Eine Fundgrube von ungewöhnlichen und irritierenden Objekten und Veranstaltungen im öffentlichen Raum - so lassen Martin Behr und Anita Fuchs den Betrachter des Fotobandes "Sapperlot! Steiermark spektakulär" die Steiermark erleben. Zwei Jahre haben die beiden Grazer Kunsthistoriker und Künstler das Bundesland bereist, um die visuellen Sonderlichkeiten aufzuspüren und fotografisch festzuhalten.
Erschienen ist der Bildband mit Essays im Verlag "Bibliothek der Provinz". Die Mariazeller Basilika in der Miniaturwelt im Vorgarten, das Riesenpizza-Objekt als Gastro-Hinweis am Straßenrand oder monströse Objekte, die auf touristische Ziele verweisen: Behr und Fuchs haben die versteckten Besonderheiten und Abseitigkeiten des Landes aufgespürt und in rund 450 Bildern festgehalten. Was die beiden in dem Bildband vorführen, umfasst auffällige, nicht alltägliche Kreationen in Gärten ebenso wie Sammlungen mit Hunderten gleichartigen Objekten in bis zum Rand vollen Garagen und Kellern: eine Motorensägen-Sammlung etwa, ein "kleines Sanitärmuseum" oder auch die sogenannte "Sammlung der verstoßenen Schätze" einer südsteirischen Familie.
"Die Steiermark ist reich an Menschen, die sich nicht mit der Normalität zufriedengeben ... die exorbitante Maschinen konstruieren, sich ihre eigenen Welten bauen, aus vielerlei Gründen liebgewordene Gegenstände horten, Sammlungen aufbauen und präsentieren, schnitzen, schweißen bemalen oder andere sichtbare Zeichen ihrer Eigenständigkeit setzten", so die Autoren. Der Band gibt vor allem ihren Werken eine Bühne - die Personen werden nicht vorgestellt, ihre Geschichten nicht erzählt.
Neues Licht wirft die Fotodokumentation auf neuartige Attraktionen, die sich regionale Tourismusverantwortliche einfallen lassen: Winzerumzüge, Apfelkorso, Narzissenfest, Sautrogrennen, eine Gemeinde, die sich einmal im Jahr zum "Osterhasendorf" verwandelt, bis hin zur Wahl der "Miss Geflügel". "Wenn man durch gewisse Gegenden bspw. der Steiermark fährt, könnte man den Gedanken bekommen, dass das Land als Vergnügungsplatz für die größeren Städte konzipiert wurde", so Günther Holler-Schuster. In seinem Essay "Der Käferbohnenbürgermeister war in Las Vegas" zieht er strukturelle Vergleiche mit der amerikanischen Unterhaltungsmetropole in Nevada und kommt zum Schluss, dass dort wie da "Kulissen des Glücks" entstanden sind.
INFO: "Sapperlot! - Steiermark spektakulär". Eine Fotoreise von Anita Fuchs und Martin Behr, mit Essays von Solveig Haring, Günther Holler-Schuster, Roswitha Orac-Stipperger und einem Interview mit Gerhard Roth, 278 Seiten, rund 460 Fotos, 20 Euro, Verlag Bibliothek der Provinz, ISBN 978-3-99028-027-0.
(APA)

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