Quelle: ZAMG

Doppler/Horst einen Sieg von Beach-WM-Medaille entfernt

05.08.2017 - 20:09
ÖVV-Duo ist am WM-Schlusstag noch dabei© APAÖVV-Duo ist am WM-Schlusstag noch dabei

Clemens Doppler/Alexander Horst haben ihren Erfolgslauf fortgesetzt und stehen als erstes österreichisches Team in der 20-jährigen Geschichte im Halbfinale einer Beach-Volleyball-WM. In der Runde der letzten acht bezwangen sie am Samstag in Wien die starken Polen Bartosz Losiak/Piotr Kantor 2:1 (-31,18,11). Ihre nächsten Gegner am Sonntag sind die Russen Wjatscheslaw Krasilnikow/Nikita Ljamin.

"Wenn man im Semifinale steht, will man eine Medaille, das ist jetzt das Ziel. Welche, ist mir jetzt nicht unbedingt egal, aber Hauptsache es wird irgendwie eine", sagte Horst nach dem gewonnenen Dreisatzkrimi gegen die heuer schon in drei World-Tour-Endspielen gestandenen Polen.

Mit dem Einzug ins Semifinale fixierten die EM-Dritten von 2014 den größten rot-weiß-roten Erfolg bei Weltmeisterschaften. Bis dato waren ihre und zwei weitere Viertelfinalteilnahmen von Doris und Stefanie Schwaiger 2009 und 2013 die Topresultate gewesen. Horst sprach von "unbeschreiblichen Emotionen", die man im mit 10.000 Fans erneut prall gefüllten Stadion durchgemacht habe. "Das Publikum ist ein Wahnsinn, es geht nicht mehr besser", so der Lokalmatador.

Das Duell mit ihren Trainingspartnern Losiak/Kantor, gegen die sie heuer bereits einmal klar verloren hatten, war vor allem im ersten Satz an Spannung kaum zu überbieten. Zunächst ließen Doppler/Horst acht Satzbälle ungenützt, ehe die Polen ihren fünften mit einem Netzroller-Aufschlag nach 40 Minuten Spielzeit zum 33:31 verwerteten.

Der zweite Durchgang ging nach leichten Vorteilen, dem nötigen Glück und einigen Fehlern der Polen sicher an das ÖVV-Duo. Diesmal saß der dritte Satzball zum 21:18. In der Entscheidung starten die Routiniers stark, gaben eine 8:3-Führung aber fast wieder aus der Hand. "Ich habe gedacht, wenn wir den verlieren, dann höre ich auf. Zum Glück haben wir gewonnen", meinte Doppler, der den zweiten Matchball zum 15:11 verwertet hatte.

In den entscheidenden Phasen spiele das enthusiastische Publikum eine "absolut tragende Rolle", bekräftigte Doppler. "Das ist motivierend, sie pushen uns bis zum Schluss, dass wir mutig sind und dann auch noch riskieren."

Mittlerweile habe sich auch die nötige Lockerheit eingestellt. "Wir haben bisher immer eine gute Tagesform. Man sieht, dass wir extremen Spaß haben beim Spielen und das macht die Lockerheit bei den Big Points aus, die man braucht, dass man gewinnt", erläuterte Doppler, der von den Polen permanent angespielt worden war, mit mehreren erfolgreichen Blocks und Assen aber auch einige Male die richtige Antwort parat hatte. "Wir haben das gut gemeistert, das macht mich sehr stolz."

Auch gegen die als Nummer sechs gesetzten Russen sei man "natürlich" Außenseiter. "Ich denke, wir sind nicht die Nummer, die da gewinnen muss oder soll, von der Papierform her", sagte Doppler, schränkte aber ein. "Wenn man sieht, welche Mannschaften da schon ausgeschieden sind, was bedeutet das schon." Deshalb rechne er sich natürlich etwas aus. "Es ist alles möglich. Wenn wir wieder so gut spielen, haben wir eine Chance. Wir sind hungrig auf mehr, das Sommermärchen soll weitergehen."

Ihre Halbfinalkontrahenten Krasilnikow/Ljamin warfen die US-Mitfavoriten Phil Dalhausser/Nick Lucena überraschend glatt mit 2:0 aus dem Bewerb. Gegen die erst seit heuer zusammenspielenden Sieger von zwei kleineren World-Tour-Turnieren haben die Österreicher eine 1:1-Bilanz. Anfang Juni in Moskau gab es eine glatte Niederlage, wenige Wochen später beim CEV-Masters in Baden gewann das ÖVV-Duo im Halbfinale.

Das zweite WM-Semifinale bestreiten die Brasilianer Evandro/Andre Loyola und das niederländische Wildcard-Überraschungsteam Christiaan Varenhorst/Maarten van Garderen.

Bei den Damen haben sich die Deutschen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst ein Jahr nach ihren Titeln bei den Europameisterschaften und Olympia auch WM-Gold gesichert. Die als Nummer vier gesetzten Hamburgerinnen jubelten nach einem 2:1 (-19,13,9) im Finale gegen das US-Duo Lauren Fendrick/April Ross über ihre erste WM-Medaille bzw. die erste Goldene für ihr Land bei den Damen.

Dabei hatten sie wegen Schulterverletzungen in dieser Saison erst drei Turniere spielen können und dabei nicht besonders erfolgreich abgeschnitten. Auf der Donauinsel zeigten sie sich die zweifachen Europameisterinnen aber wieder von ihrer besten Seite und geigten auch im Endspiel gegen Ex-Weltmeisterin Ross und ihre neue Partnerin Fendrick nach Satzrückstand groß auf.

"Es ist unbeschreiblich, wir hatten mit viel Problemen zu kämpfen und einfach daran geglaubt, dass wir wieder gutes Beach-Volleyball zeigen können", sagte die vierfache Europameisterin Ludwig. Auch ihre Partnerin sprach die Verletzungsprobleme an. "Es war ein wahnsinnig hartes Spiel und ein verdammt hartes Turnier. Es war eine Riesenkopfarbeit, wir sind nicht 100 Prozent fit, dass es trotzdem für ganz oben gereicht hat, ist unglaublich", betonte Walkenhorst.

Während das Duo die zweite deutsche Damen-WM-Medaille nach Silber von Karla Borger/Britta Büthe 2013 bejubelte, verpassten die beiden 35-jährigen Ross/Fendrick das fünfte Gold für US-Amerikanerinnen. Ross hatte 2009 mit Jennifer Kessy den bisher letzten US-Titel geholt. "Es ist hart zu verlieren, aber es war unglaublich, im Finale zu stehen. Wir hätten ein bisschen besser spielen können, sie waren heute einfach besser", bedauerte Fendrick.

Davor hatten sich die Brasilianerinnen Larissa/Talita mit einem 2:1 gegen Sarah Pavan/Melissa Humana-Paredes aus Kanada Bronze geholt. Die Topfavoriten sorgten mit Platz drei dafür, dass Brasiliens Damen auch im elften WM-Turnier zumindest eine Medaille verbuchen konnten. Für Larissa/Talita ist erste gemeinsame WM-Medaille, mit anderen Partnerinnen hatten Larissa (4) und Talita (1) bereits fünf weitere geholt. Stefanie Schwaiger/Katharina Schützenhöfer waren als letzte Österreicherinnen bereits am Mittwoch im Sechzehntelfinale ausgeschieden.

Bis einschließlich Samstag wurden auf dem Veranstaltungsgelände 152.900 Besucher gezählt. Am vorletzten Tag wurde mit 25.700 ein neuer Spitzenwert verzeichnet.

(APA)

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