Quelle: ZAMG

EL-Aus für Salzburg nach Krimi gegen Marseille

04.05.2018 - 05:11
Valon Berisha bitter enttäuscht nach dem Ausscheiden gegen Marseille© APA (AFP)Valon Berisha bitter enttäuscht nach dem Ausscheiden gegen Marseille

Red Bull Salzburg hat den Einzug ins Finale der Europa League denkbar knapp verpasst. Die Elf von Trainer Marco Rose machte Donnerstagabend im Europa-League-Halbfinale gegen Olympique Marseille den 0:2-Rückstand nach dem Hinspiel wett, rettete sich mit einem 2:0 in die Verlängerung, kassierte da aber in der 116. Minute das entscheidende Gegentor. Marseille trifft im Finale auf Atletico Madrid.

Der eingewechselte Rolando traf in der Entscheidung für Marseille aus einem Eckball, der eigentlich keiner war. Nach einer torlosen ersten Spielhälfte hatte Österreichs Meister nach einem Sololauf von Amadou Haidara (53.) sowie einem Eigentor von Bouna Sarr (65.) ausgeglichen. Vor mit 29.520 Zuschauern ausverkauftem Haus in Wals-Siezenheim boten sich danach beiden Teams Chancen.

Die Wut und Enttäuschung über den Treffer machte sich bei Salzburg schon auf dem Spielfeld bemerkbar. Haidara sah noch Gelb-Rot, Coach Rose brachte seinen Unmut beim russischen Referee Sergej Karasew an. Salzburg verpasste somit die Chance, als erste österreichische Mannschaft seit Rapid 1996 (Cup der Cupsieger) in ein Europacup-Endspiel einzuziehen.

Am Anfang eines langen Abends stand Partystimmung. Stimmungsvoll ging es in der Red-Bull-Arena schon lange vor Anpfiff zu. "Lasst uns diese Saison mit dem Finale vergolden" richtete die Salzburger Anhängerschaft aus. Beim Einlauf der Teams machten sich dann die mitgereisten OM-Fans bemerkbar. Nachdem etliche Feuerwerkkörper abgebrannt worden waren, zogen dichte Rauchschwaden durch die Arena. Bei Salzburg stand Xaver Schlager im Unterschied zum Hinspiel wieder in der Startformation, Fredrik Gulbrandsen erhielt im Angriff den Vorzug vor Hwang Hee-chan. Bei Marseille fehlte der verletzte Stürmer Kostas Mitroglou, für ihn spielte Valere Germain.

Die ersten zehn Minuten gehörten Marseille. Ein Freistoß von Dimitri Payet sorgte für erste Torgefahr. Wie beim 1:0 im Hinspiel zirkelte der Kapitän der Franzosen den Ball in den Strafraum, wo Abwehr-Haudegen Adil Rami fast zur Stelle war (6.). Salzburg vermochte es nach einer ersten Abtastphase aber ebenfalls, Akzente nach vorne zu setzen. Munas Dabbur brachte Marseilles Schlussmann Yohann Pele mit einem Schuss in Verlegenheit, die Franzosen klärten gerade noch im Verbund (13.).

Die von Rose erhoffte frühe Führung blieb dennoch aus. Salzburg versuchte, die Abwehr der Franzosen über die Flanken aufzureißen. Marseille machte jedoch die Räume eng, spielte bei Ballgewinnen schnell nach vorne und bewies auch physische Robustheit. Bis zur Pause konnten die beiden Kontrahenten keine Möglichkeit mehr herausspielen.

Salzburg musste es wieder einmal in der zweiten Hälfte richten. Es war Marseille, das zunächst eine mögliche Vorentscheidung verpasste. Germain setzte Payet ein, erhielt den Ball wieder zurück und setzte den Volley knapp neben das Tor (49.). Mitten in der besten Phase der Franzosen verschaffte sich Salzburg aus einer Einzelaktion aber Luft. Haidara startete 40 Meter vor dem Tor ein Solo, ging an vier Gegnern vorbei und bezwang auch noch Pele. Der Startschuss zu einem Sturmlauf der Hausherren war gefallen.

