Quelle: ZAMG

Sevilla als Filmkulisse

08.01.2013 - 09:59
Diaz und Cruise in "Knight and Day"© APA (dpa/Hollywood Collection/FOX)Diaz und Cruise in "Knight and Day"

Hollywood-Regisseure scheinen Sevilla als Drehort für ihre Filme zu lieben. Zum einen wegen der vielen Sonnenstunden: Selbst im Winter herrschen hier oft Temperaturen bis zu 20 Grad, auch wenn es ab und zu regnet und nachts frisch werden kann. Aber auch, weil in kaum einer anderen Stadt die maurischen Einflüsse noch heute so sichtbar und die historischen Gebäude so gut erhalten sind.

Mal stellt Sevilla in Filmen das Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge dar, mal einen fernen Planeten, mal Kairo und mal einfach nur sich selbst.

- Star Wars Episode II: Nur 48 Sekunden dauert die Szene in "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger", die Regisseur George Lucas in Sevilla drehte. Aber diese 48 Sekunden reichten aus, um die Plaza de España weltweit bekannt zu machen. Im Film schreiten Senatorin Amidala (Natalie Portman) und Anakin Skywalker (Hayden Christensen) über eine Fußgängerbrücke und durch einen lichtdurchfluteten Säulengang, der in Wahrheit mitten in Sevilla steht. Genaugenommen am Rande des Parque de María Luisa. Ein Kanal und ein halbrunder Klinkerbau mit zwei Türmen umrahmen den Platz. Auch wenn das Gebäude im Film digital leicht verändert wurde, erinnert es mit seinen Säulen und Kuppeln und den Kachelornamenten auch in der Realität an eine ferne Welt.

- Der Diktator: In der Despoten-Parodie "Der Diktator" mit Sascha Baron Cohen wurde daraus sogar ein orientalischer Palast eines verrückten Diktators, der mit Spezialeffekten mitten in die Wüste eines fiktiven Staates versetzt wurde. Der sevillanische Architekt Ánibal González ließ die Plaza de España und den dazu gehörigen spanischen Pavillon zur Iberoamerikanischen Ausstellung 1929 errichten.

- Kingdom of Heaven: Deutlich öfter und länger als 48 Sekunden ist dagegen der Königspalast Real Alcázar im Monumentalfilm "Königreich der Himmel" zu sehen: In diesem königlichen Residenzpalast drehte Regisseur Ridley Scott alle Szenen, die im Palast des Königs von Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge spielen. Für die Dreharbeiten wurden die Innenhöfe und Räume des Prachtbaus im Herzen Sevillas aufwendig möbliert und mit Kerzen, Pflanzen und Vorhängen dekoriert. Im Film darbt hier Edward Norton als leprakranker König, und Orlando Bloom erobert als Balian von Ibelin im schummerigen Kerzenlicht das Herz der Prinzessin Sibylla (Eva Green). Auch ohne die Film-Ausstattung fühlt man sich bei einem Rundgang durch den Alcázar in einen orientalischen Palast aus 1001 Nacht versetzt. Denn obwohl den Palast erst der christliche König Peter I. von Kastilien im Jahr 1364 bauen ließ, gilt er als Kleinod maurischer Baukunst. Der Alcázar ist eines der am besten erhaltenen Bauwerke des sogenannten Mudéjar-Stils, der unter christlicher Herrschaft mit islamischen Einflüssen entstand.

- Lawrence von Arabien: Regisseur David Lean drehte große Teile seines Klassikers "Lawrence von Arabien" aus dem Jahr 1962 in Sevilla: So befindet sich der Offiziersclub nicht - wie im Film behauptet - in Kairo, sondern im spanischen Pavillon an der "Plaza de España". Dort, wo auch "Star Wars II" gedreht wurde. Der Innenhof des Offiziersclubs ist in Wahrheit der Innenhof des Luxushotels "Alfonso XIII.". Das Hotel wurde gerade aufwendig renoviert, ohne seinen opulenten Stil mit edlen Holzvertäfelungen, Marmor und schweren Polstermöbeln aufzugeben.

- Knight and Day: Ein mittelmäßiger Hollywood-Streifen mit Szenen aus Sevilla lief 2010 in den Kinos: die Action-Komödie "Knight und Day" mit Tom Cruise und Cameron Diaz. Sehr genau nahm es Regisseur James Mangold dabei nicht mit den Drehorten. So lebt der Gangsterboss im Film in einem wunderschönen Adelspalast, der Casa de Pilatos. Das Gebäude kann heute von Besuchern besichtigt werden. Auch hier zieren maurische Fliesen die Wände. Die Innenhöfe mit Brunnen, Arkaden und Säulengängen ähneln stark denen im Königlichen Alcázar. Bei einer wilden Verfolgungsjagd rasen die beiden Protagonisten auf einem Motorrad durch die engen Gassen der Innenstadt nahe der Kathedrale, unter anderem durch die Calle Placentines. Von dort aus lohnt sich ein Schaufensterbummel in Richtung der belebten Einkaufsstraßen Calle Tetuán und Calle Sierpes.

Im Film geraten die beiden Hauptdarsteller in eine Menschenmenge, die Stiere durch die Gassen treibt. Die berühmte Stierhatz findet in Wahrheit aber nicht im andalusischen Sevilla statt, sondern im nordspanischen Pamplona. Und auch als die Filmfiguren ihre Verfolger abhängen und über eine Brücke aus der Stadt brausen, stimmt das Raum-Zeit-Gefüge im Film nicht ganz: Plötzlich finden sich die beiden an einem idyllischen Fischerhafen an der Küste wieder.

Auch wenn Sevilla viel zu bieten hat, am Meer liegt die Stadt nicht. Wer Wasser sehen will, muss sich mit dem Fluss Guadalquivir begnügen. Oder nach Cádiz an der andalusischen Atlantikküste fahren - so wie Cameron Diaz und Tom Cruise im Film.

(APA/dpa)

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