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Größtes Orgelmuseum der Welt im bayerischen Valley

23.12.2011 - 11:52
Die Orgel gilt als Königin der Musikinstrumente© APA (Georg Hochmuth)Die Orgel gilt als Königin der Musikinstrumente

Festliche Orgelklänge gehören zu Weihnachten wie das Amen zum Credo. Sixtus Lampl muss dazu nicht einmal aus dem Haus gehen. Er hat in seinem Alten Schloss Valley die Wahl zwischen 14 Orgeln. Und er besitzt noch weitaus mehr - die wahrscheinlich weltgrößte Sammlung.

An Weihnachten klingen Orgeln besonders festlich. Sixtus Lampl muss dazu nicht einmal aus dem Haus gehen. Er setzt sich einfach an eine seiner 14 bespielbaren Orgeln im Alten Schloss von Valley in Oberbayern und legt los. Der 70-Jährige sammelt Orgeln wie andere Menschen Bierkrüge. Und er hat eine Vision: "Ich will das bedeutendste Orgelmuseum der Welt schaffen." Die weltweit größte Sammlung von Kirchenorgeln hat er schon: 60 sind es derzeit.

Sixtus Lampl ist ein barocker Mensch. Jenes Zeitalter hat es ihm besonders angetan. Er holte verborgene Musikschätze des Barock aus bayerischen Klöstern und transkribierte die alten Handschriften in neue Notation. Als Kind schickten ihn die Eltern ins Internat der Benediktiner von Schäftlarn bei München. "Mit zwölf Jahren lernte ich bei den Mönchen das Orgelspiel", erinnert sich der leicht gebückt gehende promovierte Kunsthistoriker und Musikwissenschafter, "58 Jahre sind daraus geworden".

Der gebeugte Rücken kommt womöglich vom vielen Herumschlüpfen in alten Orgelgehäusen. Seit Jahrzehnten sammelt der pensionierte Oberkonservator beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ausrangierte Orgeln. Der Musikgeschmack der Organisten wollte es so, dass in den 1950er Jahren damit begonnen wurde, die romantisch klingenden Orgeln durch solche zu ersetzen, die den barocken Klang von einst wiedergeben. "Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ich als Barockmusikfreund die romantischen Orgeln retten muss."

Viele Kirchenverwaltungen wussten nicht, was sie mit den oft aus mehreren tausend Pfeifen bestehenden Orgeln anstellen sollten. Lampl überlegte nicht lange. Mit dem Lastwagen kam er angefahren, baute die Orgeln ab und lud die Einzelteile auf. "Nicht selten riefen mir die Kirchenmusiker hinterher, was ich mit dem alten Schrott wolle", erinnert sich der 70-Jährige. Bald waren es so viele Instrumente, dass Lampl Lagerräume anmieten musste.

1987 kauften er und seine Frau Inge das vom Verfall bedrohte Alte Schloss Valley und restaurierten das in der Region älteste erhaltene Profangebäude detailgetreu. Selbst die WC-Türen sind original. Hartnäckig kämpfte das kinderlose Ehepaar gegen behördliche Widerstände für einen Anbau, um die einsturzgefährdete Fassade retten zu können. Es erwarb eine alte in besonderer Bauweise errichtete Halle, trug Balken für Balken ab und stellte das Gebäude neben das Schloss. Denn Lampl brauchte mehr Platz für seine Orgeln. Die nach ihrem Konstrukteur benannte Zollingerhalle ist heute ein akustisch einzigartiger Konzertsaal, in dem sogar CD-Aufnahmen stattfinden.

In seinem Museum will Lampl neben der musikgeschichtlichen Bedeutung der Orgel auch deren hohen technischen Anteil zeigen. Ein Beispiel: "Die einstige Orgel der Wallfahrtskirche Gößweinstein weist 16 Kilometer Drähte zur elektromagnetischen Steuerung der 3.200 Pfeifen auf."

Zu jeder Orgel in seiner Sammlung weiß Lampl eine ausführliche Geschichte. Das älteste Instrument aus dem niederbayerischen Walpersdorf entstand ums Jahr 1700, "ist aber leider noch nicht wieder bespielbar". Die kleinste Orgel ist kaum größer als ein Kühlschrank und mit einem Alter von rund 50 Jahren ein "Youngster". Lampl plant zudem eine begehbare Orgel, in der die Besucher die komplizierte Technik der "Königin der Instrumente" studieren können.

Stolz ist er auf die große Orgel der Schröderstiftkirche in Hamburg, die eine Stirnseite der Zollingerhalle ausfüllt. Ihr gegenüber steht die Orgel der ehemaligen Jesuitenkirche in Heidelberg mit ihren bis zu fünf Meter hohen Pfeifen. "Sie ist an ihrem neuen Standort die größte Orgel im bayerischen Oberland", sagt der Sammler stolz. Im Lager schlummert auch noch die 1990 ausgemusterte riesige Orgel aus dem Münchner Liebfrauendom.

Lampl sammelt nicht nur Orgeln, er gibt auch welche her. "Wenn eine Kirchengemeinde anfragt und ich ein geeignetes Instrument habe, trenne ich mich gegen einen Obolus davon." Schließlich finanziert der 70-Jährige die Erfüllung seines Lebenstraumes ohne Zuschüsse vom Staat oder den Kirchen. Um den Bestand seiner einzigartige Sammlung zu sichern, hat Lampl die Stiftung "Altes Schloss Valley" in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründet. Zudem gibt es einen Förderverein, der Geld für das Museum sammelt.

Noch sind Führungen im Orgelzentrum nur nach Anmeldung möglich. Die Besucher können sich am Ende einer zweistündigen Reise in die Welt der Orgeln noch davon überzeugen, dass der Schlossherr auch Brauherr ist. Lampl lässt nach einem alten Rezept das "Valleyer Schloss-Zwickl" brauen, ein süffiges dunkles Bier, das nur bei ihm zu haben ist. Und passend zu seiner Liebhaberei hat er dafür einen besonderen Namen kreiert: "Eine Bierspezialität aus dem barocken Bayern".

INFO: Kultur- und Orgelzentrum: http://www.lampl-orgelzentrum.com

(APA/dpa)

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