Quelle: ZAMG

Schöttel über ÖFB-Spielidee: "Wollen flexibler werden"

19.03.2018 - 15:03
Peter Schöttel setzt auf taktische Vielfalt© APAPeter Schöttel setzt auf taktische Vielfalt

Das österreichische Fußball-Nationalteam startet am Freitag (20.45 Uhr/live ORF eins) mit einem Testspiel gegen Slowenien in Klagenfurt in das neue Länderspiel-Jahr. Sportliches Ziel ist der Gruppensieg in der neu eingeführten Nations League im Herbst. In Sachen Spielidee möchte man in Zukunft flexibler agieren, erklärte ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel im Gespräch mit der APA.

Die Rolle des obersten sportlichen Leiter des Landes hat sich gegenüber jener von Vorgänger Willi Ruttensteiner geändert. Schöttel ist dem Teamchef nicht mehr übergeordnet, er steht Franco Foda quasi als Supervisor zur Seite. Dafür laufen beim 50-jährigen Wiener auch alle anderen sportlichen Fäden des Verbandes zusammen. "Ich bin schon auch da um aufzuzeigen, dass der ÖFB nicht nur das A-Team ist", betonte Schöttel.

Der Ex-Internationale wird daher zwar beim Teamcamp in Klagenfurt sein. Den folgenden Test nächsten Dienstag (27. März) in Luxemburg lässt Schöttel aber aus, stehen doch neben der EM-Quali der U21 für die U17- und U19-Teams bei Männern und Frauen Eliterunden um EM-Teilnahmen an. Die U19-Auswahl, die in Dänemark antritt, hatte Schöttel bis zu seiner Beförderung im Herbst selbst betreut. Die männliche U17 hat in der Steiermark Heimvorteil.

Aushängeschild aber bleibt das A-Team. Schöttel bezeichnete den Jahresauftakt gegen Slowenien und Luxemburg als "nicht so leicht, wie viele glauben". Wichtig sei aber, dass das Kennenlernen zwischen Teamspielern und Neo-Coach Foda im Hinblick auf die Nations League und die EM-Quali im Jahr 2019 fortgesetzt wird, dass die Abläufe stimmen. "Damit wir dann in den wichtigen Quali-Spielen topvorbereitet sind."

Foda und seine Co-Trainer Thomas Kristl und Imre Szabics haben seit Amtsantritt im Jänner bereits mehr als 50 Spiele vor Ort beobachtet. Marcel Koller hatte mit Thomas Janeschitz nur einen Assistenten, dafür waren mehr Scouts für den ÖFB unterwegs. Schöttel gefällt die neue Konstellation. Das Ex-Trio von Sturm Graz sei ein eingespieltes Team. "Sie wissen genau, was Franco will, worauf geschaut wird. Das ist definitiv ein Vorteil." Als externer Spielbeobachter wurde vorerst nur Heimo Kump übernommen. Im Quali-Jahr 2019 wird aber wieder aufgestockt.

Kaderfragen klärten Foda und U21-Teamchef Werner Gregoritsch zuletzt bilateral. Ajax-Verteidiger Maximilian Wöber etwa wurde für das A-Team nominiert, Leipzig-Legionär Konrad Laimer verstärkt die U21, die in der EM-Quali am 27. März gegen Mazedonien antritt. Für die generelle Ausrichtung will Schöttel aber die Frequenz der Sitzungen mit allen neun ÖFB-Nationaltrainern (Herren, Frauen und Nachwuchs) erhöhen.

Bisher hat es in seiner Amtszeit aus Termingründen erst eine Trainersitzung Ende Jänner gegeben, die nächste folgt im April. Hauptthema war die Weiterentwicklung der gemeinsamen ÖFB-Spielidee. "Wir wollen aufbauend auf dem, was in den letzten Jahren erarbeitet worden ist, flexibler werden", erklärte Schöttel. "Dabei geht es nicht nur darum, im Spiel die Systeme zu verändern, sondern vor allem die Spielanlage zu ändern, variabel zu sein."

