Quelle: ZAMG

Tiroler "Friedhof ohne Tote" wird erweitert

10.03.2011 - 10:00
Skurrile Grabinschriften am 'Friedhof ohne Tote'© APA (Robert Parigger)Skurrile Grabinschriften am 'Friedhof ohne Tote'

Der weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannte "Friedhof ohne Tote" in Kramsach im Unterinntal wird erweitert. Wie die Organisatoren am Mittwoch ankündigten, soll das Areal um 200.000 Euro um über 1.200 Quadratmeter vergrößert werden. Die oft skurrilen und wenig pietätvollen Inschriften locken jedes Jahr mehr als 200.000 Besucher in den Tiroler Ort.

"Hier ruht Franz Josef Matt, der sich zu Tod gesoffen hat. Herr gib ihm die ewige Ruh' und ein Gläsle Schnaps dazu" - So lautet etwa eine der Kreuzinschriften, oder "Aufigstiegn - obagfallen - hingwösen". Die Bauernmaler - "Tuifelemaler" genannt - waren bestrebt, das Leben des Verstorbenen in einem Zweizeiler zusammenzufassen. Das Ergebnis war dann häufig ein wenig charmanter Nachruf, wie etwa "Hier liegt Manfred Krug, der Kinder, Weib und Orgel schlug".

Solche Grabinschriften gibt es aber nicht nur im Alpenraum. Sie finden sich auch in Australien und Amerika. Aufs europäische Festland ist diese Strömung laut Historikern im 17. Jahrhundert von England her übergeschwappt.

Nach dem am Mittwoch erfolgten Spatenstich entsteht bis zum Herbst 2011 am Gelände der Sagzahnschmiede in Kramsach, das jährlich von über 200.000 Gästen besucht wird, auf über 1.200 Quadratmetern ein Arkadenhof mit Kapelle. In den Arkaden wird die historische Entwicklung der alpenländischen Grabdenkmäler dokumentiert. Der Plan für die Anlage stammt vom Salzburger Diözesanarchitekten Peter Schuh.

Für Vereinsobmann und Sagzahnschmied Hans Guggenberger geht mit dem Arkadenhof zum zehnjährigen Bestandsjubiläum des "Verein Museumsfriedhof Tirol" ein langer Wunsch in Erfüllung. Das derzeitige Freilichtmuseum mit den kuriosen und lustigen Grab- und Marterlsprüchen werde um einen ebenso wichtigen Teil, betreffend die historische Entwicklung alpenländischer Grabdenkmäler, erweitert, betonte er. Erstmals könnten die schönsten Sammelobjekte aus dem mittlerweile auf über 700 Grabkreuze aus fünf Jahrhunderten angewachsenen Depot der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der Museumsfriedhof Tirol ist untertags ganzjährig kostenlos zu besichtigen. Dies soll auch für den Erweiterungsbau der Fall sein.

INFO: http://www.museumsfriedhof.info

(APA)

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