Andre Ramalho versuchte es per Gewaltschuss (58.), ehe Dabbur per Ferse sein Glück nicht fand. Nach einer Lainer-Hereingabe traf der Israeli beim Versuch eines Kunstschusses seinen Standfuß (61.). Vier Minuten später lag der Ball endgültig im Gehäuse von Olympique. Rami klärte eine Haidara-Flanke vor die Beine von Schlager. Dessen Abschluss wäre zwar am Tor vorbeigegangen, Sarr lenkte den Ball aber ins eigene Tor. Der für Gulbrandsen eingewechselte Hwang hätte den Salzburger Dreifachschlag fast perfekt gemacht: Pele klärte einen Flachschuss des Südkoreaners zur Ecke (71.).

Marseille konnte jedoch zulegen und versuchte, Linie ins eigene Spiel zu bringen. Ein Kopfball von Florian Thauvin landete an die Lattenoberkante (73.), Alexander Walke wäre zur Stelle gewesen. Glück hatte Salzburg in der 86. Minute, als Thauvin Duje Caleta-Car im Strafraum klar an der Hand traf. Es war so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit für den Salzburg in Marseille verwehrten Elfmeter. In der Schlussminute ließ der eingewechselte Clinton Njie per Kopf eine Topchance für die Südfranzosen aus.

In der Verlängerung fand Caleta-Car nach einem Eckball seinen Meister in Pele, der den Kopfball des Kroaten mit einem Reflex entschärfte (99.). Dabbur schoss am langen Eck vorbei. Viele Zuschauer hielt es zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr auf den Sitzen. Als ein Elfmeterschießen im Raum stand, profitierte Marseille von einer Fehlentscheidung. Nach einem fälschlicherweise gegebenen Eckball für Olympique traf der eingewechselte Rolando entscheidend.

Salzburg-Trainer Marco Rose war nach dem Spiel "schwer enttäuscht". "Es tut mir unendlich leid für meine Jungs nach dieser unfassbaren Europa-League-Saison. Wir standen vor einem großen Ding. Es ist uns ein Stück weg weggepfiffen worden. Es stehen sechs, sieben Schiedsrichter draußen, was machen die. In der Bundesliga gleichen sich solche Dinge wieder aus. Jetzt haben wir in zwei Spielen solche Pfiffe bekommen. Wir hatten Möglichkeiten, vorher das Ding zu entscheiden. Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft."

Im Endspiel trifft Olympique Marseille am 16. Mai in Lyon auf Atletico Madrid, das am Donnerstag gegen Arsenal einen 1:0-Heimsieg feierte und sich damit nach dem glücklichen 1:1 im Hinspiel in London knapp durchsetzte. In Madrid erzielte Diego Costa kurz vor dem Pausenpfiff den entscheidenden Treffer für den spanischen Europa-League-Sieger von 2010 und 2012, der vor 65.000 Zuschauern viel offensiver und mutiger spielte als in der Vorwoche in London.

Auch ohne Trainer Diego Simeone, der nach seinem Ausraster im Hinspiel auf der Tribüne Platz nehmen musste, starteten die Gastgeber forsch in die Partie und hatten durch Costa die erste Chance, doch der Stürmer verfehlte knapp. Für Arsenal gab es den ersten Schock nach acht Minuten: Verteidiger Laurent Koscielny blieb im Rasen hängen und musste mit einer Trage vom Feld gebracht werden. Dem  Franzosen droht nach dem Vorfall ohne Fremdeinwirkung das WM-Aus, er erlitt offenbar einen Achillessehnenriss.

Nach Costas Treffer, den Griezmann mustergültig vorbereitete, spielte weiter hauptsächlich Atletico. Griezmann verpasste vor den Augen von Tennis-Star Rafael Nadal mit einem Freistoß das zweite Tor, von Arsenal kam trotz Rückstand zu wenig. Granit Xhaka versuchte es aus der Distanz (62.), doch der seit zwölf Heimspielen gegentorlose Jan Oblak war auch diesmal nicht zu überwinden.

Atletico Madrid beendete damit auch die internationale Karriere von Arsenals Trainer-Legende Arsene Wenger, der nach seiner 22. Saison bei den Londonern abtreten wird. Arsenal wird damit auch in der kommenden Champions-League-Saison nicht vertreten sein.

(APA/dpa)

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