Quelle: ZAMG

Sportdirektor Hierro neuer spanischer Fußball-Teamchef

13.06.2018 - 19:14
Rollenwechsel für Fernando Hierro© APA (AFP)Rollenwechsel für Fernando Hierro

Sportdirektor Fernando Hierro übernimmt die spanische Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland. Das gab der Verband am Mittwoch via Twitter bekannt, nachdem er sich kurz zuvor von Julen Lopetegui getrennt hatte. Tags zuvor war bekannt geworden war, dass der 51-jährige Lopetegui nach der Endrunde zu Real Madrid wechselt.

Der 50-jährige Ex-Teamspieler Hierro hatte bisher nur den Zweitligisten Real Oviedo trainiert. Der frühere Weltklasse-Verteidiger wird damit den WM-Mitfavoriten beim ersten Spiel am Freitag in Sotschi gegen Europameister Portugal betreuen.

"Das Ziel ist, um den Titel zu kämpfen. Wir haben keine Zeit, an etwas anderes zu denken", erklärte Neo-Teamchef Hierro bei einer Pressekonferenz. Er will den unrühmlichen Abgang von Lopetegui rasch hinter sich lassen. "Die Vergangenheit ist Vergangenheit, wir müssen positiv denken. Der Tag war nicht einfach, aber die Jungs sind professionell und Sportler", sagte der 50-jährige vor seinem ersten Training. "Die Spieler sind gewohnt, dass Trainer kommen und gehen. Wir haben ein sehr schönes, spannendes Ziel."

Kapitän Sergio Ramos rief in der Zwischenzeit die zwischen Verdutztheit und Enttäuschung pendelnde Anhängerschaft mit pathetischen Worten zur Einigkeit auf. "Wir sind die Seleccion, wir repräsentieren das spanische Wappen, die Farben, die Fans, das Land. Die Verantwortung und die Verpflichtung sind mit euch und für euch. Gestern, heute und morgen, gemeinsam. #VamosEspana", twitterte der 32-Jährige Abwehrspieler von Real Madrid.

Nach Medienberichten haben Ramos und weitere Führungsspieler vergeblich versucht, Verbandschef Luis Rubiales davon abzuhalten, dass er Trainer Lopetegui vor die Tür setzt.

Xavi, Barcelona-Legende und mit Spanien Welt- (2010) und Europameister (2008), lobte den Funktionär für dessen Vorgehen. "Rubiales hat sehr gut reagiert", wurde Xavi in der Sportzeitung "Marca" zitiert. Den baldigen Real-Trainer kritisierte er hingegen scharf: "Die Entscheidung von Lopetegui war meiner Meinung nach unpassend, unerwartet und voreilig", erklärte der Weltstar, der nun in Katar bei Al-Sadd SC spielt.

Lopetegui hatte überraschend gehen müssen, da er mit der neuen Saison Chefcoach beim Champions-League-Sieger Real Madrid wird. Verbandschef Rubiales fühlte sich bei den Verhandlungen und beim Zeitpunkt der Veröffentlichung der prominenten Personalie übergangen. "Wir haben uns dazu gezwungen gesehen, ihn seines Amtes zu entheben", sagte der Funktionär am Mittwoch im Team-Quartier in Krasnodar.

Lopetegui hatte seinen Vertrag als Teamchef erst vor wenigen Wochen bis 2020 verlängert. Dann aber folgte der Rücktritt von Zinedine Zidane als Real-Betreuer, und der Champions-League-Sieger startete hinter dem Rücken des Nationalverbandes Verhandlungen mit dem Ex-Goalie, der schließlich von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machte.

Verbandschef Rubiales wurde von Lopetegui über den bevorstehenden Job-Wechsel erst fünf Minuten vor der offiziellen Veröffentlichung durch Real telefonisch informiert und reagierte darauf dementsprechend sauer. "Wir möchten Julen für alles danken, was er getan hat. Er hat viel dazu beigetragen, dass wir in Russland sind, aber wir fühlen uns verpflichtet, auf seine Dienste zu verzichten. Es muss eine Botschaft an alle RFEF-Mitarbeiter geben, und es gibt Verhaltensweisen, an die man sich halten muss", erklärte Rubiales.

Die Spieler hätten die Entscheidung der sofortigen Trennung "akzeptiert", sagte Rubiales. "Es ist ein harter Schlag, aber wir stehen zusammen, um nach vorne zu schauen." Der Präsident erhob schwere Vorwürfe gegen Real Madrid wegen der Vorgangsweise des spanischen Rekordmeisters. "Wir hatten überhaupt keine Information darüber. Julen hätte es lieber gehabt, wenn die Dinge anders gehandhabt worden wären."

Lopetegui hatte den Weltmeister von 2010 in den vergangenen knapp zwei Jahren sehr erfolgreich geführt und die WM-Qualifikation in einer Gruppe mit Italien problemlos geschafft. Von 20 Partien gewann Spanien unter dem 51-Jährigen 14 und spielte sechsmal unentschieden.

Lopetegui zeigte sich in einer ersten Stellungnahme nach seinem Rauswurf betroffen: "Ich bin sehr traurig", räumte Lopetegui am Mittwoch vor spanischen Journalisten mit ernster Miene auf dem Flughafen im russischen Krasnodar ein, kurz bevor er eine Maschine nach Moskau bestieg.

Von der Onlineausgabe der spanischen Fachzeitung "Marca" wurde der 51-Jährige zudem mit den Worten zitiert: "Ich hoffe, dass wir eine hervorragende Weltmeisterschaft spielen und dass wir gewinnen. Wir haben eine tolle Mannschaft und hoffentlich gewinnen wir diese WM." Von Moskau wollte Lopetegui noch am Mittwoch nach Madrid weiterfliegen.

(APA/dpa)

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