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Interviews

Christoph Waltz: "Ich bin furchtbar im Improvisieren"

25.10.2017 - 11:13
Im Gartenbaukino sprach Waltz über Gott und die Welt© APA (Hochmuth)Im Gartenbaukino sprach Waltz über Gott und die Welt

Christoph Waltz ist schlagfertig. Das hat der österreichische Hollywoodstar bei der ihm gewidmeten Viennale-Gala am Dienstagabend im Wiener Gartenbaukino unter Beweis gestellt. Dass das im Umkehrschluss bedeutet, dass er seine Rollen recht frei anlege, stellte er aber in Abrede. "Ich bin furchtbar im Improvisieren", betonte Waltz. "Ganz schlecht, ich hasse es!" Seinen Fans dürfte es einerlei sein.

Seit seiner Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino und den beiden Oscars für "Inglourious Basterds" sowie "Django Unchained" ist Waltz ein Weltstar. Das merkt man einerseits an den Filmen, die der gebürtige Wiener seitdem gedreht hat. Man merkte es aber auch bei der Stippvisite in seiner alten Heimat: Schon lange vor seinem Eintreffen bildete sich vor dem Red Carpet eine ansehnliche Menschentraube - Fans wie Journalisten warteten auf den diesjährigen Stargast des Filmfestivals. Und er sollte sie nicht enttäuschen.

Nachdem er etliche Autogrammwünsche und Interviewfragen beantwortet hatte, ging es ins Kino zur Aufführung von Roman Polanskis "Carnage" (Der Gott des Gemetzels), später stand noch "Downsizing" von Alexander Payne am Programm. Dazwischen sprach Waltz mit Gabriele Flossmann und APA-Chefredakteur Michael Lang gewissermaßen über Gott und die Welt - vor allem aber natürlich seine Karriere. Durch den Erfolg habe er eine "bestimmte Sicherheit" bekommen. "Natürlich braucht man Bestätigung", so der 61-Jährige. "Ich schätze die Selbstsicherheit, zu der mir das verholfen hat. Und sicher ist auch, dass ich sie nicht missbrauche, dafür bin ich schon zu alt."

Angefangen hat alles für Waltz unter anderem am Theater, wobei sich die Begeisterung für diese Sparte eher in Grenzen hielt. "Es drängt mich nicht wirklich ins Theater. Ich habe es gern gemacht und meine Lehrjahre absolviert, aber mein Hauptinteresse galt immer dem Medium Film." Hier tritt er aktuell nicht nur als Darsteller in Erscheinung, "Georgetown" ist sein Regiedebüt für die große Leinwand betitelt. "Wir haben vor vier Wochen aufgehört zu drehen, jetzt sichte ich das Material. Aber es ist noch nicht ganz klar, welcher Film das wird", schmunzelte Waltz.

Klar zeichnen sich für ihn hingegen seine Rollen ab, ist der Schauspieler doch ein Verfechter des Drehbuchs. "Es zu schreiben ist eine große Kunst, eine schwierige und komplexe Aufgabe. Ich matschker gern, aber nehme keinen Einfluss. Ich grätsche nicht gerne in die Kunst anderer hinein." Folglich sei er auch als Regisseur dementsprechend "gnadenlos", wie er lachend anmerkte. "Steht es drin? Nein? Dann brauchst du es auch nicht zu sagen!", lautet sein Motto.

Was seine Rollenauswahl betrifft, will sich Waltz nicht einschränken lassen. "Ich will nichts von vornherein ablehnen. Man kann nur gut sein, wenn man richtig ist." So gebe es aus seiner Sicht für jeden eine Rolle, in der er gut ist. "Und auch für jeden eine Rolle, in der er brillant ist. Insofern tut Typecasting dem Schauspieler mehr einen Gefallen als Schaden." Nur wiederholen dürfe man sich nicht, "dann wird's fad". Für ihn gelte aber: "Mich zwingt keiner zu nix, und ich will nicht zweimal dasselbe machen."

Seine "Staatsbürgerpflicht" war wiederum bei der Nationalratswahl gefragt, habe er doch "selbstverständlich" seine Stimme abgegeben. Und das Ergebnis? "Ich habe es nicht für unbefürchtbar gehalten", meinte Waltz, der sich selbst einen Gang in die Politik keinesfalls vorstellen kann. Auch eine Rückkehr nach Österreich angesichts der politischen Verhältnisse in den USA steht für den in Kalifornien lebenden Waltz derzeit nicht zur Debatte. "Ich kann mir viel vorstellen. Aber im Moment habe ich noch genug Widerstandskräfte, es fordert mich nachgerade heraus."

Dass ein US-Präsident Donald Trump möglich wurde, habe seiner Meinung nach damit zu tun, dass sich "Mehrheiten verschieben". Es greife aber zu kurz, dieses Phänomen nur auf die sogenannten "Flyovers", also jene eher konservativen Staaten zwischen West- und Ostküste zu schieben. "Ich fürchte, es ist komplizierter und auch schlimmer als zu sagen: die Deppen in der Mitte." Trump kam bei Waltz auch in anderem Zusammenhang kurz zur Sprache, als der Sexskandal um Filmproduzent Harvey Weinstein indirekt aufs Tapet gebracht wurde. Es sei "Zeit für einen neuen Standard, der eingeführt wird. Das versteht sich fast von selbst, muss aber quer durch die Reihen gelten."

Und was hält Waltz davon, dass er auf YouTube schon mal als Sexsymbol inszeniert wird? "Is' wahr?", kommentierte er das und sorgte, wie so oft an diesem Abend, für Lacher im Publikum. "Ich höre das jetzt zum ersten Mal. Im Moment fühlt es sich ganz gut an." Um die Inhalte, die auf der Plattform herumschwirren und populär sind, macht der Schauspieler eher einen Bogen. "Ich kümmere mich nicht darum, ich bin Gottlob beschäftigt. Aber die tanzenden Wachsoldaten vorm Buckingham Palace , so was schaue ich mir an. Oder den letzten Clip der Minions."

(APA)

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