Quelle: ZAMG

Jürgen Melzer sensationell im Wien-Achtelfinale

22.10.2018 - 23:20
Jürgen Melzer überraschte mit Zweisatz-Sieg gegen Milos Raonic© APAJürgen Melzer überraschte mit Zweisatz-Sieg gegen Milos Raonic

Österreichs Tennis-Routinier Jürgen Melzer hat seine Einzel-Karriere am Montagabend um zumindest zwei bis drei Tage verlängert. Der 37-Jährige feierte beim Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle einen von den heimischen Fans umjubelten 7:6(6),7:5-Sieg gegen den Weltranglisten-22. Milos Raonic. Bei seinem Single-Showdown geht es für Melzer nun noch einmal gegen einen Top-Ten-Mann, Kevin Anderson.

Damit bekommt es Melzer am Mittwoch auch im Achtelfinale mit einem Aufschlag-Könner zu tun, der Südafrikaner hat aktuell aber auch spielerisch mehr zu bieten als Raonic. Der Kanadier war vor knapp zwei Jahren für rund zwei Monate gar Weltranglisten-Dritter, blickt aber auf ein seinen Ansprüchen nach eher durchwachsenes Jahr zurück. Nichtsdestotrotz kann das den Erfolg des Weltranglisten-426. aus Deutsch Wagram kaum schmälern.

"Jetzt ist es ein bisschen schwierig, da irgendwie Worte zu finden", sagte Melzer im ersten Sieger-Interview. "Ich habe es genossen, die Stimmung war unglaublich." Vom Spielerischen her sei es nicht das beste Match gewesen, er habe aber schnell bemerkt, dass bei Raonic abgesehen vom Aufschlag nicht viel funktioniert. "Es war unglaublich schön, noch einmal zu gewinnen. Das erste Tiebreak war wichtig. Man sieht, ich habe das Niveau noch, um da mitzuspielen."

Melzer hatte zu Beginn als Rückschläger kaum einen Auftrag und bei eigenem Aufschlag etwas Mühe. Nach dem 53-Sekunden-Game zum 3:3 witterte der Lokalmatador aber seine Chance und erarbeitete sich zwei Breakbälle zum 6:5. Es ging aber ins Tiebreak, in dem ein Doppelfehler des 27-jährigen Nordamerikaners Melzer ein Minibreak bescherte. Das gab dieser mit einem Vorhandfehler zwar wieder her, wenig später setzte Melzer aber seinen zweiten Satzball ins Feld.

Kritisch wurde es für den Niederösterreicher im zweiten Durchgang bei Breakball von Raonic zum 3:2, gerade da konterte Melzer aber mehrmals sehenswert. Besonders mit Stopps brachte er seinen Gegner des öfteren von der Grundlinie aus dem Konzept. Raonic streute immer mehr Fehler ein, vergab Chancen zum 4:3-Break und ließ Melzer damit weiter vorservieren. Der war immer besser auf Raonic' Service eingestellt und nutzte nach 98 Minuten den zweiten Matchball.

Der frühere Weltranglisten-Achte feierte damit ob der Umstände sicher einen seiner emotionalsten Erfolge. 2009 und 2010 hatte Melzer zwei seiner insgesamt fünf ATP-Titel in Wien geholt. Nach dieser Woche möchte er seine Laufbahn auf jeden Fall noch im Doppel fortsetzen, noch darf er aber im Single nun sogar gegen den aktuellen Weltranglisten-Achten auf eine weitere Überraschung hoffen.

Melzer wollte nichts von einer Siegesfeier wissen, er möchte auch den heurigen Finalisten von Wimbledon fordern. "Es wird ein ähnliches Match wie heute, da reicht aber so eine Leistung nicht. Da muss ich besser von hinten spielen." Und vielleicht könne er sein Einzel-Karriereende noch etwas nach hinten schieben. An das hat er gegen Raonic übrigens nicht gedacht. "Ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, dass es das letzte Match sein könnte."

Anderson hatte davor mit viel Mühe seine Auftakthürde genommen. Der 32-Jährige gewann als Nummer zwei gesetzt gegen den Georgier Nikolos Basilaschwili nach Matchball-Abwehr 4:6,7:6(6),6:3. Basilaschwili hatte Anfang Oktober das 500er-Turnier in Peking gewonnen und bewies gegen Anderson, warum er in der Wiener Stadthalle als gefährlicher Außenseiter galt. Der Favorit vermied im zweiten Satz gerade noch seine dritte Wien-Auftaktniederlage in Folge, erzwang im Tiebreak einen Entscheidungssatz, in dem ihm zum 4:3 das entscheidende Break gelang. Nach 2:12 Stunden hatte der Wimbledon-Finalist den Sieg in der Tasche.

Auch die vorangegangenen beiden Center-Court-Partien wurden erst in Satz drei entschieden. Der Kanadier Felix Auger-Aliassime, mit einer Wildcard ausgestattet und mit 18 Jahren und zwei Monaten der jüngste Spieler im Feld, unterlag dem Ungarn Marton Fucsovics noch nach 6:1-Führung. Auch der Kroate Borna Coric (6) drehte sein Match gegen Albert Ramos-Vinolas, und zwar zu einem 6:7(5),6:0,6:4. Weiter kam auch der russische "Lucky Loser" Andrej Rublew.

(APA)

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