Natürlich ginge es auch im Auto. Aber die Landschaft entlang des Douro zu erkunden, geht am besten auf einem Kreuzfahrtschiff. Es steuert durch das Dourotal, das zum Unesco-Welterbe gehört, vorbei an Landgütern und den Weinbergen, von denen der berühmte Port stammt.
Am Kai von Régua treten Uniformierte mit Blasinstrumenten an. Es ist Feuerwehrfest in dem portugiesischen Örtchen am Fluss Douro. Da werden auch gleich die Gäste des Flussschiffs "MS Douro Queen" mit einem Ständchen bedacht. Dass "Griechischer Wein" intoniert wird, irritiert die überwiegend deutschsprachigen Gäste an Bord kaum. Die Herzlichkeit der Portugiesen zählt. Die Freundlichkeit der Einwohner und die raue Schönheit der Gegend spricht sich langsam herum. Der Douro wird zum Trendziel bei Flusskreuzfahrten.
Die Fahrt beginnt mit einer Nacht an Bord in der Hafenstadt Porto am Atlantik. Vor prächtiger historischer Kulisse liegen neben den Schiffen der verschiedenen Veranstalter Kähne aus Holz. Sie werben für die Weingüter der Region. Einst brachten sie die Fässer mit dem berühmten Portwein zu den Kellereien von Porto. Von einigen Weingütern dauerte das tagelang.
Auf dem ersten Teil der Strecke ist das Ufer stark besiedelt. Orte mit Kleinindustrie werden passiert, aber auch malerisch verfallene Anwesen, vor denen rostige Kähne im Wasser dümpeln. Das Dourotal ist seit zehn Jahren Unesco-Weltkulturerbe. Hier reifen in der Glut des portugiesischen Sommers die Trauben für den Portwein, aber auch für andere gute Weine. Fünf Schleusen müssen auf der insgesamt 211 Kilometer langen Tour passiert werden: Die erste, Crestuma-Lever, ist schon nach wenigen Stunden erreicht.
Régua ist der erste Stopp der Flussschiffe. Nicht weit von hier liegt der 1745 erbaute Mateus Palast. Er gilt als schönstes Landhaus Portugals und gehört seit Generationen einer adligen Familie. Das Weingut, das auf dem Etikett abgebildet ist, stellt seit hunderten von Jahren edle Weine her - die Trauben für den Rosé werden inzwischen woanders angebaut.
Auf dem Weg nach Pinhão werden die Weinberge zahlreicher. Im Sommer zeichnen Rebreihen grüne Linien in die Hänge, im Herbst rote. In Pinhão ist ein berühmtes Weingut zu Hause: Sandemann. 2006 ist die Quinta, wie in Portugal ein Weingut heißt, auf den Hügeln über dem Douro neu errichtet worden. Besucher werden von einem charmanten Mitarbeiter empfangen, gekleidet wie der schwarzgewandete Don auf dem Etikett der Flaschen. Er sieht toll aus. Es gibt Portwein zu probieren.
Der Busfahrer hat die Serpentinen behutsam durchfahren und alle sind wieder heil an Bord. "Liebe Gäste, war das nicht schön?", fragt Reisebegleiterin Cideila. Nicken. Nun ist Mittagessen dran. Das Schiff verlässt in der Zwischenzeit das mittlere Dourotal. Hoch ragt der Schieferfels empor. Kurz nach der Schleuse Valeira macht der Fluss eine starke Biegung und schnürt auf 30 Meter zusammen.
Das Wasser des Douro glitzert in schönen Grüntönen, je nach Farbe des Himmels in mattem Moosgrün bis leuchtend Smaragd. Was besonders im Herbst ein schöner Kontrast ist zu dem bunten Weinlaub auf den Hängen und dem Gelb der Pappeln am Ufer. Am schönsten ist es auf dem Fluss im Frühsommer, wenn es schon warm ist, aber die Sommerglut noch nicht die Wiesen am Ufer strohfarben versengt hat.
Ein Höhepunkt auf der Reise bis zum Wendepunkt in Spanien ist ein Ausflug zur Universitätsstadt Salamanca - wegen ihrer überwiegend aus Sandstein errichteten Häuser Goldene Stadt genannt. Die Busfahrt führt vorbei an kargen Wiesen mit Olivenhainen, Stechginster und Steineichen. An den Häusern der wenigen kleinen Orte finden sich Gatter mit schwarzen iberischen Schweinen - aus ihnen wird der weltberühmte Schinken Jamon de Pata Negra gemacht.
Zurück an Bord gibt es Portugiesisches Barbecue, mit Sangria und dem frischen portugiesischen Weißwein Vinho Verde. Der Hafen Barca d'Alva ist der Wendepunkt der Reise. Nach der spanischen Grenze wird der Douro für Kreuzfahrtschiffe unpassierbar. Es gibt Höhengefälle bis zu 350 Metern. Nach einer Besichtigung des historischen Ortes Castelo Rodrigo, dessen Natursteinhäuser überwiegend aus dem 16. Jahrhundert stammen, geht es also flott wieder flussabwärts mit einigen Stopps Richtung Porto.
In Porto ist Zeit, die Altstadt zu erkunden, die zu den Weltkulturerbestätten gehört. Hier kann man noch mal Port kosten oder günstig Schuhe kaufen. Beim Kofferpacken wird es dann eng. Wie viele Flaschen Wein und Port darf man eigentlich mitnehmen? Ein letzter Blick fällt auf dem Weg zum Flieger auf die Gischt der hohen Atlantikwellen. Was für ein Kontrast zu den ruhigen, grünen Wassern des Douro.
(APA/dpa)

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