Quelle: ZAMG

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Die Windsors und ihre deutschen Wurzeln

03.03.2011 - 09:58
Auch Queen Elizabeth II hat deutsche Vorfahren© APA (epa)Auch Queen Elizabeth II hat deutsche Vorfahren

Das britische Königshaus ist - historisch betrachtet - durch und durch deutsch. Die Heiratspolitik des Adels hat Männer und Frauen aus allen Gegenden Deutschlands nach London gebracht. Heute wollen die Windsors davon nicht mehr viel wissen.

Deutschland hat die Monarchie längst abgeschafft. Dafür ist der britische Hof so deutsch, wie nur wenige andere europäische Königshäuser. 1917 - mitten im Ersten Weltkrieg - wurden unter König Georg V. verschämt die Familiennamen und die Thronfolge geändert. Damit es bloß nicht zu deutsch wird bei den Royals. Gleich vier Adelsgeschlechter aus Old Germany haben bei den Windsors ihre Finger im Spiel, die britischen Historiker sprechen von drei "Invasionen" des deutschen Adels auf der Insel.

- Haus Sachsen-Coburg-Gotha:

Das kleine Herzogtum im fränkisch-thüringischen Grenzland hatte im 19. Jahrhundert durch geschickte Heiratspolitik ansehnlichen Einfluss in Europa gewonnen. Der Coburger Prinz Albert wurde schließlich 1840 mit seiner Cousine, Queen Victoria, verbandelt. Der stattliche und kluge Prinzgemahl aus Deutschland wurde vielleicht zum ersten großen Star der britischen Monarchie, er errang großes Ansehen bei den Briten. Nicht nur die nach ihm benannte Royal Albert Hall und ein Denkmal im Hyde Park zeugen noch heute von seinem Ruhm.

Prinz Albert organisierte die erste Weltausstellung 1851 in London und reformierte Verwaltung und Architektur im Königreich. Seine Frau Victoria trauerte nach seinem frühen Tod im Alter von nur 42 Jahren jahrelang. Alberts Geburtsschloss Rosenau im Coburger Land wurde zum Lieblingsort der Ur-Urgroßmutter von Queen Elizabeth II.. Victorias Sohn wurde als Edward VII. erster britischer König der Linie Sachsen-Coburg. 1917 wurde der Hausname gestrichen und in Windsor geändert.

- Haus Hannover:

Die Hannoveraner sind in Großbritannien schon seit 1714 aktiv. Die Welfen folgten der Stuart-Dynastie auf dem Thron. Die Könige Georg I., Georg II., Georg III., Georg IV. sowie Wilhelm IV. regierten das Empire in Personalunion mit dem Kurfürstentum Hannover. Dann wurde der Nachwuchs knapp. Es kam schließlich eine Nichte von Georg III. auf den Thron - Königin Victoria. Sie entstammte der im Odenwald geschlossenen Ehe von Prinz Eduard August von Kent und der verwitweten Herzogin Victoria von Leiningen.

Mit nur 18 Jahren bestieg Victoria mangels männlicher Konkurrenz den Thron. Nach dem disziplinlosen Georg III. und dem vulgären Wilhelm IV. wurde die junge Königin vom Volk umjubelt. Victoria machte als erste Monarchin den Buckingham Palast zum Sitz des Regenten. Sie war die erste britische Königin, die auch Kaiserin von Indien war. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. war ihr Enkel.

Königin von Hannover durfte sie nicht werden, weil dort Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen waren. Das gilt auch andersherum für das schlagzeilenträchtige heutige Oberhaupt des Adelshauses Hannover, Erbprinz Ernst August. Er könnte selbst dann nicht König von Großbritannien werden, wenn alle vor ihm in der Thronfolge stehenden Kandidaten sterben würden. Seine Ehe mit der katholischen Prinzessin Caroline von Monaco schließt dies aus.

- Haus Battenberg:

Aus dem hessischen Landadel stammt Prinz Philip, der Mann von Queen Elizabeth II. und Großvater der Prinzen William und Harry. Auch dieser Name erschien den Briten im Ersten Weltkrieg zu deutsch. Man übersetzte ihn schlicht: Er lautet jetzt Mountbatten. Der Vorschlag "Battenhill" wurde von der Familie abgelehnt. Prinz Philips Mutter, Alice, war eine geborene von Battenberg, die nach Griechenland geheiratet hatte. Mountbatten-Windsor ist heute der offizieller Familienname der Royals. Der Name wird aber kaum genutzt. Als Prinz William etwa seinen Universitätsabschluss in Schottland feierte, wurde er mit dem Familiennamen "Wales" zum Abholen seiner Urkunde aufgerufen.

- Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg:

Dem norddeutschen Herzogtum, einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg, entstammt Prinz Philip väterlicherseits. Das Haus Schleswig ist eng mit dem dänischen Königshaus verwandt. Wie stark die europäischen Adelsgeschlechter miteinander verbandelt sind, zeigt auch dieses vergleichsweise kleine Herzogtum. Prinzessin Viktoria Adelheid heiratete 1905 den britischen Prinzen Carl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha, einen Enkel von Queen Victoria - und späteren Nationalsozialisten.

(APA/dpa)

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