Quelle: ZAMG

Wüstenschiffe erobern das Waldviertel

03.08.2011 - 10:30
Helmuth Burgsteiner mit seinen Kamelen© APAHelmuth Burgsteiner mit seinen Kamelen

Grüne Hügel, schmale Landstraßen, Wälder, Wiesen und verstreut liegende Bauernhöfe prägen das Bild des Waldviertels. Kühe, Pferde, Hühner und Schafe sind hier ein vertrauter Anblick. Rund um Gföhl schiebt sich allerdings etwas ins Bild, das auf den ersten Blick irritieren mag: Denn versteckt hinter einem Waldstück liegend haben drei Kamele und fünf Lamas hier vor vier Monaten eine Heimat gefunden.

Die drei "Wüstenschiffe" fühlen sich sichtlich wohl im oft eher unwirtlichen Waldviertel, wie ein Lokalaugenschein der APA ergab. Selbst tiefwinterliche Temperaturen seien für die Tiere kein Problem - sie können ihre Körpertemperatur auf bis zu acht Grad Celsius hinunterfahren und halten bis zu minus 40 Grad aus, erklärte "Kamelheimat"-Besitzer Helmut Burgsteiner.

Seine Liebe zu den Tieren begann schon im Kindesalter. Nach einem Wüstenrennen in Katar, an dem Burgsteiner 1995 mit einem Pferd teilnahm, wurde die Begeisterung für Kamele neu entfacht. Sechs Jahre später, 2001, kaufte er einem Zirkus schließlich die junge Kamelstute Khara ab. Drei Jahre später folgte Attila, ein weißer Hengst - "sie sind sehr, sehr selten, in der Mongolei tragen sie sogar blaue Bänder zur Wertschätzung" -, 2007 die Stute Takumi.

"Wir reiten mit den drei Tieren aus, machen Kameltrekking, Lamatrekking und es macht immer große Freude für Jung und Alt", erzählte der stolze Besitzer. Das Reiten funktioniere grundsätzlich wie bei Pferden, im Alter von drei Jahren kann man beginnen, die Tiere zu bereiten. Obwohl sie sich generell eher gemächlich bewegen - bei Kamelrennen werden Geschwindigkeiten von rund 20 km/h erreicht - sind Stürze keine Seltenheit. "Wer sagt, dass er noch nie hinuntergefallen ist, der lügt", meinte Burgsteiner. Kamele, eigentlich Trampeltiere genannt, seien nämlich wie Pferde Fluchttiere. "Sie merken sich alles, haben ein fotografisches Gedächtnis", erläuterte er, wenn aber am Weg plötzlich ein neuer Holzstoß auftauche, würden sie erschrecken und scheuen.

Prinzipiell sind die Tiere sehr auf den Menschen bezogen, stellte der Landwirt klar. Schmusestunden - auch mit den Lamas - seien keine Seltenheit, auch vor Fremden haben die Tiere wenig Scheu. Wer sie reizt, sollte aber aufpassen: Anders als Pferde können Kamele nämlich nicht nur nach hinten, sondern in alle Richtungen austreten. Das passiere aber höchst selten, beruhigte er.

Pro Woche erhält Burgsteiner ein bis zwei Anfragen von Interessierten. Viele "möchten einmal auf einem Trampeltier reiten", sagte er. Wer Erfahrung im Reiten hat, darf auch alleine ins Gelände, sonst werden bis zu dreistündige, geführte Touren in der Umgebung veranstaltet. Er selbst versuche, einmal täglich auf seinen Kamelen zu reiten - aufgrund der vielen anderen Tiere auf dem Hof aber eine zeitliche Herausforderung.

Neben den drei Trampeltieren und den fünf Lamas haben nämlich auch drei Hunde, zahlreiche Hühner und etwa 20 Ziegen ein Zuhause in der "Kamelheimat" gefunden. Letztere werden täglich händisch gemolken, neben der Ziegenmilch wird auch selbst gemachten Käse verschiedenster Sorten verkauft. Die Zahl der Tiere soll auch noch weiter wachsen - neben der eigenen Weiterzucht der Kamele und Ziegen soll der Bestand nämlich auch auf Schweine ausgeweitet werden. "Eine vom Aussterben bedrohte Rasse", wie Burgsteiner betonte. "Ziel ist ein Arche-Noah-Hof."

INFO: www.kamelheimat.at.

(APA)

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