Quelle: ZAMG

Thiem verpasste in Madrid ersten ATP-1000-Titel

13.05.2018 - 21:32
Thiem unterlag in zwei Sätzen© APA (AFP)Thiem unterlag in zwei Sätzen

Nichts ist es am Sonntag aus dem ersten ATP-Master-1000-Titel für Dominic Thiem geworden. Der Niederösterreicher war im zweiten Madrid-Endspiel en suite gegen einen stark agierenden Alexander Zverev chancenlos. Nach nur 78 Minuten hieß es 6:4,6:4 für den Weltranglisten-Dritten, der im Head-to-Head mit Thiem auf 2:4 verkürzte.

Wenige Stunden nachdem Alexander Peya im Doppel mit Nikola Mektic (CRO) triumphiert hatte, war Dominic Thiem vom "Double" für Österreich in der spanischen Hauptstadt weit entfernt. Dem 24-Jährige, der im Viertelfinale den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal ausgeschaltet und danach erstmals auch den Südafrikaner Kevin Anderson bezwungen hatte, gelang wie schon allen anderen Gegnern Zverevs kein Satzgewinn, nicht einmal ein Breakball.

Der 21-jährige Zverev war vor allem beim Service unantastbar für Thiem, der auch von seinen Grundschlägen her nicht an die Form der Vorrunden anschließen konnte. Der zweifache French-Open-Halbfinalist wird damit, trotz des neuerlichen Endspiels, eine Position verlieren und im Ranking auf Platz 8 zurückfallen. Er durfte sich mit 600 ATP-Punkten sowie einem Preisgeld von 583.725 Euro brutto trösten. Thiem und Zverev spielen kommende Woche in Rom.

Thiem blieb nur das neidlose Anerkennen der Stärke seines Freundes. "Gratuliere Sascha. Du hast ein tolles Turnier gespielt, hast keine Satz und kein Service abgegeben. Du hast es wirklich verdient", sagte Thiem in Richtung seines Bezwingers und dankte auch dem scheidenden, seit kurzem 80-jährigen Turnierdirektor Manolo Santana für seine Arbeit. Zu seiner Niederlage: "Es ist immer schwer, wenn man ein Finale verliert, aber ich habe hier zwei Finali in Folge erreicht. Ich fühle mich in Madrid wirklich wohl."

Zverev war beeindruckt von seiner Performance. "Das war auf jeden Fall eine meiner besten Wochen. Ich freue mich riesig, dass ich mein drittes Masters gewinnen konnte." Und er dachte auch an Thiem: "Es war auch ein unglaubliches Turnier für Dominic. Er hat gegen Rafa in Spanien gewonnen, ich freue mich für ihn." Und direkt an den Lichtenwörther gewandt: "Ich bin sicher, dass du in naher Zukunft mehrere dieser Events gewinnen wirst."

Das Finale hatte schon gar nicht nach dem Geschmack Thiems begonnen: Nach zwei Vorhandfehlern und einem Doppelfehler gab der Niederösterreicher gleich im ersten Game beim ersten und einzigen Breakball Zverevs seinen Aufschlag ab. Zverev agierte hingegen von Beginn an abgebrüht und war in seinen Aufschlagsspielen für Thiem unantastbar, nur drei Punkte in den ersten vier Servicegames Zverevs zeugen davon. Thiem konnte dem Deutschen sein Spiel überhaupt nicht aufzwingen, zu viele Vorhandfehler bzw. die sehr starke Aufschlagleistung des Gegners waren ein Grund dafür. Thiem steigerte sich bei 3:5 etwas, brachte sein Service zu Null durch und hatte plötzlich bei Aufschlag Zverev ein 0:30. Doch der Deutsche rettete sich mit starken ersten Aufschlagen und beim zweiten Satzball, zweiter Aufschlag verhalf ihm Thiem mit einem weiteren unerzwungenen Vorhandfehler zur 1:0-Satzführung nach 36 Minuten.

Satz zwei begann als Spiegelbild des ersten: Zverev bekam gleich im ersten Spiel einen Breakball, den er zum 1:0 nutzte. Beinahe wäre Thiem bei 15:40 im dritten Spiel schon mit Doppelbreak in Rückstand geraten, schaffte dann aber noch das 1:2. In der Folge war aber ein mit viel Selbstvertrauen ausgestatteter Zverev weiterhin bei seinem Aufschlag nicht zu knacken, Thiem fand im gesamten Spiel keinen Breakball vor. Zverev servierte sicher zu seinem bereits dritten Masters-1000-Titel nach Rom und Montreal (beide 2017) aus. In dieser Form zählt München-Sieger Zverev, der in Madrid ohne Satzverlust zum insgesamt bereits achten Titel kam, auch für Roland Garros zum engsten Favoritenkreis. Zunächst wird er aber erstmals als Titelverteidiger eines 1000er-Events nach Rom reisen.

Enttäuscht, aber gefasst nahm Dominic Thiem seine Final-Niederlage zur Kenntnis. Und er bestätigte den Eindruck, dass er am Sonntag nie richtig ins Spiel gekommen ist. "Das stimmt. Ich habe gleich im ersten Game mit Rückenwind das Break kassiert, das war der erste Schritt ins Desaster rein. Generell habe ich leider nicht an meine Leistungen von gestern und vorgestern anschließen können", so Thiem.

"Deshalb habe ich verdient verloren. Trotzdem nehme ich viel Gutes mit von der Woche", konstatierte der ab Montag Weltranglisten-Achte. Er habe wieder sehr gutes Tennis gespielt und sei sehr präsent am Platz gewesen. "Dass ich natürlich die Woche nicht als Sieger verlasse, ist sehr bitter, aber ich nehme mehr Gutes als Schlechtes mit."

Und immerhin hat er nun alle 600 Punkte aus dem Vorjahr verteidigt und auch den drohenden Rückfall aus den Top Ten verhindert. "Es ist nicht passiert, aber ich war knapp dran. Man muss auch sagen, ich hätte auch früher verlieren können. Coric hat auf den Satz (und das Match, Anm.) serviert. Wenn ich jetzt schon in Rom bin und 6:2,6:4 gegen Coric verloren hätte, darf ich mich auch nicht beschweren", gestand der Niederösterreicher. Grundsätzlich seien "zwei richtig gute Matches dabei" gewesen. "Natürlich sticht das gegen Rafa heraus und auch das gegen Anderson war sehr gut, heute war es wieder so wie in den ersten zwei Runden. Im Finale gegen einen Spieler wie Sascha reicht das halt nicht. Deshalb ist es mein Ziel, dass ich diese Leistungen ausbaue."

Thiem fliegt am Montag nach Rom "Sicher habe ich jetzt sehr viel Selbstvertrauen. Aber ich habe wieder eine erbärmliche Auslosung", stellte er lachend fest. "Aber ich freue mich darauf. Es ist wieder eine Möglichkeit, dass ich das mache, was ich hier nicht geschafft habe. Match für Match meine gute Leistung abzurufen. Mein Ziel ist es, dass ich das in Rom von der ersten Runde an mache."

Sein Bezwinger ist im Foro Italico nicht nur Titelverteidiger. Zverev ist seit Sonntag erst der fünfte aktive Spieler, der zumindest drei ATP-Masters-1000-Turniere gewonnen hat. An der Spitze liegt Rafael Nadal (31 Titel) vor Novak Djokovic (30), Roger Federer (27) und Andy Murray (14).

(APA)

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