Quelle: ZAMG

Weißhaidinger "mit blauem Auge" ins Diskus-EM-Finale

07.08.2018 - 13:27
Lukas Weißhaidinger blieb unter den eigenen Erwartungen© APALukas Weißhaidinger blieb unter den eigenen Erwartungen

Alle hat er davor gewarnt, dass die Qualifikation "keine g'mahte Wiese" ist, aber selbst wohl am wenigsten mit einem so knappen Hergang gerechnet. "Mit diesem Szenario habe ich mich überhaupt nicht auseinandergesetzt", gestand Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger nach nervenaufreibender EM-Quali in Berlin. Seine 62,26 m reichten nach Zitterpartie doch für das Finale der Top 12 am Mittwochabend.

"Das war aufreibend. Ein Olympiasieger ist ausgeschieden, ein Weltmeister hat sehr gewackelt und der Ex-Weltmeister und regierende Europameister ist ausgeschieden. Sagen wir, wir sind mit einem blauen Auge ins Finale gekommen", schnaufte Trainer Gregor Högler durch. "Ich habe nicht mehr damit gerechnet. Jetzt werde ich natürlich den Kopf aus der Schlinge ziehen morgen und speziell für meine Familie und die Fans noch alles geben, um mich von der besten Seite zu zeigen", versprach Weißhaidinger.

Erst nach den Werfern der Gruppe B stand der Finaleinzug fest. Weil insgesamt nur fünf Athleten die geforderten 64 m geschafft hatten, wurde das Feld auf zwölf aufgefüllt. Bester war der Schwede Daniel Stahl mit 67,07 m, Weißhaidinger stieg als Elfter auf.

Nicht mit dabei sind u.a. mit ungültigen Versuchen Rio-Olympiasieger Christoph Harting aus Deutschland, 2016-Europameister Piotr Malachowski aus Polen sowie der Pole Robert Urbanek (14.) und der Deutsche Daniel Jasinski (19.). Weltmeister Andrius Gudzius aus Litauen schaffte es wie Weißhaidinger erst im dritten Versuch. Mit dabei ist auch London-Olympiasieger Robert Harting, der das Brüderduell damit für sich entschied.

Das Einwerfen draußen und im Stadion sei noch recht locker und gut gegangen, mit dem ersten "in den Sand gesetzten" Quali-Wurf konnte er noch "ganz gut leben", erzählte Weißhaidinger. Doch kann er normalerweise auf so eine Situation reagieren, so lief es Dienstag wie auf einer schiefen Bahn. Der zweite landete bei knapp 60 m, die Weite des dritten reichte letztlich dann.

"Woran es genau gelegen ist, kann ich nicht sagen. Da bin ich selbst dran schuld. Ich habe mich super gefühlt. Ich war nicht nervös, habe mich gefreut auf den Wettkampf. Der Kreis war super, es ist ein super Stadion. Ich wollte am liebsten gestern schon werfen", hatten die Voraussetzungen für den 26-Jährigen gestimmt. "Im Finale will ich zeigen, was ich wirklich kann."

Wenn man sich das Finalfeld ansehe, stelle sich die Frage, wer könne jetzt noch draufpacken, meinte Högler. "Da sind einige, das muss man sagen, die müssen schon froh sein, dass sie im Finale sind. Stahl war imposant, aber jetzt lastet alles auf Daniel. Der hat vor zwei Wochen 69,11 m geworfen, heute hat er ganz locker geworfen, jetzt schauen wir uns an, wie er morgen reagiert. Wie leiwand es mit dem Druck ist."

Und Gudzius sei unsicher gewesen. "Ich habe ihn noch nie 60 m und links raus werfen gesehen. Müssen wir schauen, wie er das verkraftet", meinte Högler.

Die Favoriten bleiben für ihn dennoch Stahl und Gudzius, um Platz drei könnten alle anderen Finalisten mitwerfen. "Im Finale fängt es wieder bei null an." Man werde sich aber überlegen müssen, wie man außerhalb des Stadions einwerfe, denn das hatte vor der Quali gepasst, doch dann lief im Stadion alles anders. "Es bringt mir nichts, wenn er drüben weit wirft. Vielleicht werfen wir gar nicht ein und pressen dann drauf."

Respekt zeigte Högler vor Veteran Gerd Kanter. "Man hat gesehen, wer Chef ist. Kanter, Olympiasieger 2008, zehn Medaillen, der stellt sich hin, wirft genau 18 Zentimeter drüber. Er hat körperlich mit 39 Jahren sicher nicht die besten Karten, aber der macht es in der Birn", erklärte Högler, was es brauche, um souverän durch eine Quali zu kommen.

(APA)

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