moritz "Bad".

Pauschal ist es die fünfte Alpin-WM in St. Moritz, 1948 wurde WM-Edelmetall allerdings im Rahmen von Olympischen Winterspielen vergeben. Diesmal gibt es Medaillen-Entscheidungen in elf Bewerben, dazu kommen vier Qualifikationsrennen für die Technikbewerbe. Gefahren werden alle WM-Bewerbe auf dem Hausberg "Corviglia", wobei für die Herren-Abfahrt der spektakuläre Startteil "Freier Fall" (45 Grad) auf den neuesten Stand gebracht wurde. Der Damenstart "Britannia" ist daran angelehnt.

Insgesamt erfolgreichste Nation in St. Moritz ist Österreich mit 23 Medaillen, obwohl der ÖSV 1934 wegen der Februar-Kämpfe gar nicht dabei gewesen war. Ob man angesichts der üblichen Präsidenten-Prognosen von sechs bis acht Stück Edelmetall wie vor 14 Jahren (9) erneut wieder die Skination Nummer eins sein kann, ist aber fraglich. Mit Marcel Hirscher hat man zwar den erfolgreichsten Skirennläufer der Gegenwart am Start, aber sonst eine eher überschaubare Zahl an Favoriten im Rennen. Die bisher dominierenden Fahrer neben Hirscher waren die Norweger Kjetil Jansrud und Henrik Kristoffersen sowie der Franzose Alexis Pinturault.

Neben dem vierfachen Saisonsieger Hirscher haben Max Franz, Matthias Mayer und zuletzt Routinier Hannes Reichelt in Speed-Bewerben Siege geschafft. Hirscher ist Titelverteidiger in der Kombi, zählt auch in Riesentorlauf und Slalom zu den Sieganwärtern und buhlte bis zuletzt auch um einen Startplatz im Super-G. Der 27-jährige Salzburger könnte einer der großen WM-Abräumer werden, Gold im "Riesen" fehlt dem Slalom-Champion von 2013 noch.

Können die Herren inklusive der sieben Saisonsiege auf insgesamt 21 Podestplätze verweisen, sieht das Bild bei den ÖSV-Damen deutlich weniger gut aus. Nach vier Stockerlplätzen und lediglich einem (Überraschungs-) Sieg der B-Kader-Läuferin Christine Scheyer in der Abfahrt von Zauchensee erstaunte es umso mehr, dass aus besetzungstechnischen Gründen erstmals mehr Damen (14) als Herren (13) nominiert wurden.

Die ÖSV-Damenmannschaft ist bekanntlich durch zahlreiche Rücktritte und Verletzungen geschwächt, alleine gegenüber Vail 2015 fehlen mit Eva-Maria Brem, Cornelia Hütter, Carmen Thalmann (alle verletzt), Elisabeth Görgl (nicht nominiert) sowie den zurück getretenen Nicole Hosp und Kathrin Zettel sechs Leistungsträgerinnen. Kein Wunder, dass von den 27 Nominierten des ÖSV 16 Debütant/innen und gleich zehn davon im Damenlager zu finden sind.

Mikalea Shiffrin, Tessa Worley sowie Lara Gut und Ilka Stuhec heißen die bisher dominanten Fahrerinnen der WM-Saison, zudem macht sich Lindsey Vonn Hoffnungen auf Doppelgold im Speed. Im ÖSV-Lager ruhen große Hoffnungen auf Anna Veith, die sich nach ihren beiden Goldenen in Vail/Beaver Creek aber schwer am Knie verletzt hat und erst wenige Wochen vor der WM zurückgekehrt ist. Schon im siebenten Rennen schaffte die Salzburgerin zuletzt bei der WM-Generalprobe in Cortina als Dritte aber bereits wieder einen Podestplatz im Super-G. Auch in dieser Disziplin ist Veith Titelverteidigerin.

(APA)

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