Ein Fettnäpfchen-Magnet als Ehemann, einen Kauz als ältesten Sohn, Pech bei den Schwiegertöchtern: Die Queen hat es mit ihrer Familie nicht immer leicht. Dabei ist deren Zusammenhalt für sie das Wichtigste. Zum Glück ist da Enkel "Prinz Charming".
Familienbewusstsein ist Queen Elizabeth II. in die Wiege gelegt worden. Ihre eigene Mutter, die "Queen Mum", hat das Bild der Königsfamilie als festgefügt und Vorbild für die Nation sozusagen erfunden und medienwirksam umgesetzt. Schon als kleines Mädchen posierte Elizabeth mit den lieben Verwandten einträchtig für die Kameras. Die Strategie ihrer Mutter verfolgte sie als Königin selber weiter. Eine Weile ging das gut - doch dann kam plötzlich so viel Gegenwind, dass das Hause Windsor wackelte. Enkelsohn Prinz William scheint nun die rettende Harmonie zurückzubringen. Die Problemfelder der Queen:
Das Ausmaß des Skandals um die Ehe ihres ältesten Sohnes Prinz Charles mit Prinzessin Diana sucht in den vergangenen Jahrzehnten seinesgleichen. Ursprünglich schien die blutjunge Diana die perfekte Frau für den Thronfolger - auch in den Augen der Queen und Charles' Vater Prinz Philip. Im Dezember 1992 wurde nach mehr als 10 Jahren die Trennung bekannt gegeben, eine Schlammschlacht in den Medien begann.
Details über Dianas angeblich albtraumhaftes Leben unter den Royals und ihre Affären schmückten fast täglich die Boulevardblätter. Kaum vorstellbar, was in Elizabeth vorgegangen sein muss, als eine Nachricht ihres Sohnes an seine Liebste Camilla Parker-Bowles ans Tageslicht kam: Seinen Aussagen zufolge wolle er "ihr Tampon wolle er sein und in ihrem Höschen leben". Als Diana 1997 bei einem Autounfall ums Leben kam und das Volk in kollektive Trauer fiel, wurde der Queen endgültig Kälte und Herzlosigkeit vorgeworfen. Schließlich musste sie handeln. In einer beispiellosen Aktion hielt sie eine Ansprache zum Tod Dianas. Der Tiefpunkt war erreicht, in den Jahren danach erholte sich ihr Ruf langsam wieder. Charles heiratete Camilla - und macht heute höchstens noch dadurch Sorgen, dass er beim Volk nicht so beliebt ist wie sein ältester Sohn Prinz William.
Prinz Andrew gilt als Lieblingssohn der Queen, angeblich verzeiht sie ihm alles. Toleranz ihm gegenüber tut allerdings auch Not. Ebenfalls 1992 - dem Jahr, das die Queen selber als Horrorjahr bezeichnete - ging seine Ehe mit Sarah "Fergie" Ferguson in die Brüche. Wenige Monate nach der Trennung tauchten Fotos auf, die "Fergie" oben ohne zeigten, mit einem Mann zu Füßen, der ihre Zehen küsste.
Doch auch um der gemeinsamen Töchter Beatrice und Eugenie willens unterstütze Andrew "Fergie" weiterhin. Sie war nach der Scheidung mehr oder weniger mittellos. Mutter, Vater und Töchter blieben in einem Haus wohnen. Andrew und "Fergie" produzieren weiterhin Skandale. Im Sommer 2011 trat Andrew von seinem Posten als Außenhandelsbeauftragter der britischen Regierung zurück. Zuvor hatte es negative Schlagzeilen gehagelt. Andrew soll statt Linienflügen für seine Reisen teure Privatjets und Hubschrauber genommen haben. Er pflegte angeblich Bekanntschaften mit Waffenschmugglern und dubiosen Milliardären, darunter der Geschäftsmann Jeffrey Epstein, der in den USA wegen Sex mit Minderjährigen verurteilt worden war.
"Fergies" jüngster Fehltritt: In einem Video war zu sehen, wie sie Kontakte zu Andrew für eine halbe Million Pfund (etwa 570.000 Euro) verkaufen wollte. Hinter dem Interessenten verbarg sich allerdings ein Journalist, die Sache flog auf, sie musste sich entschuldigen.
Prinzessin Anne, die einzige Tochter von Queen Elizabeth, hat der Regentin zumindest öffentlich kaum Sorgen bereitet. Ausnahme war das Jahr 1992. Im März ließ sie sich von ihrem ersten Mann, Mark Phillips, scheiden. Im Dezember heiratete sie Timothy Laurence.
Prinz Edward, der jüngste der Sohn der Queen war selber zwar immer recht brav, doch seine Frau Sophie Wessex sorgte 2001 für eine Krise. Sie fiel auf einen als Scheich verkleideten Reporter der Zeitung "News of the World" herein, der sich als möglicher Kunde ihrer PR-Firma ausgab. Ihre abfälligen Äußerungen über Prinzessin Diana, Prinz Charles, die Queen Mum und Premierminister Tony Blair wurden zum "Sophiegate"-Skandal.
In letzter Zeit ist es um Prinz Harry, den einst als "Party-Prinz" verschrienen Enkel der Queen ruhig geworden, doch einige Jugendsünden hat er vorzuweisen. Fotos von Trinkgelagen, Frauengeschichten und ein Auftritt im Nazi-Kostüm im Jahr 2005 gehören dazu.
Der Ehemann der Queen, Prinz Philip, gilt als größte Stütze der Queen, während ihrer 60 Jahre auf dem Thron soll er ihr stets den Rücken freigehalten und ihr Stärke gegeben haben. In der Öffentlichkeit allerdings wurde er auch für abfällige Bemerkungen auf Staatsreisen und unpassendes Verhalten bekannt. Den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnete er einmal als "Reichskanzler". Britische Studenten in China warnte er: "Wenn ihr noch länger hier bleibt, bekommt ihr auch Schlitzaugen."
Prinz William, der zweite der britischen Thronfolge, soll seiner Großmutter sehr ähnlich sein, die beiden bestens miteinander auskommen. Kein Wunder, denn gezeichnet von den Skandalen seiner Eltern, Onkel und Tanten hat William bislang so ziemlich alles richtig gemacht. Er gibt sich natürlich und wirkt sympathisch, Fehltritte sucht man bei ihm vergebens. Mit seiner makellosen Ehefrau Kate an der Seite könnte er in die Fußstapfen seiner Oma und Uroma treten und das öffentliche Bild der perfekten "Royal Family" wieder herstellen.
(APA/dpa)

17.7°C
14.8°C
14.0°C
11.1°C






