Quelle: ZAMG

Attentäter tötete elf Menschen in Synagoge in Pittsburgh

27.10.2018 - 22:38
Spezialkräfte der Polizei waren im Einsatz© APA (AFP/Getty)Spezialkräfte der Polizei waren im Einsatz

Ein 46 Jahre alter Schütze hat am Samstag bei einem Attentat auf eine Synagoge in der US-Metropole Pittsburgh elf Menschen getötet. Das gab Wendell Hissrich, Direktor für Öffentliche Sicherheit bei der Stadt Pittsburgh, bekannt. Der Angriff hatte nach Angaben von US-Präsident Donald Trump einen antisemitischen Hintergrund. Es dürfe "keine Toleranz für den Antisemitismus" geben, so Trump.

Ein bewaffneter Mann hatte während einer Taufe in der Synagoge um sich geschossen. Der mutmaßliche Täter stellte sich und wurde festgenommen, wie ein Polizeisprecher sagte. Laut Medienberichten soll er bei seiner Festnahme "Alle Juden müssen sterben!" gerufen haben. Nach Informationen der Zeitung "Pittsburgh Post-Gazette" wurde der Mann ins Krankenhaus eingeliefert

Bei dem festgenommenen Mann soll es sich den Berichten zufolge um den 46-jährigen Robert B. handeln. Er ist mutmaßlich der Verfasser einer Serie von antisemitischen Botschaften, die in den Onlinenetzwerken veröffentlicht wurden - eine davon nur wenige Stunden vor dem Angriff auf die Synagoge.

Der Präsident der Jüdischen Föderation von Groß-Pittsburgh, Jeff Finkelstein, sagte im Sender CNN, er sei "sehr traurig". Die Tat hätte nicht geschehen dürfen. Der Jüdische Weltkongress (WJC) und Israels Premier Benjamin Netanyahu zeigten sich ebenfalls schockiert. Bei dem Vorfall handle es sich um einen "abscheulichen Terrorakt", sagte WJC-Präsident Ronald Lauder laut Mitteilung am Samstag in New York. "Das war ein Angriff nicht nur auf die jüdische Gemeinde, sondern auf ganz Amerika." Netanyahu sprach am Samstag von "schrecklicher antisemitischer Brutalität".

Bundeskanzler Sebastian Kurz und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verurteilten die Tat. "Ich trauere um die Toten von Pittsburgh, die offenbar Opfer von blindem antisemitischem Hass wurden", erklärte Merkel auf Twitter. "Wir alle müssen uns dem Antisemitismus entschlossen entgegenstellen - überall." Kurz erklärte: "Ich bin zutiefst schockiert über das abscheuliche antisemitische Verbrechen in Pittsburgh, das ich auf das Schärfste verurteile." Sein Mitgefühl gelte in diesen schweren Stunden den Angehörigen und Freunden der Opfer. "Wir müssen alles tun, um Antisemitismus entschieden zu bekämpfen", so Kurz auf Twitter.

Die Polizei von New York kündigte an, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtungen der Stadt verstärke. Unter anderem würden zusätzliche Polizeistreifen eingerichtet. Der Gouverneur des US-Bundesstaats Pennsylvania, Tom Wolf, twitterte, notwendig seien Maßnahmen, um derartige "Tragödien" künftig zu verhindern. Diese Gewalt dürfe nicht "als normal akzeptiert" werden.

Trump forderte nach den tödlichen Schüssen von Pittsburgh schnellere Todesurteile für Mörder. "Sie sollten wirklich den ultimativen Preis zahlen", sagte Trump am Samstag über Menschen, die Gläubige in Gotteshäusern erschießen. "Sie sollten nicht Jahre über Jahre darauf warten." Der Präsident sprach sich zudem für bewaffnetes Sicherheitspersonal bei Gottesdiensten aus. "Ein Verrückter ging hinein und sie hatten keinen Schutz", sagte Trump über die Gemeindemitglieder. "Bewaffnete Posten hätten ihn sofort stoppen können." Mit den Waffengesetzen habe der Vorfall nichts zu tun. In den Vereinigten Staaten sterben jährlich mehr als 30.000 Menschen durch Schusswaffen.

Nach Angaben der auf Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus spezialisierten US-Organisation Anti-Defamation League handelt es sich "wahrscheinlich" um den tödlichsten antisemitischen Anschlag der US-Geschichte. In Europa gab es in den vergangenen beiden Jahrzehnten mehrere Anschläge auf jüdische Einrichtungen. Bei einem Terroranschlag auf eine Synagoge im tunesischen Djerba wurden 2002 21 Menschen getötet. 2012 griff ein Mann eine jüdische Schule in Toulouse an und ermordete drei Kinder, einen Lehrer und drei Soldaten. Der Angreifer starb dann im Kugelhagel der Polizei. Er hatte sich selbst als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet. 2014 verübte ein Islamist einen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel, vier Menschen kamen ums Leben. In Paris tötete ein Islamist 2015 vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt.

(APA/Ag.)

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