Der australische Außenminister Kevin Rudd ist am Mittwoch zurückgetreten. Grund ist offenbar eine Führungskrise in der Labour Party. Rudd sagte in einer Pressekonferenz in Washington, er werde am Freitag nach Australien zurückkehren und dann eine ausführliche Erklärung abgeben, berichtete die Zeitung "The Australien" in ihrer Online-Ausgabe.
"Die einfache Wahrheit ist, ich kann nicht weiter als Außenminister dienen, wenn ich nicht die Unterstützung von Ministerpräsidentin Gillard habe", sagte Rudd in einer kurzen Ansprache. Und er fragte seine Parteikollegen, "wer am besten aufgestellt ist, (Oppositionsführer) Tony Abbott bei den nächsten Wahlen zu schlagen?"
Zuvor gab es Spekulationen, dass Rudd Regierungschefin Julia Gillard von der Parteispitze stürzen wolle. In Umfragen sprachen sich 57 Prozent dafür aus, dass die Labour Party bei den kommenden Wahlen von Rudd geführt wird. Nur 35 Prozent waren für Gillard.
Rudd betonte, er habe keine "heimliche Attacke" auf die amtierende Regierungschefin seiner eigenen Labor-Partei vor, berichtete der Sender BBC. "Wir alle wissen, was passiert ist, und es darf nie wieder passieren." Im Juni 2010 war Gillard aus einer parteiinternen Auseinandersetzung mit Rudd siegreich hervorgegangen und hatte das Amt des Premierministers von ihm übernommen. Sie behielt ihn jedoch im Kabinett - aus Parteiräson, wie es damals hieß.
Vor Medienvertretern beklagte Rudd, die Premierministerin habe ihn nicht vor medialen Angriffen gegen seine Person geschützt. Dem BBC-Bericht zufolge plant Rudd die Rückkehr nach Australien am Freitagvormittag. Er wolle sich mit seiner Familie beraten, bevor er eine Entscheidung über seine Zukunft treffe.
(APA/ag.)

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