Quelle: ZAMG

Ex-Liefering-Coach Letsch wird Austria-Interimstrainer

27.02.2018 - 14:28
Thomas Letsch folgt auf Thorsten Fink© APAThomas Letsch folgt auf Thorsten Fink

Thomas Letsch soll der Wiener Austria die Saison retten. Der kriselnde Fußball-Bundesligist bestellte den Deutschen am Dienstag zum neuen Cheftrainer. Der 49-Jährige wird den Club vorerst bis Saisonende betreuen, gaben die Wiener am Dienstag bekannt. Am Vormittag absolvierte Letsch im Trainingszentrum in Steinbrunn bereits die erste Trainingseinheit, später folgte seine offizielle Präsentation.

Der frühere Liefering-Coach tritt die Nachfolge seines Landsmannes Thorsten Fink an, den die Austria nach einer sportlichen Talfahrt am Sonntag von ihren Aufgaben entbunden hatte. Den 2018 noch sieglosen Violetten fehlen nach zuletzt drei Niederlagen in Serie zwölf Punkte auf Tabellenplatz vier, der sicher zur Europacup-Teilnahme berechtigt. Im Cup sind die Favoritner ebenfalls bereits ausgeschieden.

Letsch hat Red-Bull-Vergangenheit. Der Schwabe heuerte 2012 bei der Akademie in Salzburg an, war dort sportlicher Leiter und für ein Jahr (2013/14) unter Roger Schmidt auch Co-Trainer der Kampfmannschaft. Von 2015 bis 2017 betreute Letsch den Zweitligisten FC Liefering, führte diesen im vergangenen Jahr hinter dem LASK zum Vizemeistertitel.

Es folgte ein glückloses Engagement beim deutschen Zweitligisten Erzgebirge Aue, das nach drei Niederlagen in drei Spielen im August wieder beendet war. Der ursprünglich bis 2020 abgeschossene Vertrag mit Aue musste für die neue Aufgabe bei der Austria aufgelöst werden.

Die Wiener präsentierten Letsch vorerst als Interimstrainer - als solcher hatte er im Dezember 2015 für zwei Ligaspiele auch bereits in Salzburg fungiert. Nach der Trennung von Peter Zeidler gab es für die Einsermannschaft der Bullen unter Letsch damals ein 0:0 in Mattersburg sowie einen 2:0-Heimsieg gegen Rapid.

Im Speisesaal des Trainingszentrums von Steinbrunn (Burgenland) präsentierte sich Letsch zum ersten Mal als Austria-Coach. "Für mich ist es eine Ehre, ich freue mich auf die Chance, diese spannende Aufgabe in Angriff zu nehmen", lautete sein erstes Statement. Zuvor hatte der Deutsche erstmals Bekanntschaft mit seinem neuen Team gemacht.

"Das Wichtigste ist mir - und das habe ich auch der Mannschaft gesagt -, dass wir eine hohe Intensität hineinbringen. Im Spiel und auch im Training. Das Tempo soll hoch sein. Ich will in dieser Woche sehen, dass jeder bereit ist, alles zu geben", erklärte Letsch. Der unter Vorgänger Thorsten Fink gepflegte, eher auf langsamen Spielaufbau setzende Stil dürfte ad acta gelegt werden. "Grundsätzlich haben wir verschiedene Ansätze, aber es geht nicht darum, alles umzukrempeln", sagte Letsch dazu.

Gegenpressing und schnelles Umschaltspiel soll die Austria unter ihm auszeichnen. "Die Qualität der Spieler ist absolut vorhanden." Dass er selbst in Österreich vornehmlich als der Philosophie von Red Bull Salzburg verschriebener Trainer bekannt ist, sei so nicht richtig. "Ich bin Thomas Letsch, nicht irgendwer von Red Bull. Ich stehe nicht für Red-Bull-Fußball, sondern für meinen Fußball, und den wollen wir jetzt in Wien sehen."

Am Samstag wartet als erste Aufgabe ein Heimspiel gegen den WAC. Den heuer noch sieglosen Favoritnern fehlen nach zuletzt drei Niederlagen in Serie zwölf Punkte auf Tabellenplatz vier, den Rapid innehat. Neun sind es auf den fünfplatzierten LASK. "Ich gehe mit Freude in diese zwölf Spiele, das ist ein Drittel der Saison. Wir wollen das Maximale herausholen", sagte Letsch zu seiner Herangehensweise an das Meisterschaftsfinish.

Darüber hinaus interessiere es ihn im Moment nicht, was nach Saisonende passiere. "Es war klar: Es geht um diese zwölf Spiele." Um das vom Verein ausgegebene Ziel, den Startplatz für die kommende Europa League, zu erreichen würden auch Faktoren hineinspielen, die die Austria nicht mehr beeinflussen könne. "Wir sollten nur auf uns schauen. Wenn wir versuchen, jedes Spiel zu gewinnen, können wir zumindest eine Basis schaffen."

In den Trainerstab aufrücken wird Roman Stary, den Letsch während seiner Tätigkeit als sportlicher Leiter der Salzburg-Akademie kennengelernt hat. Neben Fink hat auch dessen Assistenztrainer Sebastian Hahn den Club verlassen. Als Co-Trainer blieb Egbert Zimmermann. Letsch appellierte an alle im Verein: "Jeder Wechsel ist immer auch eine Chance, frischen Wind rein zu bekommen und anzupacken."

In die Kaderplanung für kommende Saison wird Letsch laut Franz Wohlfahrt eingebunden. Den seit fünf Jahren in Salzburg wohnenden Deutschen bezeichnete der Austria-Sportdirektor als "ideale Lösung. Er erfüllt alles, was wir uns vorgestellt haben. Er kennt den österreichischen Fußball und er kennt die Austria." Zur Trennung von Fink meinte Wohlfahrt: "Leider ist es im Fußball ein schmutziges Geschäft. Die Ziele, die wir uns für das Frühjahr gesetzt haben, wurden nicht erreicht. Die Leistungen waren dementsprechend."

Wohlfahrt wiederholte außerdem seine geäußerte Kritik an der Einstellung der Spieler. "Es geht darum, dass vor allem die Spieler sich verändern. Sonst wird es nicht besser werden", betonte der Ex-Teamtorhüter, der zuletzt den "Lifestyle" einiger Profis hinterfragt hatte. Letsch erklärte dazu knapp: "Dinge, die in der Vergangenheit waren, nehme ich zur Kenntnis, das will ich nicht werten. Wenn die Disziplin aber nicht vorhanden ist, kann ich sie auch am Spielfeld nicht erwarten."

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech