Quelle: ZAMG

Gourmettour durch das Südburgenland

04.09.2012 - 10:12
Weinstöckl-Häuser im Kellerviertel Heiligenbrunn© APA (dpa/Christian Volbracht)Weinstöckl-Häuser im Kellerviertel Heiligenbrunn

Der Neusiedler See, Eisenstadt und der Seewinkel prägen das Bild vom Burgenland. Doch das ist der Norden des Bundeslandes. Es gibt noch den Süden, eine faszinierende, sich langsam öffnende Region im Grenzland zu Ungarn - mit besonderen kulinarischen Reizen.

Vor mehr als 20 Jahren ist der Eiserne Vorhang gefallen. Doch noch heute ist spürbar, dass sich hier einst eine fast undurchlässige Grenze befand. Plötzlich steht "Staatsgrenze" an der kurvigen Straße. Der Weg führt ein Stück durch Ungarn und dann wieder ins Burgenland. Die wechselvolle Geschichte des Gebiets drückt sich schon in den Ortsnamen aus. Deutsch-Ehrensdorf liegt neben Kroatisch-Ehrensdorf, wo Burgenlandkroatisch gesprochen wird, die geschützte Sprache einer Minderheit, deren Vorfahren einst in den Türkenkriegen aus Kroatien flohen.

1921 wurde das damalige Deutsch-Ungarn Teil Österreichs, der Name Burgenland stammt von drei ungarischen Provinzen, die auf "-burg"" endeten. Die hügelige Weinlandschaft liegt pittoresk in der Sonne. Typisch sind hier die Weinstöckl, kleine Kellerhäuschen am Kopf oder am Fuß der oft nur wenige Rebenreihen breiten Weingärten. Hier wächst vor allem die Rebsorte Blaufränkisch. Auf schiefer- und eisenhaltigen Lehmböden bringt sie würzige und mineralische Weine hervor, die oft sogar besser bewertet werden als die aus dem Norden des Burgenlandes.

Führend in dem Weinidylle genannten Gebiet sind sechs Winzer, die sich unter dem wenig idyllischen Namen "Sixpack-Winzer" zusammengeschlossen haben. Das klingt eher bierselig, aber die Weine sind vorzüglich, mit viel Charakter und Reife-Potenzial. Gute Cuvées kosten um die 15 Euro.

Für nur 1,50 Euro pro Liter verkauft jenseits der Grenze Lajos Garger seinen Wein, abgefüllt in Plastikflaschen. 86 Jahre ist Garger, heute hat er sechs Stunden bei glühender Hitze in den Reben gearbeitet. "Jeden Tag trinke ich einen halben Liter", sagt der Alte, "das hält gesund." Mit der geballten Hand im Rücken hält er das schmerzende Kreuz gerade.

Die Kontraste sind stark. "Vor 23 Jahren ist die Grenze gefallen", sagt die Wirtin im Restaurant "Ratschen" in Deutsch Schützen. "Aber es hat sich nicht viel geändert." Es kommen kaum Ausländer, auch aus Ungarn nicht, obwohl die 80 000-Einwohner-Stadt Szombathely (früher Steinamanger) kaum 20 Kilometer entfernt in der Ebene liegt. Auf dem Weg dorthin fühlt man sich Jahrzehnte zurückversetzt, die Trabis parken vor sauberen Häuschen. "Die haben das Arbeiten nicht so gelernt", sagt Winzer Erich Krutzler, "die waren beim Staat angestellt."

Auch die Burgenländer selbst haben noch nicht das ökonomische Gleichgewicht gefunden. Die meisten pendeln zur Arbeit nach Wien, genießen nur am Wochenende die Idylle daheim. Der Tourist kann die Stille nutzen, um Schlösser, Natur und Menschen zu entdecken. Zum Beispiel die Kellerstöckln von Heiligenbrunn. Die Häuschen dienten früher zur Weinlagerung und Reifung und als Schlafstelle für die Winzer. Heute sind einige der Gebäude mit den spitzen Dächern zu Häuschen für Urlauber umgebaut worden.

Im "Kellerviertel" stehen noch viele Stöckl mit Strohdach, weiße Häuschen, in denen der Uhudler ausgeschenkt wird. Helmut Kedl vom Kellerviertel-Verband hofft, dass das Gebiet von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wird. Der Uhudler ist ein Rosé-Wein, der nach Erdbeeren duftet. Nach Europäischem Recht ist es nur ein weinähnliches Getränk, weil die Rebsorte nie veredelt wurde. Einige Jahre lang war der Wein verboten, weil sich die Legende hielt, er enthalte zu viel Methanol und Fuselöle, mache "blind, narrisch und rabiat". Doch jetzt drängen sich wieder Tausende, wenn der "Sturm" genannte Jungwein beim Sturm-Fest ausgeschenkt wird.

Süßer als der etwas säuerliche Uhudler und fast unwiderstehlich sind die Konditorkünste von Aloisia, die in ihrer "Mehlspeis & Kaffeestub'n" in Badersdorf Hochzeitsgebäck und Kekse bereitet. Sie backte schon als Kind gemeinsam mit Familie und Freundinnen für Hochzeiten und machte dann später eine eigene Konditorei auf. Ansonsten ist die Küche im Südburgenland meist deftig - hier verdeckte der Eiserne Vorhang nur jahrhundertealte Verbindungen ins Nachbarland.

Klima und Reisezeit: Die beste Reisezeit für das Burgenland ist von Mai bis September.

INFO: Burgenland-Tourismus: http://www.burgenland.info

(APA/dpa)


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