Quelle: ZAMG

Russen fühlen sich in Österreich nicht mehr willkommen

25.11.2014 - 09:05
Sie waren die am schnellsten wachsende und kaufkräftigste Tourismusgruppe: die Russen. Doch im heurigen Winter werden nur noch wenige in Österreichs Skigebiete kommen.
Die Russen bleiben zu Hause© APA (epa)Die Russen bleiben zu Hause

Absolut gesehen, stellen sie im Österreichischen Tourismus nur eine verschwindende Minderheit. Nur rund zwei Prozent aller Touristen in den Alpen kommen aus Russland. Doch der subjektive und auch wirtschaftliche Eindruck, den Russen in Österreich hinterlassen, ist ein anderer.

Sie geben viel mehr Geld aus, als andere Touristen und die Urlaubsausgaben der Russen in Österreich steigen von Jahr zu Jahr weiter. Bis jetzt. Denn im Städtetourismus, im speziellen in Wien, ist ein deutlicher Rückgang russischer Urlauber längst zu bemerken. Und in den Skigebieten werden im Winter deutlich weniger Russen erwartet, als noch im Vorjahr.

Wie die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti" vor einigen Tagen auf Basis eines Interviews mit Maja Lomidze, der Geschäftsführerin der Assoziation russischer Reiseveranstalter, berichtete, sind die Urlaubsbuchungen russischer Reiseveranstalter um knapp die Hälfte eingebrochen. Und zwar nicht nur für Österreich sondern generell, doch das tröstet die heimische Tourismuswirtschaft wenig. Im Unterschied zu den Vorjahren, haben im August und September heuer fast überhaupt keine Frühbuchungen stattgefunden, ergänzt Lomidze.

Die miese Urlaubslaune der Russen hat mehrere Gründe. Zum einen spielen handfeste finanzielle Beweggründe eine Rolle, warum viele Russen den heurigen Winterurlaub ausfallen lassen werden. So hat der Rubel gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn um mehr ein Drittel nachgegeben – entsprechend teurer sind Auslandsurlaube für Russen innerhalb weniger Monate geworden. Im Oktober fiel der Rubelkurs gar um satte 12 Prozent zum Euro und kein Ende des Rubelverfalls ist in Sicht. „Früher war der Urlaub in Russland teuer und in Europa günstiger. Jetzt ist es in Russland teuer und in Europa sehr teuer", heißt es seitens des russischen Tourismusverbandes. Entsprechend steigt in Russland die Nachfrage nach innerrussischen Wintersportgebieten derzeit stark an.

In Österreich werden nach Ansicht von Experten sowohl Mittelklassehotels, wie auch das Luxussegment gleichermaßen betroffen sein – die Nachfrage sinkt in allen Sektoren deutlich. Laut dem russischen Meinungsforschungsinstitut IRG wollen 47 Prozent der Russen in nächster Zeit auf Reisen komplett verzichten. Speziell im sogenannten Jänner-Loch waren und sind Russen eine extrem wichtige Kundengruppe für den heimischen Wintertourismus. So machen Russen im Jänner in manchen Skigebieten 60 Prozent aller Gäste aus.

Doch auch der Ukraine-Konflikt und die von der EU verhängten Wirtschaftssanktionen zeigen unerwünschte Nebenwirkungen. Viele Russen fühlen sich einfach nicht mehr willkommen in Europa. „Das nährt den Patriotismus", meint Andreas Steibl, Chef des Tourismusverbandes Paznaun-Ischgl.

 (relevant Redaktion)

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