Das gilt sowohl für die A-Teams als auch den Unterbau. "Durchgängigkeit ist wichtig", meinte Schöttel. Gleichzeitig sollen die individuellen Gedanken der Trainer miteinbezogen werden. "Wir schauen, dass wir im Verband einheitlich auftreten - aber ohne, dass jeder exakt das gleiche macht." Je höher das Alter, umso mehr gehe es auch um Erfolg. Langfristig könnte das flexiblere taktische Konzept aber stärker in den Ausbildungsweg des ÖFB einfließen.

Dort will Schöttel in einem weiteren Punkt ansetzen: "Ich glaube, dass wir im körperlichen und athletischen Bereich zulegen müssen in der Ausbildung." Nur so könne man die vorhandene spielerische Qualität auf den Platz bringen und vor allem das Verletzungsrisiko minimieren. "Fußballerisch und taktisch sind wir im Bereich von 15 oder 16 Jahren schon sehr gut. Körperlich glaubt man aber bei fast jeder Bundeshymne, da spielen Kinder gegen Erwachsene. Wir sind im Schnitt wesentlich kleiner und zarter als die anderen."

Schöttel denkt darüber nach, das Athletiktraining in den Akademien vom Verband vorgeben zu lassen, wie das in anderen Ländern bereits der Fall ist. In einer Arbeitsgruppe sitzen zwei Sportwissenschafter, U17-Teamchef Rupert Marko (sportl. Leiter der Akademien) und er selbst. Aufgegriffen wurden darin auch die vergleichsweise "extrem vielen Verletzungen", die Nachwuchsspieler in Österreich laut Schöttel in ihrer Entwicklung hemmen.

Entscheidend sei, die jungen Kicker nicht zu überfordern. "Es geht nicht um die Trainingshäufigkeit in den Akademien, da sind wir auf Topniveau in Europa", meinte Schöttel. "Wir müssen über Inhalte nachdenken. Wir müssen aus der Fülle an Einheiten versuchen, mehr herauszubekommen."

Auch die Torhüterausbildung wird evaluiert. Man habe zwar gute Torhüter, zu Schöttels aktiver Zeit in den 1990er Jahren verfügte Österreich aber über mehrere Weltklasse-Keeper. "Die Dichte auf dem Niveau haben wir im Moment nicht", bestätigte der Sportdirektor. Einziger Legionär unter Fodas Schlussmännern ist derzeit Stammtorhüter Heinz Lindner von Grasshoppers Zürich.

Größer ist die Konkurrenz bei den Feldspielern. Im aktuellen ÖFB-Kader stehen mit Xaver Schlager (Salzburg) und Peter Zulj (Sturm Graz) dennoch zwei Neulinge aus der heimischen Bundesliga - laut Schöttel ein "wichtiges Signal" für alle dort tätigen Akteure. Schlager bescheinigte der frühere Rapid-Trainer "hohes Potenzial", Zulj hält er für einen "extrem interessanten Spieler mit seiner Spielweise".

Beide könnten gegen Slowenien und Luxemburg debütieren. "Ich hätte natürlich gerne, dass wir zweimal gewinnen", sagte Schöttel. "Weil die Gegner danach mit Russland (30. Mai) und Deutschland (2. Juni) ja nicht leichter werden." Dazu testet das ÖFB-Team am 10. Juni in Wien auch noch gegen Brasilien. Die Verhandlungen mit dem Rekordweltmeister wurden am Montag erfolgreich abgeschlossen.

Ein weiterer Debütant in den Partien gegen die Slowenen und die Luxemburger könnte Stefan Hierländer sein. Der Sturm-Graz-Kicker wurde statt des verletzten Marcel Sabitzer in den Kader berufen, wie der ÖFB am Montag bekannt gab. Sabitzer hatte am Sonntagabend beim 2:1-Heimsieg seines Clubs RB Leipzig über Bayern München einen Bänderriss im rechten äußeren Sprunggelenk erlitten.

(APA)

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